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Gewalt gegen Frauen: Wirksamer Schutz erfordert Täterarbeit

Die erschreckende Serie an Frauenmorden hat eine breite Debatte über Gewalt an Frauen ausgelöst. Rechtsanwältin Carmen Thronton betrachtet die juristischen Möglichkeiten, die zum besseren Schutz von Frauen in den eigenen vier Wänden beitragen könnten.

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Gewalt gegen Frauen: Wirksamer Schutz erfordert Täterarbeit
© iStock/nito100

Der gefährlichste Ort für Frauen und Kinder sind die eigenen vier Wände, also genau dort, wo sie sich eigentlich am sichersten fühlen sollten. Einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Folge ist Gewalt durch den Beziehungspartner weltweit die häufigste Todesursache für Frauen im Alter zwischen 16 und 44 Jahren. Und leider nimmt häusliche Gewalt stetig zu. In den ersten beiden Wochen des neuen Jahres wurden hierzulande bereits vier Frauen ermordet, und das ist leider nur die Spitze des Eisberges.

Die unfassbare Gewaltserie hat aber eine öffentliche Diskussion darüber entfacht, wie man dieses Problem, das sich durch alle sozialen Schichten zieht, wirksam bekämpfen kann. Mittlerweile hat die Regierung einige Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen angekündigt, unter anderem härtere Strafen für Wiederholungstäter und Vereinfachungen beim Betretungsverbot. Außerdem sollen die Mittel für Opfer- und Täterschutz erhöht werden. Letzteres ist zwar uneingeschränkt zu begrüßen, denn Opferschutzeinrichtungen wie zB der Frauennotruf oder die Frauenhäuser leisten einen unverzichtbaren Beitrag dazu, dass Betroffene von häuslicher Gewalt rund um die Uhr kostenlose Hilfe bekommen.

Nachholbedarf bei Täterarbeit

Allerdings erfordert ein nachhaltiger Opferschutz auch gezielte Täterarbeit durch spezialisierte Beratungseinrichtungen. Und hier hat Österreich noch Nachholbedarf. Denn bei häuslicher Gewalt kann die Polizei den Täter zwar aus der Wohnung wegweisen und ein Betretungsverbot aussprechen. Das Betretungsverbot gilt aber grundsätzlich nur für zwei Wochen. Wenn das Opfer in dieser Zeit keine einstweilige Verfügung beantragt, kommt der Täter wieder in die Wohnung zurück. Und auch mit einer einstweiligen Verfügung ist das Problem nicht wirklich gelöst. Denn diese Maßnahmen schützen zwar das Opfer (vorübergehend) vor weiteren Übergriffen, sie ändern aber nichts an der Gewaltbereitschaft des Täters. In den meisten Fällen kommt es daher früher oder später wieder zu einem Gewaltvorfall. Selbst eine gerichtliche Verurteilung schreckt viele Täter nicht davor ab, weitere Straftaten zu begehen.

Verpflichtendes Anti-Gewalt Training

Daher wäre es sinnvoll, wenn Täter nach einer Wegweisung ein verpflichtendes Anti-Gewalt-Training absolvieren müssten. Derzeit ist eine solche Anordnung nur in einem Obsorge- oder Kontaktrechtsverfahren möglich. Und freiwillig sind dazu nur die wenigsten Täter bereit. Es ist daher zu hoffen, dass endlich die gesetzliche Grundlage für eine verpflichtende Teilnahme an einem Täterprogramm nach einer Wegweisung geschaffen wird und auch entsprechende Mittel für Beratungseinrichtungen bereitgestellt werden. Die bisherigen Ankündigungen der Politik in diese Richtungen waren eher vage.

Gastautorin Carmen Thornton.

Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien und schreibt regelmäßig juristische Artikel für WOMAN.at - zuletzt etwa über Zahnspangenkosten. Ihre Kanzlei ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.