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BBC-Doku enthüllt Gewalt auf kroatischen Geburtsstationen

In Kroatien ist eine Debatte um Gewalt gegen Frauen bei der Geburtshilfe ausgebrochen. "Die Schmerzen bei der Geburt waren dagegen nichts", sagen Frauen in einer BBC-Dokumentation.


BBC-Doku enthüllt Gewalt auf kroatischen Geburtsstationen
© iStock/Kyryl Gorlov

Geburt und Gewalt - das ist ein Thema, das im vergangenen Jahr auch in Österreich Diskussionen ausgelöst hat. Aber was eine Dokumentation der britischen BBC aufzeigt, ist schier unfassbar. Nachdem auch die Parlamentsabgeordnete Ivana Nincevic-Lesandric über über ihre eigenen Erfahrungen nach einer Fehlgeburt berichtete, ist nun eine breite Debatte darüber ausgebrochen. Nincevic-Lesandric spricht von einer "mittelalterliche Behandlung": Sie sei gefesselt worden, danach wurde ihre Gebärmutter ohne Betäubung ausgeschabt. Nincevic-Lesandric sagt, das seien die schmerzhaftesten 30 Minuten ihres Lebens gewesen. Unter dem Hashtag #BreakTheSilence wird die Debatte auch in den sozialen Medien geführt.

Der kroatische Gesundheitsminister Milan Kujundzic bezichtigte Ninevic-Lesandric unterdessen der Lüge: "So wird das in kroatischen Krankenhäusern nicht gemacht." Sie solle ihm ihre Befunde und medizinischen Unterlagen zukommen lassen, er werde sich das anschauen. Daraufhin haben viele kroatische Frauen ihre eigene Geschichte geteilt, um zu zeigen, dass diese Praktiken sehr wohl angewendet werden. Innerhalb von einem Wochenende haben sich 400 Frauen gemeldet, denen es ebenso ergangen ist - ihre Aussagen wurden dem Gesundheitsministerium übermittelt. Gesammelt wurden diese von der Gruppe "Parents in Action", die schon seit Jahren auf diese Missstände aufmerksam macht.

Behandlungen ohne Narkose

"Wir haben Berichte darüber, dass Biopsien, Fruchtbarkeitsuntersuchungen oder vaginale Nähte nach der Geburt ohne Narkose durchgeführt wurden", so die Sprecherin der Eltern-Initiative Daniela Drandic gegenüber der BBC. Darüber hinaus berichten Frauen über Missbrauch und dass während der Geburt auf erniedrigende Art und Weise mit ihnen gesprochen wurde. Dabei seien Aussagen wie: "Wenn du Sex haben konntest, dann kannst du auch das jetzt aushalten" gefallen. Oder, dass sie nur genäht werden "um ihre Ehemänner glücklich zu machen."

Minister: "Geringe Zahl von Fällen"

Was sagt nun das Gesundheitsministerium zu den von der Organisation gesammelten Aussagen der Frauen? Das sei eine "relativ geringe Zahl" an Fällen, die zudem schwer zu untersuchen seien, weil sie anonym sind. Gegenüber der BBC wollten weder der Gesundheitsminister noch die Klinik in Split, wo die Parlamentsabgeordnete Ninevic-Lesandric behandelt wurde, ein Statement abgeben. Eingeräumt wurde nur, dass es möglicherweise verschiedene Auffassungen darüber gebe, wann Narkosen zur Anwendung kommen und dass die Kommunikation mit den Patientinnen verbessert werden müsse.

Zu wenige AnästhesistInnen?

Die kroatische Gynäkologin Ulla Marton zeigt sich im Gespräch mit der BBC wenig überrascht: "Meistens wird das nicht vorsätzlich gemacht. Das wurde über Jahre so betrieben und die Leute sind nicht bereit, sich zu ändern." Ein anderer Grund sei mangelnde Zeit und ein Mangel an qualifiziertem Personal, so Marton: "Als wir der EU beigetreten sind, haben viele Anästhesisten das Land verlassen, weil sie anderswo in der EU bessere Arbeitsbedingungen vorgefunden haben."

Die Debatte am Laufen halten

Wie sich die Debatte nun weiter entwickeln wird? "Jetzt spricht jeder darüber", sagt Abgeordnete Ninevic-Lesandric. "Wir reden darüber und das ist schon mal eine große Veränderung. Aber jetzt müssen wir einen Weg finden, um das auch weiterhin zu tun" und das Thema nicht wieder im Schatten verschwinden zu lassen.