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Warum wir nicht IMMER an uns arbeiten müssen

Unter dem Hashtag #gainingweightiscool posten Frauen Fotos von Gewichtszunahmen während hartem Training. Ein Manifest für mehr Kilos auf den Rippen, ohne unbedingt Sport machen zu müssen.

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Warum wir nicht IMMER an uns arbeiten müssen
© instagram.com/dancingwithdumbbells

Body Positivity ist eine tolle Bewegung. Jeder Körper, wie schlank, üppig, knochig, dunkel und hell er auch sein sollte, wird akzeptiert - also zumindest in der Theorie. Und warum wundert es nicht, dass dieses Body Positivity wieder mal etwas ist, was nur fast nur Frauen betrifft? Leider werden Frauen immer noch allzu häufig auf ihren Körper reduziert. Dabei könnte man aber allgemein über die westliche Welt behaupten, dass dünn schick und dick eher nicht so schick ist - egal um welches Geschlecht es geht.

Übergewichtige Menschen werden nicht nur für ihr Äußeres mißachtet, sondern in manchen Situationen auch schlechter behandelt. Eine Studie von 2013 konnte feststellen, dass übergewichtige Kinder in der Schule schlechter benotet werden und weniger häufig ins Gymnasium kommen, unabhängig vom Bildungsstand der Eltern. Dass ein Mensch so sehr an seiner Körperlichkeit gemessen wird, ist alarmierend.

Umso besser ist es, dass trotzdem viele Frauen und auch Männer versuchen gegen die Konventionen und Klischees anzukämpfen. Klugerweise klammern sie dabei nicht aus, was es für gesundheitliche Probleme verursachen kann, wenn man adipös ist. Trotzdem sprechen sie sich für alle üppigeren Personen, wenn sie sagen, dass man seinen Körper auch lieben kann, wenn er nicht einer Norm entspricht. Oder vielmehr, dass ein falsches Normdenken das eigentliche Problem ist.

Dabei kommen immer wieder neue Hashtags zustande, die vor allem Instagram-UserInnen motivieren soll, an den Trends teilzuhaben. Zwei dieser neuen Body Positivity Hashtags sind #screwthascale ("Scheiß auf die Waage") und #gainingweightiscool ("Gewichtszunahme ist cool"). Gestartet wurden sie von Fitnessbloggerin Lindsay Goulet, die ein Fitnessprogramm namens "Screw the Scale: Learn to Love Your Body" erfand.

Unter den Hashtags posten Frauen "Vorher-Nachher"-Bilder, auf denen sie mit mehr Gewicht auf den Rippen zu sehen sind. Doch nicht so wie man glaubt, denn vor allem geht es darum zu zeigen, dass man bei einem starken Muskelaufbau auch mit mehr Kilos auf der Waage rechnen muss. Und das ist ok, schreiben die Frauen. Autorin Goulet schreibt in ihrem ersten Blogeintrag zu dem Thema über ihre eigenen Erfahrungen mit regelmäßigem Sport, guter Ernährung und dem Schock, dass sie trotzdem mehr wiegt als zuvor.

Liebe Damen (und Herren) hier sollten wir alle pausieren und uns fragen: "Sollte es wirklich ein markerschütternder Schock sein, wenn man mehr wiegt?" Eigentlich nicht, oder? Und das ist auch das Problem mit dieser #gainingweightiscool-Bewegung: Frau muss an sich arbeiten, um sich gut in der eigenen Haut fühlen zu dürfen! Wenn sie an sich arbeitet, dann sind ein paar Kilos mehr auch okay.

Natürlich rühmen sich die Instagram-Damen zu Recht mit ihrem Fleiß, ihrer Ausdauer und ihren Ergebnissen. Sie haben sich selbst durch sportliche Tätigkeiten verwirklicht und das ist toll, aber wir müssen davon wegkommen unter Body Positivity oft nur ein Fitness-Bestreben zu sehen.

Und nichts ist nur schwarz oder nur weiß: Fitness ist super, ein gesunder Körper ist super, ein Doppeldecker-Burger zum Mittagessen ist super, Cellulite ist super, Dehnungstreifen sind super und ein paar Kilo überm BMI ist auch super. Gesundheit ist längerfristig sehr wichtig, aber für den Moment ist es genauso wichtig, sich selbst so zu lieben, wie man ist.

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