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Hats du das Glücks-Gen?

Warum fällt manchen Menschen Heiterkeit so schwer? Gibt es ein Talent zum Glücklichsein? Oder ist Happyness eine Frage der Gene, wie Forscher nun behaupten?

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Hats du das Glücks-Gen?

Was wäre, wenn du genetisch ein A.... wärst?

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Es gibt Menschen wie Nadja. Die immer sonnig wirken, die selbst bei den schlimmsten Katastrophen noch etwas Positives finden und die nach einem Rückschlag schnell wieder ein Lächeln auf den Lippen haben. Heiterkeit, Frohsinn, Glück. Manche Menschen haben ein Talent dafür. Andere blasen lieber Trübsal.

Aber geht es wirklich um Begabung? Ist Glücklichsein ein Wesenszug, der von Erziehung und Lebensführung beeinflusst wird? Oder ist das Talent zum Glück in unseren Genen verankert?

So ist es, behaupten nun zumindest Forscher der "American Psychological Association" . Menschen, die zwei kürzere Transporter-Gene des Glückshormons Serotonin haben (in die Feinheiten der Serotonintransporter führen wir dich nun nicht ein, allein der Wikipedia-Eintrag dazu lässt sich fast nur mit Vorbildung in Genetik entschlüsseln), lächeln und lachen wesentlich häufiger.

Gibt es also so etwas wie ein Gen für Unbeschwertheit? Für "Ich-hab-mehr-Spaß-als-andere"? Greifen wir der Wissenschaft nicht vor, sondern erklären wir erst die Forschung.

Schuld haben – natürlich – deine Eltern

Jeder Mensch erhält von jedem Elternteil jeweils ein Exemplar des 5-HTTLPR – so der Fachbegriff für die Serotonintransportergene. Sind die beiden Gen-Kopien etwa gleich lang, erleuchtet häufiger ein Lachen dein Gesicht, du bist schneller bereit, dich zu zerkringeln (auch über flaue Witze...).

Um einen Zusammenhang zwischen Optimismus und Genen nachzuweisen, unternahmen die US-Wissenschaftler mit 336 Probanden drei Experimente vor. Bei zwei Versuchen wurden den Teilnehmern Filmausschnitte und Karikaturen vorgelegt und bewertet, wie häufig und schnell diese loslachten oder zumindest lächelten. Im dritten Versuch wurden Paare gebeten, ein besonders polarisierendes Thema zu diskutieren.

Claudia Haase, Co-Autorin der Studie zum US-Portal Ozy.com : "Es zeigte sich, dass Personen mit zwei kurzen Transportergenen stärkere positive emotionale Reaktionen zeigten. Sie lachen eher, sie sind bereit, Streits schneller beizulegen und anzuerkennen, dass nicht alles so schlimm ist."

Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Wurden diesen Menschen nämlich traurige Clips vorgespielt, so zeigten sich extremere Stimmungsschwankungen. Haase: "Personen mit zwei kurzen Serotonintransportergenen besitzen eine viel größere Bandbreite an Emotionen. Einerseits lachen sie schneller, andererseits verfallen sie aber auch schneller in Depressionen."

Und Menschen, deren Gene anderes dimensioniert sind? Welche Auswirkungen hat dieser Einfall der Natur auf ihre Launen? Sind die Gene unterschiedlich lang: Keine großen Ausschläge. Sie sind weder überbordend fröhlich, noch schwer depressiv. Übler trifft es jene Personen, die von ihren Eltern zwei LANGE Transportergene geerbt haben. Sie sind eher missgelaunt und schwerer zu erfreuen.

Macht dich jemand blöd an, weil du den ganzen Tag schon miese Laune hast, dann kannst du leider trotzdem nicht die Ausrede "Die Gene sind schuld" anwenden.

Denn für Robert Levenson, den leitenden Autor der Studie, sind die Gene "nur ein Teil der Geschichte", wenn es um emotionale Unterschiede zwischen Menschen geht. "Die Erziehung und unsere Lebensumstände spielen natürlich eine immens wichtige Rolle, damit wir glücklicher als andere sein können." Es sei deshalb wichtig, den Einfluss der Gene auf unsere Emotionen zu untersuchen – diesen aber auch nicht zu über-interpretieren.

Kurzum: Deine kürzeren Serotonintransportergene machen dich zwar vielleicht leichter lachen. Eventuell hast du aber auch nur eine besondere Schwäche für dumme Witze.

Thema: Psychologie