Ressort
Du befindest dich hier:

So befreist du dich aus den Fängen aller Zeit- & Glücksstehler

Unzufriedenheit, Zweifel, Frust. Wenn wir uns immer mehr von unseren Wünschen und Zielen entfernen, steckt oft ein einziger Grund dahinter: Wir werden zu sehr fremdbestimmt. Wie man sich von äußeren Einflüssen befreit, seine Zeit sinnvoll verbringt und Manipulanten schnell entlarvt, weiß unser Experte Ruediger Schache.

von

So befreist du dich aus den Fängen aller Zeit- & Glücksstehler
© iStock

Logisch wär 's ja allemal. Jeder hat sein Leben und lebt es so, wie's ihm gefällt. Aber wie viele kennst du außer Pippi Langstrumpf (und die ist eine literarische Figur), auf die das wirklich zutrifft? Und wie schaut's mit dir selber aus? Bist du gefeit gegen Menschen und Umstände, die dir buchstäblich Ihre Lebenskraft wegfressen? Oder gehörst du zur großen Mehrheit, die um mehr Selbstbestimmung ringt? In diesem Fall möchte dir der Münchner Bestsellerautor und Coach Ruediger Schache sein neues Buch mit auf den Weg geben. In "Klingt logisch! Mach ich aber nicht! So holen Sie sich Ihr Leben zurück! " gibt er Tipps, wie man sich aus den Fängen aller Zeit- und Glücksstehler befreit. Manipulanten, Zwangsbeglücker, Geber ungefragter Ratschläge oder "ewige Opfer" wollen alle was von deinem Leben: Tu dies, tu das! Könntest du nicht? Du solltest doch Man macht das so usw. Daneben musst du dich mit Verpflichtungen, Erwartungen und hinderlichen eigenen Mustern herumschlagen. "Aber das können Sie alles ändern", verspricht der Coach, "indem Sie sich Stück für Stück zurückholen, was Ihnen gehört." Denn wenn man seine Zeit und Kraft auf Dauer für Dinge hergibt, denen man innerlich nicht zustimmt, nagt das am Selbstwert, macht unglücklich, krank. Und nicht nur "große" Dinge wie Beziehung und Job sind da gemeint, auch viele kleinere Musts wie ungeliebte Familienfeste, fordernde Freundinnen, das tägliche Gejammer der Kollegin summieren sich auf dem Konto der Sinnlosigkeiten. So schaffst du, dass dieses nicht weiter wächst:

WOMAN: Welche Anzeichen deuten darauf hin, dass man auf einem falschen Weg ist?
SCHACHE:
Wenn man ständig unzufrieden ist und zweifelt. Oder gesundheitliche Probleme hat, wie es auch bei mir vor vielen Jahren war. Wenn man unerfüllt ist, fühlt man sich schlecht oder gestresst, und irgendwann reagiert der Körper.

Man kann ja in der falschen Beziehung, im falschen Job oder in falschen Aufgaben gefangen sein. Dann wird einem Lebenszeit und Lebenskraft, wie Sie betonen, andauernd weggefressen.
SCHACHE:
So ist es. Wir können unglaublich viel leisten und uns dabei erfüllt und glücklich fühlen, wenn es das Richtige ist. Dieses Richtige ist immer etwas, das mir selbst etwas bedeutet, weil ich dieser Aufgabe oder der Beziehung jeden Tag neu zustimmen kann. Beim Falschen widerspreche ich innerlich. Man sagt sich dann oft Dinge wie: Ich mache das, weil es logisch und vernünftig klingt. Aber wenn man ehrlich ist, will man's überhaupt nicht.

Unglückliche Beziehungen gehören mit zu den größten Lebensräubern. Warum bleiben Menschen in solchen Verbindungen?
SCHACHE:
Oft sind es Muster, Überzeugungen, die unserem Glück im Weg stehen. Bleibt etwa eine Frau bei einem Mann, weil sie seine charismatische Persönlichkeit oder die Sicherheit nicht aufgeben möchte, ist sie in Wahrheit von ihrer eigenen Idee von Sicherheit oder Liebe abhängig. Oder von Ihrer Überzeugung, dass sie das Alleinsein nicht aushält oder lieb sein muss, damit man lieb zu ihr ist. Schritt eins bedeutet daher immer: Suche danach, welche Vorteile dir die Situation verschafft. Und dann arbeite in dir selbst daran, auf diese Vorteile zu verzichten. Wenn du verzichten kannst, bist du frei.Dafür wird es Mut brauchen. Aber Mut kann man üben.

Wie denn?
SCHACHE:
Indem man sich Dinge traut, die man für sich selbst mutig findet, und sich dann auch dafür selbst lobt. Alleine auszugehen, ist für manche Menschen schon eine Mutübung, andere brauchen einen Fallschirmsprung. Wichtig ist nur, eine eigene Grenze zu überschreiten. Das stärkt das Vertrauen in sich selbst und den eigenen Mut Stück für Stück. Wenn man ihn dann einmal braucht, weiß man, dass man ihn hat.

Wenn man aber einem versierten Manipulator in die Hände gefallen ist, wird es schwer sein, sich zu lösen
SCHACHE:
Ja, das ist ein riesiges Thema. Ein Teil der Manipulation ist ja, dass jemand nicht mehr selbstständig klar und sachlich neutral denken kann, nicht mehr weiß, ob er seiner Wahrnehmung und Sichtweise noch vertrauen kann. Ich würde einem Betroffenen raten, sich darüber unbedingt mit Menschen seines Vertrauens auszutauschen.

Sonst verschwendet man kostbare Zeit. Aber den meisten von uns ist ja gar nicht bewusst, wie begrenzt diese ist. Wer denkt schon an ein Ende? Sie haben den Spruch "Zeit ist Geld" zur Veranschaulichung herangezogen.
SCHACHE:
Ich meine, dass unsere Lebenszeit wie ein Konto ist. Wir haben eine Gesamtsumme auf der Bank, und die wird nicht mehr werden. Wir geben ständig etwas aus. Das, was bleibt, wird immer kostbarer. Wir sollten also unser Lebensgeld nicht einfach mal so von Menschen oder Umständen absaugen lassen, sondern überlegen, ob eine Sache unsere Zeit wert ist. Schauen Sie sich um, sehen Sie zu Bekannten, Kollegen: Viele Menschen halten Leid bringende Situationen viel zu lange aus. Wie oft hört man sich stundenlang irgendeinen Unsinn an, aus Höflichkeit etwa, nur um sich dann schlecht zu fühlen. Diese Situationen summieren sich. Bewusst mit seiner Zeit umzugehen bedeutet, Grenzen zu setzen.

Das ist manchmal schwer: Der will was von einem, dem ist man noch was schuldig. Und gerade, wenn man mal relaxen will, ruft der Dritte an ...
SCHACHE:
Lassen Sie nicht zu, dass Ihre Offenherzigkeit ausgenutzt wird. Lassen Sie die anderen spüren, dass Sie Ihre Zeit nicht beliebig herumliegen haben. Der Punkt ist auch: Wenn Sie wenig zu tun haben, in dem Sie einen Sinn sehen, werden Sie Ihre Zeit nicht als wertvoll empfinden -und damit auch nicht sich selbst. Und dann geht oft auch Ihr ganzer Selbstwert mit in den Graben.

Wäre jobmäßig ein guter Verdienst Sinn genug?
SCHACHE:
Nein. Geld allein reicht unserem Verstand auf Dauer nicht aus. Macht Sie die Arbeitszeit so fix und fertig, dass Ihre Freizeit das nicht mehr ausgleichen kann, macht das irgendwann krank. Bedenken Sie: Ihre Zeit vergeht nicht einfach. Sie vergeht mit Inhalt. Und eine Menge Leute wollen mitbestimmen, welcher Inhalt das ist. Aber Bestimmen sollten an oberster Stelle Sie selbst!

»Bewusst mit seiner Zeit umgehen bedeutet: Grenzen setzen!«

Damit man später auch nicht allzu viel bereuen muss. "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben", war ein Thema in Bronnie Wares Bestseller "5 Punkte, die Sterbende am meisten bereuen". Genauso wie: "Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein!" Wenn man sein Leben rechtzeitig zurückholt, wie Sie raten, wird man nichts bereuen müssen.
SCHACHE:
Richtig. Ich finde es eine gute Entscheidung, sich eigene Bedürfnisse zuzugestehen und sich selbst das Recht zu geben, ihnen auch zu folgen. Vielleicht muss dafür ein anderer auf ein wenig von mir verzichten, weil ich es für mich selbst brauche. Aber genauso geht es eben, wenn ich ein glückliches Leben haben möchte.

Wie kann man ein glückliches Leben in wenigen Sätzen auf den Punkt bringen?
SCHACHE:
Finde heraus, was dich erfüllt, sodass du es beim Wort nennen kannst. Tue möglichst viel von dem, was dich erfüllt. Stehe zu deinen Werten und verbiege dich nicht, nur um einen Vorteil im Moment zu erwerben. Tue wenig von dem, was du grundsätzlich gar nicht tun willst. Wenn dich etwas täglich ärgert, sammle diese Ärgerpunkte nicht immer weiter. Am Ende ist die Summe dieser Punkte dein Leben. Verändere es oder verlasse die Quelle des Ärgers.

Wie holt man sich sein Glück zurück?
SCHACHE:
Indem man das Unglück rauswirft. Glück braucht erst mal Platz, und den schaffen wir, indem wir Stück für Stück Dinge reduzieren, die uns unglücklich machen. Nein sagen zu lernen, ist zum Beispiel eine tolle Übung.

Wie schnell man in den Wünschen anderer drin ist, zeigen Sie an der "stillschweigenden Zielübertragung". Wie funktioniert die?
SCHACHE:
Er sagt zum Beispiel: "Du Schatz! Wir haben ja das Ziel, möglichst viel Geld zu verdienen, damit wir uns das Haus leisten können. Weil ich bei so viel Arbeit oft nicht da bin, müsstest du bitte noch folgende Aufgaben übernehmen " Sie nickt. Aber die Frage ist: Haben wirklich WIR das Ziel, möglichst viel Geld zu verdienen, oder folgt sie einem Ziel, über das sie gar nicht wirklich nachgedacht hat? Das nicht wirklich auch ihres ist? Oder er meint: "Ich habe doch immer gesagt, wir ziehen in die Nähe meiner Mutter, weil das mit den Kindern viel praktischer wäre." Und wenn sie nicht zustimmt, legt er nach: "Ich bin davon ausgegangen, dass du es genauso gut findest wie ich. Weil es einfach logisch und naheliegend ist." Jetzt könnte sie antworten: "Ja, es ist logisch und naheliegend, aber ich mag es nicht. Weil ich sehr gern wohne, wo wir wohnen." Melden Sie Ihre wahren Bedürfnisse an. Besser früher als später. Wenn der andere Sie schätzt, wird er nicht wollen, dass er Sie unglücklich macht.

Warum sagen wir manchmal nicht gleich, was uns nicht gefällt?
SCHACHE:
Höflichkeit, Unsicherheit, Kindheitsprägung.

Und wenn man Schuldgefühle und Gewissensbisse hat?
SCHACHE:
Dann versucht man am besten, aus der Gefühlsebene raus auf die reine Sachebene zu gehen. War das, sachlich gesehen, meine Schuld, meine Aufgabe, meine Verantwortung? Die Sachebene ist die Wahrheit, und die ist der Ausweg aus falschen Selbstvorwürfen.

Und wie ist das mit den Verpflichtungen?
SCHACHE:
Eine Verpflichtung kann wahr sein, falsch oder selbst gemacht. Wahr ist, wenn ich zum Beispiel Vater bin und für Kinder zu sorgen habe. Falsch ist, wenn mir ein anderer etwas aufbürdet, was gar nicht meine Verantwortung ist. Selbst gemacht ist, wenn ich denke, ich muss das tun, weil ich sonst nicht mehr gemocht werde. Das Erste ist ein Muss. Über die beiden anderen darf man sehr wohl neu nachdenken und entscheiden.

Ein wichtiger Punkt in Sachen Fremdbestimmtheit sind auch Erwartungen, oder?
SCHACHE:
Genau. Sofern es Ihr Beruf ist und alle Anforderungen geklärt sind, ist es in Ordnung. Aber nicht, wenn Eltern, Partner, Freunde oder Bekannte Ihnen Erwartungen ungefragt überstülpen. Sie an etwas messen und beurteilen. Das ist in Wahrheit Erpressung. Ich formuliere das so krass, weil Erwartungen zu den schlimmsten psychischen Druckmitteln gehören.

Kaum jemand steht vollkommen drüber, weil die Erziehung und die Ausbildung und damit die gesamte Kindheit auf dem System von Erwartungen und deren Erfüllung auf bauen und wir darauf konditioniert sind. Erweisen Sie anderen einen großen Seelendienst, indem Sie Erwartungen von ihnen nehmen. Wie befreie ich mich selbst aus diesen?
SCHACHE:
Diskutieren Sie mit "Erwartern" nicht über die Details, warum Sie es so nicht hinbekommen. Versuchen Sie nicht, zu gewinnen, und warten Sie nicht darauf, dass der andere seine Erwartungen einstellt. Das ist ebenfalls eine Erwartung. Nein, Sie machen klar, dass Erwartungsdruck bei Ihnen ausnahmslos zum Abbruch führt. Aber man kann mit Ihnen möglicherweise Vereinbarungen treffen.

Einen Lebensräuber möchte ich noch aus Ihrem Buch herausgreifen: das Warten auf Erlösung. Was versteht man darunter?
SCHACHE:
Kann unser Verstand ein Thema nicht abschließen, denkt er oft jahrelang darüber nach, wie er es hätte besser machen können. Oft hat man nur noch einen Wunsch: Ich will endlich von diesem Thema frei sein. Man wartet auf eine Entschuldigung oder Anerkennung. Unser Verstand sucht immer wieder nach dem erlösenden Abschlussbild, damit dieses Alles-ist-gut-Gefühl doch noch kommt. Wenn nicht, macht es einen fast wahnsinnig, vielleicht sogar depressiv.

Was kann man tun?
SCHACHE:
Finden Sie unbedingt Ihren Weg zu der Erkenntnis, dass letztlich "alles gut so" ist, und denken Sie den Satz immer wieder, bis seine Gehirnautobahnen dick und stabil geworden sind.

Gehirnautobahnen?
SCHACHE:
Ja. Je öfter ein Mensch einen Gedanken denkt, umso stabiler wird das Nervennetzwerk um diesen herum. Die Autobahn. Der Gedanke wird schließlich zu einer festen Überzeugung, die einem, im Falle eines negativen Inhalts, das Leben schwer macht. "Ich kann nichts verändern", "Ich interessiere eh keinen", "Schuster bleib bei deinem Leisten" oder "Alle Männer sind schlecht" und so weiter. Ich kann dieses Naturgesetz aber auch dazu nutzen, einen neuen Gedanken zu dem Thema zu entwickeln und oft zu denken, dann wird das Gehirn das alte Netzwerk auflösen. Etwa: "Schuster trau dich was und mach was Neues." Denken Sie gute Gedanken, so oft es geht. Wir sind unsere Gedanken. Mit ihnen erschaffen wir die Welt.

So arbeiten die Manipulanten

Jeder, der deinen freien Willen manipulieren möchte, wird sich der immer gleichen Werkzeuge bedienen. Ob im kleinen Rahmen oder im großen. Durchschaue die Lebensräuber. Hier sind ihre Tricks!

Hülle dich in Charisma. Mach dich toll, aber nicht, indem du es sagst, das merkt man, sondern indem du ganz nebenbei toll bist.

Biete Vorteile überall. Eine leichtere Welt, schöne Versprechen ...

Sei die Quelle des Vertrauens. "Ich mach das schon ..."

Erschaffe Einfachheit. Die Welt ist kompliziert. Sie zu verstehen, ist anstrengend. Das Gehirn liebt einfache Erklärungen viel mehr als komplizierte. Mach es simpel, und die Köpfe anderer werden es übernehmen.

Erschaffe Ausschließlichkeit. Wer nicht für dich ist, ist gegen dich. Man muss deine Wahrheit lieben und alle anderen Wahrheiten bezweifeln.

Erfinde ein klares Feindbild. Egal wer der Feind ist, Hauptsache, du hast einen, damit man sich hinter dir versammelt. Die Evolution in den Zellen springt erst mal auf jede Art von Bedrohung an, selbst auf Zukunftsfantasien über Bedrohung.

Gib ihnen eine Gruppe. Die Guten/Starken sind wir. Das Wir-Gefühl und der Schutz des scheinbaren Rudels sind wie ein Stück ersehnter Liebe.

Installiere Angst und einen Abwehrmechanismus gegen Erkenntnisse über deine Manipulation. Überzeuge die anderen, dass ein Unglück geschehen wird, wenn man dich verlässt. Man muss glauben: Ich darf das nicht denken und schon gar nicht sagen, weil das nicht gut für mich ist.

Kontrolliere das Wissen. Behaupte: Die Schlauheit ist immer bei uns, die Dummheit überall da draußen. Drum nur nicht draußen weiter nachforschen.

Thema: Psychologie

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .