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Glücklich geschieden? Wie gut verstehen sie sich wirklich?

Elf Jahre verheiratet, 17 geschieden - seit bald 30 Jahren ein ziemlich starkes Team. In ihrer WOMAN-Kolumne "Glücklich geschieden" berichten die Journalisten Guido Tartarotti, 50, und Birgit Braunrath, 51, über ihren Alltag als Ex-Paar und Eltern-Duo (Fabio, 20, und Mira, 17). Wir haben die beiden getrennt voneinander befragt: Warum ist ihre Ehe gescheitert? Worüber diskutieren sie am häufigsten? Und wofür werden sie einander ewig dankbar sein?

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Glücklich geschieden? Wie gut verstehen sie sich wirklich?

ERFOLGREICH! Für WOMAN schreiben Tartarotti &Braunrath seit 2018 ehrlich und pointiert die weltweit einzige Scheidungs-Doppelkolumne.

© Matt Observe

Warum hat Ihre Ehe nicht geklappt?
GUIDO: Ich finde, sie hat sogar sehr gut geklappt. Irgendwann war ihre Zeit abgelaufen. Das kann man als Scheitern bezeichnen, muss man aber nicht. Entscheidend war, dass wir zwar ein großartiges Paar, aber kein großartiges Elternpaar waren.
BIRGIT: Unsere Ehe hat ganz gut geklappt -zumindest bis wir Eltern wurden. Dann wurde es schwierig, und es führte irgendwann dazu, dass sich keiner mehr wohlfühlte, weder wir noch die Kinder, nehme ich an.

Was wird Birgit antworten?
GUIDO: Ich denke, im Prinzip das Gleiche.
Was wird Guido antworten?
BIRGIT: Früher hätte er garantiert gesagt: "Gescheitert? Wie kommst du darauf? Unsere Ehe ist nicht gescheitert, sie war nur zu Ende. Wenn ein Film, eine Party oder eine Knackwurst zu Ende ist, sagt ja auch keiner: ,Die Wurst ist gescheitert.'" Heute, eine weitere lange, gescheiterte Beziehung später, sieht auch er das ein bisschen anders.

Worüber diskutieren Sie am häufigsten?
GUIDO: Definitiv über absolut alles. Wir können so viel und so lange reden, bis allen schwindelig wird. Meinungsverschiedenheiten hatten wir früher am häufigsten bezüglich der Kindererziehung.
BIRGIT: Früher über Kindererziehung. Er hat mir aus sicherer Entfernung erklärt, wie es in der Theorie easy geht. Ich bin in der Praxis täglich gescheitert. Heute erziehen sich unsere Kinder längst selbst. Jetzt diskutieren wir über den Sinn des Lebens, Beziehungen und ähnliche Themen. Irgendwann kommt er von selber drauf, dass ich recht hatte, und erzählt mir begeistert seine neuesten Erkenntnisse, so als wäre er soeben als erster Mensch darüber gestolpert.

Was ist das Beste an Birgit?
GUIDO: Herzensgüte, Geduld, Humor, Loyalität, scharfe Intelligenz.
Was ist das Beste an Guido?
BIRGIT: Sein Humor. Auf den ist Verlass, sogar bei 40 Grad Fieber und zehn Tonnen Liebeskummer. Er lacht dann zwar selbst nicht mehr, liefert aber gute Pointen. Und natürlich seine Loyalität. Egal was er zu mir sagt, bei anderen lässt er nie ein böses Wort über mich fallen. Hoffe ich zumindest.

Was würden Sie tun, wenn Sie einen Tag lang ihren Alltag leben würden?
GUIDO: Wahnsinnig werden beziehungsweise eben nicht, sondern alles absagen und im abgedunkelten Zimmer liegen. Der Stress, den sie sich immer macht, würde mich überfordern.
Was würden Sie tun, wenn Sie einen Tag lang seinen Alltag leben würden?
BIRGIT: Mir wäre so langweilig. Ich würde hoffen, dass es ein Tag ist, an dem er am Abend einen Auftritt hat, sonst käme ich womöglich gar nicht unter Leute. Für mich ein Alptraum, für ihn ein Paradies. Andererseits würde ich sein Schreibpensum absolut nicht packen, niemand kann so schnell so viel so gut schreiben wie er.

Was sagt Birgit viel zu oft?
GUIDO: "Es ist ärger als je zuvor."
Was sagt Guido viel zu oft?
BIRGIT: Er redet zu viel über Flugzeugabstürze und seltene Krankheiten.

Was kann Birgit besser als Sie?
GUIDO: Fast alles. Kochen, Reisen planen, das Internet handhaben, organisieren, optimistisch sein, Glühbirnen wechseln, Auto fahren, Interviews führen, Smalltalk machen.
Was kann Guido besser als Sie?
BIRGIT: Puh, ganz schön viel. Ski fahren, Gitarre spielen, Weihnachtslieder singen, Steaks braten und natürlich Kinder erziehen.

Und umgekehrt?
GUIDO: Singen.
BIRGIT: Schwimmen, Blockflöte spielen, Kopfstand, kochen und natürlich Kinder erziehen.

Wann, denken Sie, schämt sie sich für Sie?
GUIDO: Ich glaube, das tut sie nie. Vielleicht, wenn ich zu viel Unsinn rede (was schon passiert sein soll).
Wann, denken Sie, schämt er sich für Sie?
BIRGIT: Dafür fühlt er sich nicht mehr zuständig. Als wir noch verheiratet waren, spielte er gern meinen Übersetzer. Es war ihm peinlich, dass ich angeblich viel zu komplex erzählte. Er fasste dann immer zusammen, was ich gesagt hatte, und erklärte allen anderen, was ich damit gemeint hatte. Inzwischen schaffe ich es, mich allein verständlich zu machen.

Wofür werden Sie ihr ewig dankbar sein?
GUIDO: Für ihre bedingungslose, liebevolle Loyalität und für Suppe, Bier und Zuspruch bis zur Erschöpfung in Notlagen.
Wofür werden Sie ihm ewig dankbar sein?
BIRGIT: Dass wir zwei wunderbare Kinder haben, dass wir beruflich immer an einem Strang ziehen, dass wir alles, was Jahre nach der Scheidung noch knirschte, in einer Familientherapie aufgearbeitet haben, dass er meine Eltern genauso gern hat wie seine, dass er sich für mich freuen kann, wenn es mir gut geht.

Was würden Sie rückblickend an Ihrer Ehe ändern?
GUIDO: Einander öfter und klarer sagen, wie sehr man die Beziehung wertschätzt.
BIRGIT: Laut und deutlich sagen, was ich brauche, statt alles allein stemmen zu wollen, bis es nicht mehr geht. Hilfe von außen holen, wenn sich die Kommunikation nur noch im Kreis dreht. Der Zweierbeziehung Raum geben, auch wenn die Kinder noch so klein sind und die Arbeit viel fordert.

Womit bringt Birgit Sie auf die Palme?
GUIDO: Wenn sie glaubt, recht zu haben, und es tatsächlich hat. Umgekehrt ärgere ich sie wahrscheinlich mit Egoismus. Vorträge halten. Neigung zum Weltuntergang.
Womit bringt Guido Sie auf die Palme?
BIRGIT: Mit seinen ewigen Wendungen. Heute ist es so, morgen so. Für mich heißt das: Verlass dich absolut auf das, was er sagt! Zumindest für die nächsten zehn Sekunden.

Woran merken Sie, dass Birgit einen schlechten Tag hat?
GUIDO: Am Tonfall ihrer E-Mails.
Woran merken Sie, dass Guido einen schlechten Tag hat?
BIRGIT: Er mailt schon beim Aufstehen: "Mir geht's heut nicht gut."

Wann freuen Sie sich füreinander?
GUIDO: Oft. Sehr oft. Zuletzt freute ich mich wie narrisch, als Birgit wieder mit ihrem langjährigen Freund zusammengekommen ist.
BIRGIT: Ich habe mich von Herzen gefreut, als er zum "Kolumnisten des Jahres" gewählt wurde. Wir können uns auch intensiv füreinander freuen, wenn es in unseren jeweiligen Liebesbeziehungen gut läuft.

Was weiß Birgit immer besser?
GUIDO: Wie unsere Hotelzimmer wirklich ausgesehen haben, wie man Glühbirnen einsetzt und wo die Beistriche hingehören.
Was weiß Guido immer besser?
BIRGIT: Den genauen Hergang jedes Flugzeugunglücks seit den Gebrüdern Wright. Mit Flugnummer.

Ein Liebes-Revival: Unter welchen Umständen könnten Sie sich das vorstellen?
GUIDO: Unsere Kinder haben unlängst erst zu uns gesagt: "Wir verbieten euch, wieder zusammenzukommen." Ich folge grundsätzlich den Anordnungen meiner Kinder. Dass wir heute, 15 Jahre nach unserer Scheidung, so ein gutes Team sind, liegt vor allem daran, dass wir nie vergessen haben, was wir aneinander mögen.
BIRGIT: Maximal im übernächsten Leben, wenn er als Julia und ich als Romeo wiedergeboren würde.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
GUIDO: Ich weiß ja nicht einmal, wo ich mich in fünf Minuten sehe...
BIRGIT: Mit unseren Kindern um einen Tisch sitzen, essen, trinken, Schmäh führen, bis es ernst wird. Das können wir gut, und das soll so bleiben. Die jeweiligen Partner und Partnerinnen sind herzlich eingeladen mitzureden -falls sie zu Wort kommen.

Guido Tartarotti und Birgit Braunrath auf der Bühne

Was gibt es nach einer Scheidung noch zu lachen? Bei diesem Duo viel! Privat getrennt, beruflich ein Top-Team. "Weil ich so tolerant bin, dass ich ihn noch nicht auf den Mond geschossen habe", lacht Birgit. Und Guido meint: "Weil wir nie vergessen haben, was wir aneinander mögen." Mehr von ihnen gibt's im Kabarett "Glücklich geschieden":

  • 19.3. Die Stadtgalerie (Vorpremiere), Mödling
  • 21.3. (Premiere) / 5.4. / 22.5. Kulisse, Wien
  • 27.4. Kellertheater Wilheringerhof, Klosterneuburg

Wir verlosen für jeden Termin 2 x 2 Tickets unter woman.at/gluecklichgeschieden

GUIDO TARTAROTTI. 1990 startete er seine Karriere als Journalist beim "Kurier", mittlerweile steht er auch als Kabarettist auf der Bühne. Beziehungsstatus: "Fix zamm, seit Kurzem wieder." / BIRGIT BRAUNRATH. Seit 1992 Journalistin, aktuell WOMAN und "Kurier". Beziehungsstatus: "Seit 2003 lebe ich mit einem neuen Partner - zwischen 2017 und 2018 waren wir getrennt."

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