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Glücksforscher Herbert Laszlo im WOMAN-Interview: Glück muss man zulassen!

Jeder sucht es, jeder will es haben: Glück! Was aber steckt hinter dem Phänomen? Wir fragten bei einem Glücksforscher nach.


Glücksforscher Herbert Laszlo im WOMAN-Interview: Glück muss man zulassen!
© Susanne Stemmer

Männer wären zufriedener, wenn sie vermehrt ihre Frauen glücklich machen, schmunzelt Herbert Laszlo, 69, weil Glück etwas ist, das man verschenken muss, um es selbst zu erfahren. Der gelernte Jurist muss es wissen, ist er doch Gründer des Instituts für Glücksforschung in Wien und gerade dabei, eine Privatuni zu gründen wo man für so schöne Berufe wie Happiness-Coach ausgebildet wird. Wir wollten wissen, warum es oft so schwer fällt, happy zu sein und erfuhren, dass es fürs Glück zwar keine Formel gibt, aber doch Möglichkeiten, wie wir es erfahren und erhalten können.

WOMAN: Herr Laszlo, warum muss man Glück erforschen?

Laszlo: Es lohnt sich, weil nicht einmal das Glück des allerglücklichsten Menschen wasserdicht ist. Zwar sagen mir viele, dass sie glücklich sind, wissen aber nicht, dass es noch Steigerungen gibt.

WOMAN: Wer ist Ihrer Definition zufolge glücklich?

Laszlo: Der, der vertraut! Misstrauische Menschen hingegen verhindern einen Teil ihres Glücks. Ganz wichtig ist auch der Wechsel zwischen angenehmen und unangenehmen Gefühlen, denn nur so bleibt der Gemütszustand des Glücks auf Dauer erhalten.

WOMAN: Es heißt auch, Menschen, die lächeln, sind glücklich. Ist es so simpel?

Laszlo: Prinzipiell schon. Wir können durch die Körpersprache sogar angenehme Gefühle erzeugen, etwa durch Lachyoga. Nach dem Motto: Ich lache nicht, weil ich glücklich bin, sondern ich bin glücklich, weil ich lache!

WOMAN: Man kann sich also zum Glück denken?

Laszlo: Das funktioniert, ja! Wer das aber ausschließlich tut, lebt gefährlich, weil es zu Realitätsverlust führt. Man hat die rosarote Brille auf, nimmt nur noch wahr, was ins Konzept passt.

WOMAN: Lässt sich das auch auf Liebesdinge ummünzen?

Laszlo: Natürlich! Nicht umsonst sucht man, wenn es zu gut läuft, wieder etwas, damit es bergab geht. Das ist gut so, denn das ständig angenehme Gefühl wird schnell fad. Eigentlich müsste man sagen: Gott, erhalte uns den Streit in der Beziehung!

WOMAN: Ist das Ihr Glücks-Code für funktionierende Beziehungen?

Laszlo: Ein Teil davon. Heiß lieben wird man jene Person, die einen optimal beansprucht. Das bedeutet: Man muss sich in den anderen hineinversetzen, um die richtigen Reize im richtigen Moment setzen zu können.

WOMAN: Bitte etwas konkreter.

Laszlo: Es zahlt sich aus, genau auf die Körpersprache des anderen zu achten. Beginnt man den Partner zu überbeanspruchen oder zu langweilen, sollte man das bemerken und gegensteuern. Ist das nicht mehr möglich, muss man den Mut haben, die Beziehung zu beenden.

WOMAN: Glücklich ist also nur jemand, der seinen Gefühlen freien Lauf lässt?

Laszlo: Nein, glücklich ist jemand, der sich traut, glücklich zu sein! Da sind wir wieder bei der Liebe: Man muss Komplimente als etwas Positives nehmen, sich darüber freuen und nicht hinterfragen. Glück muss man zulassen! Leider sind wir alle so erzogen, dass wir stets einen Hintergedanken vermuten. Dieses ständige Lauern macht aber nur unglücklich. Also: loslassen und sich anvertrauen! Dem Partner zu sagen Mach mich glücklich! wäre eine Variante.

WOMAN: Das widerspricht der Psychologie, die sagt: Glücklich machen kann man sich nur selbst?

Laszlo: Ich sage: Wir können nur einander glücklich machen!

WOMAN: Sie erforschen das Glück seit mehr als 50 Jahren. Haben Sie eine Formel dafür gefunden?

Laszlo: Nein, ich möchte auch gar keine aufstellen, weil ich nicht vorschreiben möchte, wie Glück zu funktionieren hat. Da halte ich mich an Zukunftsforscher Horx, der herausgefunden hat, dass es den Menschen nicht mehr um Ratschläge geht, wie sie etwas tun sollen, sondern darum, wie Dinge funktionieren. Und sich dann lieber ihre eigenen Regeln danach aufstellen.

WOMAN: Sind Sie selbst ein glücklicherer Mensch, seit Sie das Glück erforschen?

Laszlo: Ja, natürlich. Ich würde, wenn ich die Regeln nicht wüsste, mit meiner Frau wesentlich mehr Machtkämpfe ausfechten. Aber ich weiß, dass Macht unglücklich macht.

WOMAN: Einer neuen Studie zufolge sind die Österreicher am glücklichsten, wenn sie gesund sind, eine ausfüllende Tätigkeit haben oder in einer langjährigen Beziehung leben. Am Ende des Rankings stehen Schönheit und Reichtum. Ein überraschendes Ergebnis?

Laszlo: Nein, diese Studien zeigen leider nur das, was die Leute bereit sind, zuzugeben. Schönheit und Reichtum werden in Wahrheit sehr wohl auch als wichtig angesehen.

WOMAN: Schon bald möchten Sie die erste Privatuni der Welt für Glücksforschung gründen. Was erwartet einen dort?

Laszlo: Vier verschiedene Studiengänge, die allesamt mit einem Doktorat enden: Life-Management, Glücksforschung, Lebenskunst und Glückswirtschaft. Wenn alles klappt, könnte es in eineinhalb Jahren schon so weit sein. Es bleibt spannend!

Redaktion: Katrin Kuba