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Macht Glutenunverträglichkeit unfruchtbar?

Ist die Glutenunverträglichkeit schuld am unerfüllten Kinderwunsch? Eine Expertin erklärt, warum Zöliakie zu Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten führen kann.

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Glutenunverträglichkeit macht unfruchtbar

Es klappt einfach nicht, egal was ihr probiert?

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„Bei rund 30 % aller Paare kann keine handfeste Ursache für ihren unerfüllten Kinderwunsch gefunden werden“, berichtet Dr. Corinna Mann, Oberärztin im Kinderwunschzentrum Goldenes Kreuz. „Ein Zusammenhang zwischen Glutenunverträglichkeit und ungeklärter Sterilität wurde bereits seit längerem vermutet. Nun liegt der wissenschaftliche Beleg vor.“

Eine aktuelle Metaanalyse eines italienischen Forscherteams zeigt, dass Frauen, die keine Kinder bekommen können, fünfmal häufiger unter einer Glutenunverträglichkeit leiden als die restliche Bevölkerung. Bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten tritt die Sensibilität auf das Klebereiweiß gar sechsmal häufiger auf.

Rund 20 bis 50 % der Betroffenen weisen keine klassischen Symptome wie Durchfälle, Übelkeit, Blutarmut oder Müdigkeit auf - die Unverträglichkeit bleibt deswegen jahrelang unerkannt. Corinna Mann bewertet die Ergebnisse daher als sehr relevant: „Die Studie legt dar, dass eine Glutenunverträglichkeit auch ohne übliche Beschwerden vorliegen und trotzdem einen bedeutenden Einfluss auf die Erfüllung eines Kinderwunsches haben kann.“

Woran erkennt man eine Glutenunverträglichkeit?

Die klinischen Symptome einer Glutenunverträglichkeit können sehr unterschiedlich sein. Daher wird sie in Fachkreisen auch oft als "Chamäleon der Gastroenterologie“ bezeichnet und häufig sehr spät oder gar nicht erkannt.

Die meisten Betroffenen können folgende Beschwerden haben: Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl, Sodbrennen, Blähungen, Durchfälle, Verstopfungen. Aber auch: Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Depressionen, Muskelschwäche oder Migräne können Anzeichen sein. Oder, für unseren Bereich interessant, Zyklusstörungen, verminderte Sexualfunktion und Unfruchtbarkeit.

Mittels einfacher Blutabnahme kann auf spezielle Antikörper untersucht werden, die auf eine Glutenunverträglichkeit hinweisen. Heilbar ist weder die Sensitivität noch die Autoimmunerkrankung Zöliakie. Durch eine glutenfreie Diät können Beschwerden jedoch vermindert und Gesundheitsrisiken reduziert werden. Das Kinderwunschzentrum Goldenes Kreuz hat den Bluttest in seine Voruntersuchungen standardmäßig aufgenommen.

Wie kann die Zöliakie Fehlgeburten verursachen?

Dr. Mann betont vorweg: "Dies ist eine sehr komplexe Frage, hierzu gibt es mehrere Theorien, die aber noch nicht erwiesen sind."

"Eine Glutenunverträglichkeit führt zu einer Immunreaktion im Körper. Es werden Antikörper gebildet, die sich eventuell auch gegen die Gebärmutterschleimhaut und den Embryo richten. Es wird vermutet, dass auch Antikörper gebildet werden, die sich gegen die Plazenta richten und die Einnistung des Embryos erschweren. Des Weiteren könnten die Antikörper die Gefäßneubildung in der Gebärmutterschleimhaut hemmen und die Einnistung des Embryos in die Gebärmutter stören. Die unzureichende Einnistung könnte zu der vermehrten Rate an Fehlgeburten bei Frauen mit Glutenunverträglichkeit führen, dies würde auch das geringere Geburtsgewicht bei den Kindern erklären."

Wie sieht eine Zöliakie-Diät aus?

Glutenfreie Ernährung: Sprich, Verzicht auf Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, etc., alle Lebensmittel die Gluten enthalten, wie Mehl, Grieß, Paniermehl, Teigwaren und daraus hergestellte Produkte: Brot, Gebäck, paniertes Fleisch, Fisch, Pizza, Nudeln, Knödel, Kuchen, Torten etc.

"Die Diät muss ein Leben lang beibehalten werden", sagt Dr. Mann.

Oberärztin Dr. Corinna Mann, Kinderwunschzentrum Goldenes Kreuz
Oberärztin Dr. Corinna Mann, Kinderwunschzentrum Goldenes Kreuz