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Gefährliche Drohung bei GNTM: "Ich werde deine Beine brechen"

Streit bei "Germany’s Next Topmodel?" Nichts Neues. Aber in der letzten Folge der Casting-Show erschreckte eine Auseinandersetzung zwischen zwei Kandidatinnen selbst hartgesottene Fans.

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Gefährliche Drohung bei GNTM: "Ich werde deine Beine brechen"
© Getty Images

Beim Konkurrenzkampf der Modelanwärterinnen in Heidi Klums Erfolgsshow kochen schon mal die Emotionen hoch. Das ist das Publikum gewohnt und die meisten ZuseherInnen warten sogar sehnsüchtig darauf. In der "Germany’s Next Topmodel"-Folge vom 11. Februar erreichte ein Zerwürfnis allerdings ein neues Level.

Nach einem Fotoshooting entbrannte ein Konflikt zwischen zwei Kandidatinnen. Dabei fiel der heftige Satz: "Wenn ich zu Hause bin und diese Interviews sehe und du wirklich gesagt hast: 'Ich finde, dass mein Shooting schiefgelaufen ist wegen Lili' oder dass ich irgendwie der Grund sein könnte – werde ich deine Beine brechen“, drohte Liliana ihrer Mitbewerberin Soulin.

Auch verbale Gewalt ist Gewalt

Dieser letzte, beiläufig ausgesprochene Satz – mit dem eine Körperverletzung angedroht wurde – zeigt deutlich, wie harmlos und unproblematisch verbale Gewalt noch immer eingestuft wird. Oft hört man danach als vermeintliche Entschuldigung, "man hätte es gar nicht so gemeint." Aber Sätze dieser Art haben Vorbildwirkung. Wenn sie unkritisiert bleiben, wird Gewalt normalisiert. Die Folge sind Auswirkungen auf das Gewaltpotenzial jener, die die Aussagen hören. In diesem Fall das junge Publikum von GNTM.

Dabei ist uns wichtig anzumerken: Wir wollen mit unserem Beitrag nicht Liliana ins Kreuzfeuer der Kritik nehmen, sondern vielmehr die Verantwortlichen bei ProSieben hinterfragen. Der Sender ließ die Drohung unkommentiert stehen. Mehr noch: Heidi Klums fröhlicher Kommentar dazu "Die einen lösen Konflikte, die anderen kommen sich näher“, spielte die Situation herunter. Ganz ehrlich: Wir kennen bessere Konfliktlösungsstrategien.

Die gesamte Szene siehst du im folgenden Video:


Von ProSieben-Sendersprecher Christoph Körfer erhielten wir dazu das folgende Statement:

"Wenn man diesen Satz aus dem Kontext reißt, klingt er wirklich sehr hart – und nach Androhung von körperlicher Gewalt. Wenn man ihn im Kontext sieht, steht er für die Enttäuschung und den Frust der Kandidatin. Das ist sicher eine rohe Sprache, die augenscheinlich unter manchen jungen Menschen so gesprochen wird. Wir können Ihnen aber versichern, dass es der Kandidatin nicht um körperliche Gewalt ging und geht. Die Debatte um diesen Satz begrüßen wir. Sie rüttelt wach."

Leider bezieht sich ProSieben darin nur auf die Aussagen von Liliana und nicht auf die eigenen Entscheidungen im Rahmen der Show. Auf telefonische Nachfrage, ob sich der Sender seiner Vorbildfunktion gegenüber jungen Menschen nicht bewusst war, gab es keine offizielle Antwort.

Ist eine schnell ausgesprochene Drohung eine Straftat?

Aber wie sieht die rechtliche Lage aus? Dazu haben wir Patrick O. Kainz von "Law and Beyond" zu Rate gezogen: "In Österreich wäre die Aussage am ehesten als ‘gefährliche Drohung‘ einzustufen. Die Gerichte prüfen dann, ob das Gesagte objektiv eine begründete Sorge und eine 'tiefgreifende Beeinträchtigung des Gemütszustandes' – wie Furcht und Unruhe – hervorrufen kann. Und ob die Täterin das herbeiführen wollte. Es ist dabei nicht entscheidend, ob die bedrohte Kandidatin tatsächlich Angst hatte."

Das ist jedoch nicht das einzige Entscheidende, weiß der Jurist: "Die Gerichte müssen auch untersuchen, ob es sich um eine sogenannte 'milieubedingte Unmutsäußerung' gehandelt haben kann. Denn ein 'Ich breche dir die Beine' hat beim Tanzunterricht beim Elmayer wohl weniger Platz als bei einem Fußballspiel der lokalen Amateursliga." Zudem müssen die genauen Umstände berücksichtigt werden, unter denen die Aussage getätigt wurde: War der Rahmen beeinträchtigt durch Milieu, Umgangston, Alter, Erregung oder Alkohol? "Es wäre spannend zu wissen, ob die Gerichte die aufgeheizte Stimmung im Modelwettbewerb schon als solche Begleitumstände werten würden", analysiert Kainz die Situation.

In Deutschland ist laut Christian Lödden von "lexhades Rechtsanwälte" die Äußerung (noch) nicht strafbar. In Frage komme zwar der Tatbestand der Bedrohung. Allerdings bedarf es dafür der Kombination mit einem Verbrechen: "Nach deutschem Recht ist das eine Straftat, die mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe belangt wird. Ein Beinbruch ist aber eine Körperverletzung, die nur eine Geldstrafe oder sechs Monate Freiheitsstrafe nach sich zieht." Das kann sich aber in naher Zukunft ändern. Denn mit dem neuen Gesetz zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität wäre Lilianas Äußerung sehr wohl strafbar.

Thema: Heidi Klum