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Österreicherin entert Bohrschiff

Miriam Friedrich (23) aus Wien besetzt seit Montag im Nordpazifik ein Bohrschiff des Ölkonzerns Shell. Warum die Greenpeace -Aktivistin für den Umweltschutz kämpft und wie es ihr jetzt geht, berichtet sie uns im Telefonat direkt von der Ölplattform.

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Österreicherin entert Bohrschiff
© Vincenzo Floramo/Greenpeace

"Ich träume seit meinem neunten Lebensjahr davon, mich auf einem GP-Schiff (GP = Grrenpeace, Anm. d. Red.) an vorderster Front für eine bessere Welt einzusetzen. Jahre des ständigen Hinterfragens und Reflektierens haben vieles in und an mir geändert. Geblieben ist die Überzeugung, dass ich etwas bewegen will und das auch kann.", so die Österreicherin Miriam Friedrich. Seit Montagabend unserer Zeit protestiert die Umweltpädagogik-Studentin mit fünf weiteren Freiwilligen aus Australien, Deutschland, Neuseeland, Schweden und den USA im Pazifik in der Nähe von Hawaii auf einem Bohrschiff des Konzerns Shell.

Anlass der Aktion ist der Transport einer Ölplattform in die Arktis. Vor der Küste Alaskas will der Energiekonzern seine Ölbohrungen wieder aufnehmen. "Die Arktis ist ein sehr sensibles Ökosystem und wirkt regulierend auf das gesamte Weltklima. Gleichzeitig ist aber gerade der nördliche Polarkappen-Bereich extrem vom Klimawandel betroffen ... Fernab vom Blickfeld der meisten Menschen meinen einige Firmen sie könnten ungesehen Raubbau an der Natur betreiben. Ich sehe meine Aufgabe darin, diese Umweltverbrechen aufzuzeigen.", erklärt die 23-Jährige, warum sie Teil dieses Protests ist.

Seit 2011 agiert Miriam als Aktivistin. Warum? "Freiheit korrespondiert in einer rechtsstaatlichen demokratischen Gesellschaft immer mit Verantwortung. Ich will meine Verantwortung wahrnehmen – wenn ich dafür meine persönliche Freiheit aufs Spiel setzen muss, dann ist das eben so." Und am Montag war es soweit. Vom Greenpeace -Schiff "Esperanza" aus wurden die Umweltschützer mit Schlauchbooten zur Ölplattform "Polar Pioneer" gebracht, um diese zu besteigen. Und es gelang ihnen. Seit diesem Zeitpunkt hält die Österreicherin via Twitter (@MiriFriedrich) die Außenwelt von ihrem Camp aus am Laufenden.

Bis Mitte April will das sechsköpfige Team in seinem Basislager in rund 20 Metern Höhe ausharren. "Das bedeutet eine Woche auf einer winzigen Plattform im Freien. Bei jeder Witterung und bei jedem Seegang. Eine enorme psychische und physische Herausforderung.", erklärt Greenpeace -Sprecher Lukas Meus. Und als wir mit Miriam via Satellitentelefon sprechen, zischt ein Wind, das es uns am anderen Ende der Leitung friert. Kaum vorzustellen, was die junge Frau freiwillig durchmacht, um ein Zeichen zu setzen. Aber sie bestätigt uns, dass es ihr gut gehe. Die "Esperanza" begleitet den Hochsee-Transporter, um Proviant zu liefern und im Notfall eine Evakuierung einzuleiten.

Familie und Freunde stehen hinter der erfahrenen Kletterin, die während des riskanten Aufstiegs auf das Schiff keinerlei Angst verspürte. Auch vor dem Ölkonzern habe sie keine. "Wir haben die Macht. Wir haben die Power.", betont Miriam im Gespräch. Und sie weiß, dass viele Menschen sie und ihr Tun unterstützen. Knapp sieben Millionen Menschen weltweit haben im Zuge der "Save the artic"-Kampagne – der Protest ist Teil dieser – eine Petition unterschrieben, die ein Schutzgebiet rund um den Nordpol und ein Verbot von Ölbohrungen in der Arktis fordert.

Miriam Friedrich versucht mit vollem Körpereinsatz die Welt ein (großes) Stückchen besser zu machen. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen. Wir drücken ihr die Daumen, dass sie wohlauf wieder nach Österreich zurückkehrt. Und auf was freut sich die Aktivistin, wenn sie zurück ist? "Auf Kuchen." Auch im Nordpazifik behält sie ihren Humor.

Thema: Report