Ressort
Du befindest dich hier:

Fa(i)r away ...

Der nächste Urlaub wird unbeschwert, denn statt Zettelwirtschaft reisen wir mit E-Tickets, und Plastik kommt uns gar nicht erst in den (Öko)-Rucksack! Mit diesen nachhaltigen Tipps wird der Trip zum grünen Erlebnis – ganz ohne Müll!

von

Fa(i)r away ...
© istockphoto.com
1

Reiseplanung: E-Ticket statt ausdrucken
Flugticket, Hotelinfo, Reisepasskopien: Auch wenn wir nur übers Wochenende wegfahren, bräuchten wir locker einen Aktenkoffer für die vielen Bestätigungen. Um unnötigen Papierkram zu vermeiden, kann man heutzutage ganz einfach Tickets und Stadtpläne am Handy speichern. Jede große Fluglinie hat auch eigene Apps, über die man online einchecken kann und das elektronische Ticket per Mail oder SMS zugeschickt bekommt. Und: Nicht jeder Flyer muss mit – ein Handyfoto genügt (wer dennoch auf Haptik besteht: Bücher usw. können in Hotels oder Cafés für andere Reisende zurückgelassen werden). Einzige Voraussetzung für das "Projekt Papierlos": Ausreichend Akkulaufzeit.

2

Ich packe meinen Rucksack
Ja, umweltschonendes Reisen beginnt schon bei der Ausrüstung. Firmen wie Vaude, Ethnotek oder Picture bieten sowohl nachhaltiges als auch stylishes Reisegepäck an. Und dann geht es auch schon ans Packen: "Je weniger Platz im Gepäck, umso weniger kauft man im Urlaub ein. Zudem wird mit leichtem Gepäck CO2 gespart", sagt Stefany Seipp, Leiterin der Reisesite greenpearls.com – und hat gleich noch einen praktischen Tipp parat: Jutebeutel (statt haufenweise Plastiksackerl) mitnehmen, und wenn möglich nur aufladbare Batterien verwenden.

3

Fliegen oder fahren?
Mit dem Flugzeug ist es natürlich bequem, zu verreisen, aber auch hier gibt es eine Faustregel: Flüge unter 700 Kilometer sind zu vermeiden, ab dieser Entfernung sollte man mindestens acht Tage und ab 2.000 Kilometer zumindest 15 Tage Aufenthalt einplanen. Oops, das Paris-Wochenende oder der Spanien-Kurzurlaub sind bereits gebucht? Kein Problem, es gibt nämlich auch die Möglichkeit, die entstehenden CO2-Emissionen mit Spenden zu kompensieren. Für einen Flug von Wien nach Kreta fallen etwa rund 20 Euro an. Über diese Beiträge (z. B. auf atmosfair.de, greenmiles.de oder myclimate.org) werden diverse Klimaschutzprojekte finanziert. Und wie sieht es mit anderen Transportmitteln aus? Bei kurzen Strecken sind Bus und Bahn am günstigsten, was Energieverbrauch und CO2-Ausstoß betrifft. Im Fernverkehr ist der Bus sogar günstiger.

4

Trinken: Tschüss, Plastik-Flaschen!
Trinken ist wichtig, keine Frage. Es muss jedoch nicht immer eine neue Plastikflasche dafür herhalten. "Am besten ist ein BPA-freier Behälter aus Edelstahl. Fliegt man in Länder ohne Trinkwasser aus der Leitung, ist ein integrierter Wasserfilter, der Chlor, Kalk und andere organische Schadstoffe aus dem Wasser filtert, zu empfehlen. Sogar E.Coli-Bakterien und Parasiten lassen sich von einem hochwertigen Filter aufhalten, sodass sogar schmutziges Wasser trinkbar wird", rät Stefany Seipp von Green Pearls. Hier gibt es trendige, plastikfreie Flaschen bzw. Filter: avocadostore.at & steripen.com

5

Die "Take 3"-Regel
Igitt, es gibt wohl nichts Grauslicheres, als sich neben einem Haufen Zigarettenstummeln zu sonnen. Anstatt sich über die Übeltäter zu ärgern, lieber an der "Take 3"-Initiative beteiligen: Beim Heimgehen einfach neben dem eigenen Müll drei weitere Dinge vom Strand mitnehmen. Die 2009 gegründete, gleichnamige Non-Profit-Organisation will damit ein Zeichen gegen Umweltverschmutzung setzen. Unter dem Hashtag #Take3fortheSea können engagierte Urlauber ein Foto der eingesammelten Gegenstände auf Facebook oder Instagram hochladen, die Organisation veröffentlicht dann die gemeinsam erreichten Erfolgsstories. take3.org

6

Nachhaltige Alternativen & Microadventure
Statt sich mit dem Touri-Bus von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit chauffieren zu lassen, lieber mal mit dem Rad die Stadt erkunden. Viele Hotels bieten mittlerweile einen kostenlosen Verleih an. Oder noch besser: Gleich einen Trip der etwas anderen Art buchen: Wer nicht auf Camping steht, kann die luxuriösere, aber immer noch nachhaltige Alternative Glamping ausprobieren: "Dabei wird die Umwelt geschont, Müll vermieden und ein bewusster und respektvoller Umgang mit den Menschen vor Ort geboten", so Green-Expertin Seipp. Glampingurlaub in Österreich: glampingurlaub.com. Ebenfalls beliebt: Microadventures, kleine Abenteuer, die direkt vor der Haustür warten. Kreative und lustige Ideen gibt es hier: alastairhumphreys.com

7

So erkenne ich grüne Hotels
So, wo findet man nun seriöse Angebote? "Es gibt rund 140 internationale und Tonnen von nationalen Zertifizierungen. Websites der Verbraucherverbände sowie das Portal destinet.eu können hier einen Überblick geben", rät Seipp. Wichtige Gütesiegel: das Österreichische & Europäische Umweltzeichen (umweltzeichen.at; eu-ecolabel.de). TourCert deckt ökologische und soziale Komponenten ab (tourcert.org). Green Key wird weltweit eingesetzt (greenkey.global). Und abseits des Gütesiegel-Dschungels? "Nachhaltigkeit steht auf drei Säulen: der Umwelt sowie sozialen und ökonomischen Faktoren", so Seipp. Das heißt für nachhaltige Hotels: vorwiegend einheimische Angestellte, faire Bedingungen, Unterstützung von sozialen Projekten, nachhaltige Architektur, Energieeinsparung, Wassersparmaßnahmen und regionale Lebensmittel.

8

Das Schminkköfferchen
Sonnencreme, Insektenschutzmittel, Shampoo – das schreit geradezu nach einer Überdosis Chemie. Und das nicht nur am Körper, sondern in weiterer Folge auch im Meer. Die gute Nachricht: Es gibt mittlerweile eine Reihe haut-und umweltverträglicher Wasch- und Pflegeprodukte. Tipp: Mit fester Kosmetik (z. B. Seifen) vermeidet man einerseits Müll und hat keine Probleme mit der Flüssigkeitsbeschränkung beim Fliegen (wenn es keine andere Transportmöglichkeit gibt, siehe Punkt 3). Oder einfach Nachfüllbehälter für Duschgel etc. besorgen, etwa hier: beechange.com

9

"Greenwashing"? Nein, danke!
Selbst ernannte "grüne" Hotels, denen Ressourcenschonung oder Recycling jedoch ein Fremdwort sind? Ja, die gibt es auch. Beim sogenannten "Greenwashing" beschreiben Betreiber das eigene Haus als grüner und nachhaltiger, als es tatsächlich ist. Stoppen kann man diese Fakes leider nicht, denn es gibt immer noch kein Gesetz, das jemanden daran hindert, sich selbst den Öko-Stempel aufzudrücken. Deshalb gilt: Augen und Ohren offen halten und etwa nachfragen, was das Hotel denn so umweltfreundlich macht. Wird z. B. Regenwasser gesammelt? Oder werden anstatt der Mini-Verpackungen für Butter & Marmelade Gläser verwendet? Mehr dazu siehe Punkt 7.

10

Essen: Bananenblätter, Spork und Stoffservietten
Local's best: Jedes Land hat seine eigenen Spezialitäten und Gerichte – und die sollten auch unbedingt verkostet werden. Außerdem: Schnitzel oder Apfelstrudel schmecken sowieso nur bei uns gut. Deshalb gilt: Ab zum nächsten Markt und Mut zu kulinarischen Experimenten. Das spart nicht nur unnötige Verpackungen und Transportwege, sondern unterstützt auch noch die lokale Bevölkerung und Wirtschaft. Wir lieben den Spork (eine Mischung aus Gabel und Löffel) statt Plastikbesteck! Anstelle von herkömmlichen Strohhalmen kann man zur Bambusvariante greifen, To-go-Gerichte in Bananenblätter oder kleine Food Container (z. B. "Klean Kanteen" ca. € 25,- auf amazon.at) einpacken lassen bzw. wiederverwendbares Wachspapier benutzen. Und: Ein Stofftuch ist ein umweltfreundlicher Ersatz für Papierservietten!

11

Anbieter & Initiativen
Auf der Plattform greenpearls.com werden Reiseanbieter, Hotels, Destinationen, Ausflugsziele und Restaurants übersichtlich gelistet – mit vielen Tipps und Infos. "Vor allem Thailand mit seinem Community Based Tourism spezialisiert sich auf lokalen Tourismus, der die Menschen vor Ort einbindet, fördert und dem Gast eine nachhaltige Erfahrung beschert", meint Seipp. So erlebt man etwa mit hivesters.com das authentische Thailand. Auf Bali finden die "I am not Plastic"-Verpackungen und die Bye Bye Plastic-Initiative in immer mehr Restaurants Anklang. Für noch mehr Inspiration: Jährlich aktualisiert die Non-Profit-Organisation Ethical Traveler ein Ranking von aufstrebenden Entwicklungsländern, die ethisch vertretbar sind (ethicaltraveler.org). Belize, Chile und Costa Rica gelten dabei als Vorzeigedestinationen. Für hautnahe Erlebnisse sorgt der Reiseveranstalter Chamäleon Reisen. Hier begleiten einheimische Reiseleiter kleine Gruppen und integrieren diese auch in ihr Familienleben. chamaeleon-reisen.at