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Gruppen-Vergewaltigung als Mode-Inszenierung

Geschmackloser geht es kaum: Ein indischer Mode-Fotograf inszeniert Fashion-Bilder, die an die grausame Bus-Vergewaltigung einer Studentin in Delhi erinnern.


Gruppen-Vergewaltigung als Mode-Inszenierung

Bild aus dem Geschmacklos-Shooting von Raj Shetye

© Raj Shetye/via Behance.net

Zwei Männer zerren eine junge Frau auf die Rückbank eines Busses, einer drückt sie zu Boden, der andere versucht, ihre Beine auseinander zu zwingen. Szenenwechsel. Die Frau liegt auf dem Boden des Fahrzeugs, über ihr die nackten Beine eines Mannes in schweren Arbeitsstiefeln.

Die Bilder rufen fürchterliche Assoziationen hervor. Erinnerungen an 2011, als in einem Bus in Indiens Hauptstadt Delhi mehrere Männer über eine junge Studentin herfielen, sie brutal vergewaltigten und misshandelten, bis die junge Frau ihren Verletzungen erlag.

Entsetzen: Ist Vergewaltigung nun chic?

Es sind Aufnahmen des indischen Fotografen Raj Shetye – und sie sorgen dafür, dass nicht nur Frauenrechtler wüten. Denn es sind Modeaufnahmen, die eindeutige Parallelen zu der Gruppenvergewaltigung von vor zwei Jahren aufweisen (Link-Tipp: Indien: Revolver für Frauen ).

Auf Twitter und in Foren protestieren User gegen die geschmacklosen Fotos: sie seien „krank“ und „abstoßend“. "Wie kann man eine Vergewaltigung als ein fashionables Event inszenieren?" schreibt Priya ‏@pliyaaa. Und Userin Sufiya Ahmed legt nach: "Großartig. Jetzt können sich die Vergewaltiger auch noch einbilden, ihre Taten wären chic!"

Nirmala Samant, die Vorsitzende der Nationalen Frauenkommission, fordert sogar polizeiliche Ermittlungen. „Diese Bilder sind die pure Verherrlichung von Gewalt.“ Mit künstlerischer Freiheit habe das nichts mehr zu tun.

Fotograf Raj Shetye fühlt sich missverstanden. Sein Ziel sei es, Kunst zu schaffen, die in der Gesellschaft Reaktionen hervorruft. Die Serie "The Wrong Turn" solle provozieren, aufrütteln und auf Missstände aufmerksam machen. Shetye argumentiert gegenüber dem Portal Buzzfeed: "Die Frau auf den Bildern trägt teure Designer-Kleidung. Während reiche Inder ein eigenes Auto besitzen, sind arme Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Mir ging es darum zu zeigen, dass es nicht darauf ankommt, wer die Frau ist und welcher Klasse sie angehört. Es kann jeden treffen."

Es handle sich auch um ein Kunstprojekt, kein kommerzielles Mode-Shooting. Auch die Designer der Kleidung hätten nichts von den Aufnahmen gewusst.

Die Proteste dürften den Fotografen jedoch zum Umdenken bewegt haben. Die Fotoserie hat er zumindest mittlerweile von seiner Website entfernt.

Lese-Tipp: Das Heimweg-Telefon schützt Frauen vor Vergewaltigung.

Thema: Sexismus