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Guido Maria Kretschmer, zwei Rauhaardackel und ein ordentlicher Shitstorm

Von Guido Maria Kretschmer hätten wir das nicht erwartet: Zwar kommentiert der Designer für Shopping Queen immer wieder bissig, aber doch charmant verpackt. Für eine OTTO-Werbung liefert er jedoch astreines Bodyshaming ab.


Guido Maria Kretschmer
© Getty Images

Manche (okay, einige wenige) Unternehmen präsentieren in ihrer Werbung die Vielfalt des weiblichen Körpers, um endlich ein Zeichen gegen den unrealistischen Schönheitskult zu setzen, und so uns Frauen vom Druck zu befreien, ständig perfekt aussehen zu müssen. Letztes Jahr zeigte sogar H&M Frauen abseits der Modelmaße in einer seiner Werbevideos. Aber der Versandhandel OTTO bewegt sich eher in die gegenteilige Richtung mit seinem aktuellen Clip.

Darin begutachtet sich eine junge Frau in ihrem neuen Kleid im Spiegel und stellt erwartungsfroh die Frage "Na, wie seh ich aus?" Die Antwort kommt vom allseits beliebten Modedesigner und "Shopping Queen"-Juror Guido Maria Kretschmer höchstpersönlich: "Oh, in dem Kleid bist du wunderschön. Aber die beiden Rauhhaardackel, die würde ich lieber zu Hause lassen!" und zeigt dabei auf seine Achseln.

Denn was für ein Fauxpas: Die Dame hat sich die Achseln nicht rasiert! Das muss sofort mit einem Jäckchen verdeckt werden - selbstverständlich ebenso aus der Otto-Kollektion.

Und damit zeigt sich die leider eindeutige Botschaft: Natürliche Achselbehaarung ist unerwünscht und unästhetisch. Frauen haben sich gefälligst glatt zu rasieren oder die Härchen zumindest zu verbergen. Am besten sollte Körperbehaarung bei Frauen - abgesehen auf der Kopfhaut - überhaupt nicht stattfinden in der Öffentlichkeit. Und wir hätten gedacht, wir wären 2017 schon ein bisschen weiter und entspannter...

Hier siehst du den gesamten Clip:

Aber die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Denn etwas vollkommen Normales und Natürliches als unerwünscht zu deklarieren, ließ eine Flut an erbosten Kommentaren auf das Unternehmen und auch auf Guido Maria Kretschmer in den sozialen Netzwerken niederprasseln: "Muss man jetzt auch noch in der Werbung ganz normale Körperbehaarung verurteilen?!", Schade, dass du dich auf eine solch blöde, sexistische Werbung eingelassen hast. Frauen (und auch jeder andere Mensch) darf Behaarung haben, wo sie_er mag." oder "LÄCHERLICH und RESPEKTLOS einen Menschen für seinen natürlich gegebenen Körper runterzumachen." sind nur eine Auswahl daraus.

Der 51-Jährige kann den Ärger nicht nachvollziehen. Gegenüber der Gala äußert er sich folgendermaßen: "Grundsätzlich finde ich, dass jeder machen kann was er will. Wenn sich jemand die Achselhaare wachsen lassen möchte, sage ich: Auf geht's! Einen Rauhaardackel unter den Armen oder unrasierte Beine unter Strumpfhosen finde ich für meinen Teil ehrlich gesagt nicht besonders ansehnlich. Der Werbespot soll allerdings keinesfalls kritisch gegenüber Körperbehaarung bei Frauen im Allgemeinen sein. Daher musste ich auch ehrlich gesagt lachen, als ich von der Kritik im Netz gehört habe."

Und Otto reagierte ebenso: "Wir möchten mit diesem Spot niemanden auf die Füße treten. Sondern mit einem Augenzwinkern zeigen, wie man schnell mit einem einfachen Accessoire einen neuen Look um ein Kleid kreieren kann. Generell sind wir der Meinung, dass jede Frau – und auch jeder Mann – sich so zeigen soll, wie sie oder er sich schön und wohl fühlt. Also ob mit oder ohne Jäckchen - entscheidet jede/r selbst."

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