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Indische Frauen-Gang kämpft mit Knüppeln gegen Partriarchat!

Getreu der Devise "Wer nicht hören will, muss fühlen“ kämpfen die pinken Damen im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit.

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Indische Frauen-Gang kämpft mit Knüppeln gegen Partriarchat!
© Gulabi Gang

Häusliche Gewalt, Vergewaltigungen, Mitgiftmorde, gezielte Abtreibung weiblicher Föten – all das steht in Indien bis heute an der Tagesordnung. Frauen sind wenig bis gar nichts wert, eine Tochter möchte man in Wahrheit erst gar nicht bekommen. Denn selbst wenn Schwangerschaft und Geburt überstanden sind, warten Kindstötungen, Zwangshochzeiten, Kinderhandel und vieles mehr auf die Mädchen. Das alles klingt hart, aber in dem sich langsam modernisierenden Land sind Vergewaltigungen nach wie vor das Verbrechen mit der größten Wachstumsrate. Nicht umsonst wird Indien aktuell als das gefährlichste Land der Welt für Frauen eingestuft.

Sampat Pal, sie kommt aus einem der ärmsten und bevölkerungsreichsten Bundestaaten Indiens, Uttar Pradesh, hatte aber eine Vision und gründet im Jahr 2006 die Gulabi Gang - zu deutsch Pinkfarbene Bande. Die Frauen der Gulabi Gang werden dafür berühmt, dass sie Männer verprügeln, die Frauen verprügelt haben. Kurz gesagt. Zwei Jahre nach ihrer Gründung hat die Gruppe bereits 20.000 Mitglieder. Sampat Pal und ihre "Bezirkskommandantinnen" organisieren jetzt Demonstrationen, an denen Hunderte Frauen teilnehmen. Sie treten - wie es der Name schon sagt - in pinken Saris und Bambusstöcken auf und zeigen so farbenroh der ganzen Welt, dass es auch in Indien eine weibliche, kritische Masse gibt, die sich traut, den Mund aufzumachen: Sie gehen gezielt gegen gewalttätige Männer und auch Polizisten vor, die sich weigern, Vergewaltigungs- und Missbrauchsfälle zu untersuchen. "Gerade in unserer ländlichen Gegend kommt uns niemand zur Hilfe", sagte die Gründerin gegenüber BBC: "Die Beamten sind korrupt und stellen sich gegen die Armen!" So besetzen die Frauen Polizeistationen und nehmen das Gesetz auch mal in ihre eigenen Hände.

Die Pink Sari Revolution

Die Farbe ihrer Kleidung stand in Indien bisher übrigens nicht für das Weibliche. Die Entscheidung fiel vor mittlerweile 12 Jahren auf Pink, weil es quasi die einzige Farbe war, die nicht politisch besetzt oder religiöse Bedeutung hatte. Jetzt ist sie die Farbe der Frauen. Die Taktik, ihre Vorgehensweise ist dabei auch nicht neu, sondern von einer Form des indischen Protests inspiriert, dem sogenannten Gherao: Spontan finden sich dabei aufgebrachte Menschen zusammen, denen kollektiv Unrecht widerfahren ist und die vom Justizsystem keine Gerechtigkeit zu erwarten haben. Sie besetzen Polizeistationen, Gerichte, Universitäten oder Fabriken und lassen niemanden heraus - bis ihr Anliegen Gehör gefunden hat.

Was die Gulabi Gang so einzigartig macht, ist Publicity. Die pinken Bilder bohren sich ins Gedächtnis - und machen Eindruck. Sie finden großen Rückhalt in Bevölkerung und Presse. Die Gulabi Gang setzt so mit ihrer Wehrhaftigkeit ein eindeutiges Zeichen gegen das Partriarchat und hat mit ihren Aktionen auch schon einige mächtige Abgeordnete zu Fall gebracht! Mittlerweile haben sich bereits 150.000 Frauen in der Gulabi Gang zusammengeschlossen. Die pinke Bande ist außerdem Thema des Films Pink Saris von Kim Longinotto sowie des Dokumentarfilms Gulabi Gang von Nishtha Jain. Willst du spenden, kannst du das auf ihrer Website machen. Soviel Mut und Willen sollte unterstützt werden.

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