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"Luxusprobleme!" – Offener Brief an Gwyneth

Nachdem Gwyneth Paltrow in einem Interview ihre Nöte als Mutter beklagte, nimmt nun eine Alleinerzieherin in einem offenen Brief Paltrows "Luxusprobleme" aufs Korn.

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"Luxusprobleme!" – Offener Brief an Gwyneth

Gwyneth Paltrow: Verärgert Mütter mit Interview

© 2014 Getty Images/Craig Barritt

Frisch von Coldplay-Sänger Chris Martin getrennt, hat Gwyneth Paltrow offenbar gesteigertes Redebedürfnis. Doch leider dürfte der Mund dabei manchmal schneller als das Hirn sein. Denn Paltrow quasselte dem Klatschmagazin E!Online etwas über die Schwierigkeiten, denen sie als arbeitende Mutter ausgesetzt ist. Familie und Beruf zu vereinbaren, das sei schon wirklich schwierig.

So weit, so richtig. Doch leider bemühte die 41-Jährige (geschätztes Privatvermögen: 45 Millionen Dollar) Mutter von Apple (9) und Moses (7) einen Vergleich zu anderen arbeitenden Müttern: "Es ist schon etwas anderes, wenn du einen Bürojob hast. Du kannst bereits am Morgen alles Mögliche erledigen – und dann auch noch abends, wenn du nach Hause kommst. Wenn du aber so wie ich einen Film drehst, heißt es: 'Du musst jetzt für zwei Wochen nach Wisconsin.' Und dann arbeitest du 14 Stunden am Tag, das ist wirklich anstrengend. Einen normalen Job zu haben und Mutter zu sein ist natürlich auch herausfordernd. Aber sicher nicht mit den Schwierigkeiten vergleichbar, am Set eines Blockbusters zu sein."

Uff. In your face, ihr Mütter mit Bürojobs. Hollywood-Star zu sein – anstrengender als das Leben einer "normalen" Frau? Mackenzie Dawson, einer arbeitenden Mutter aus New York, platzte angesichts dieser "Luxusprobleme" der Kragen. Sie schrieb einen offenen, sehr süffisanten Brief an Paltrow, der in der New York Post veröffentlicht wurde.

»Paltrow bringt arbeitende Mütter gegen sich auf«

Unter dem Titel "Von einer arbeitenden Mutter an Gwyneth" schreibt Mackenzie: "Als Mutter eines Kleinkinds stimme ich Gwyneth Paltrow voll und ganz zu! Zum Glück verdiene ich nicht Millionen damit, einmal pro Jahr einen Film zu drehen. Das sage ich mir quasi jeden Morgen als Mantra, wenn ich auf einem windigen Bahnsteige warte, um dann eine Dreiviertelstunde in die Stadt zu fahren. Jedesmal, wenn es anstrengend wird, verinnerliche ich: Gott sei Dank bist du kein Filmstar."

»Wer hat es leichter? Die Mütter, denen Geld abgezogen wird, wenn ihr Kind krank ist? Oder die, die abgelehnt wurden, weil sie Mütter sind?«

Damit stehe sie übrigens nicht alleine da, ihren ebenfalls arbeitenden Freundinnen ginge es ganz ähnlich: "Wir plaudern ständig darüber, wie leicht Job und Familie doch zu vereinbaren sind. Wenn ich mich einmal in der Woche mit meinen Freundinnen verabrede – was übrigens ganz leicht zu organisieren ist, weil in meinem Viertel haufenweise tolle Babysitter herumlaufen, die mit hochgehaltenen Schildern ihre Dienste offerieren – dann beginnt unter uns ein Wettstreit, wer von uns es am leichtesten hat. Sind es die weiblichen Brötchenverdiener, die rund um die Uhr arbeiten, damit sie die Miete zahlen können und nachts mit der Sorge wachliegen, ihren Job zu verlieren? Oder sind es eher die Mütter, deren Bewerbungen abgelehnt werden, weil sie Mütter sind? Und was ist mit jenen, die normale '9 to 5'-Jobs haben? Denen Lohn abgezogen wird, wenn die Kinder krank sind und sie kein Back-up für deren Betreuung haben? Diese Mütter leben einen Traum, sag ich dir, liebe Gwyneth!"

Kinderbetreuung sei sowieso ein spezielles Thema, ätzt Mackenzie Dawson: "Wie du sicherlich weißt, liebe Gwynnie, kann Personal eine echte Plage sein. Es ist heutzutage wirklich schwierig, gute Leute zu finden. Zum Glück gibt es ja an jeder Ecke die staatlich subventionierte, hochqualifizierte Betreuung. Das macht es leichter, dann muss man wenigstens nicht 30.000 bis 60.000 Dollar pro Jahr für eine Nanny zahlen."

Und weiter: "In deinem Interview erwähnst du, dass man mit einem 'Bürojob den ganzen Kram am Morgen erledigen könne'. Du hast so recht, du triffst den Nagel auf den Kopf. Ich habe einen Bürojob, meine Morgen sind unglaublich entspannt. Ab und an habe ich sogar Zeit, die Hälfte meines Kaffees zu trinken, ehe er kalt wird." Wenn sie ihre anstrengende Früh hinter sich gebracht habe, führt Dawson sarkastisch aus, "trinke ich ein paar Bellinis und optimiere meine private Pensionsvorsorge."

Das beschäftige sie bis zum Abend, wenn sie nach Hause komme: "Dann bin ich voller Elan und bereit, eines der Rezepte nachzukochen, die du auf deiner inspirierenden Lifestyle-Seite Goop.com vorstellst: Hat jemand Lust auf bei Niedrigtemperatur gegarten Grünkohl, Pancetta und Brotkrumen? Anschließend gehe ich zum Yoga, meditiere ein paar Stunden und kaufe vielleicht noch was online. Etwa bei 'Goop' die besonders kurze kurze Hose mit weißem Leopardendruck für 350 Dollar - in Vorbereitung auf die Frühjahrsferien mit meinem Mann und Sohn. Wenn es eins gibt, worin ich gut aussehe, seit ich ein Kind bekommen habe, sind das sehr kurze Hosen."

Sie sei Gwyneth dankbar, dass diese die Leiden eines Working-Mum-Filmstars ertrage, während sie selbst das "La Vida Loca" am Schreibtisch erleben dürfe. "14 Stunden am Film-Set! 14 Stunden? Meine Güte! Wer in New York muss 14 Stunden arbeiten, um sein Geld zu verdienen? Das ist ja verrückt. Zum Glück wachsen die 9-to-5 Jobs hier auf den Bäumen. Und verliert man einen, dann muss man nichts anderes machen als den nächsten zu finden."

Dann schließt Dawson den Brief mit den Worten "Deine Mackenzie!" Eine Antwort von Paltrow steht – wenig verwunderlich – aus.