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Die Höhen und Tiefen meiner Augenbrauen - Eine Odyssee

Haben wir nicht alle diese seltsame Phase der dünnen Augenbrauen, über die wir nur ungern reden?


Augenbrauen

Kennen wir das nicht alle?

© istockphotos.com

Es ist vollkommen normal, als Elternteil die Schönheit der Kinder, solange wie möglich bewahren zu wollen. Leider denken sie dabei nicht daran, dass Augenbrauen immer weiterwachsen und furchtbar wild und hässlich aussehen und ehe wir uns versehen, sitzen wir als 14-jährige alleine im Pausenhof, weil wir eine Monobraue haben, die Frida Kahlos in den Schatten stellen würde! Okay, ich übertreibe ein bisschen. Ich hatte – zum Glück – nie eine Monobraue, aber mein wilder, ungezähmter haariger Gesichtsrahmen geriet irgendwann so außer Kontrolle, dass ich heimlich mit der Enthaarungscreme meiner Mutter versuchte sie in eine gesellschaftlich akzeptable Form zu bringen.

Wie gut das funktioniert hat, habe ich die gesamte darauffolgende Woche im Spiegel betrachten können. Unschuldig und unwissend wie ich war, ließ ich die Creme zu lange einwirken, was Brandmale auf der Haut hinterließ. Die Haare waren noch immer da und jetzt war die Haut außenrum auch noch rot, wie eine Warnleuchte: „Hallo, schaut mich alle an! Sind meine Augenbrauen nicht wunderschön?“


Irgendwie sind ja die Mütter immer an all dem Schuld, weil sie nicht wahrhaben wollen, dass ihre Kinder erwachsen werden und ihnen verbieten ihre Augenbrauen auch nur anzufassen. So wuchsen auch meine Augenbrauen unkontrolliert vor sich hin. Bei Familienfeiern kamen Tanten, ältere Cousinen und andere Verwandte zu uns und meinten „Niemals zupfen! Du wirst es bereuen!“ Ich weiß nicht was mehr weh tut: Augenbrauenzupfen, Reue oder in der Schule als Frida Kahlo bezeichnet zu werden? Nichts gegen Frida. Ich vergöttere die Frau. Aber meine Mitschüler haben mich bestimmt nicht wegen meiner künstlerischen Fähigkeiten mit ihr verglichen!

Und so kam es, dass ich eines Tages, kurz vor meinem 18. Geburtstag, meiner Cousine die Erlaubnis erteilte sich an meinen Augenbrauen zu vergehen! Bewaffnet mit einem unsachgemäßen Werkzeug und dem eisernen Willen mich für meinen Abiball geschniegelt und gestriegelt aussehen zu lassen, kämpfte sie sich durch das Dickicht meiner Augenbrauen. Wir waren junge, verrückte Frauen, denen der Erfolg langsam zu Kopf stieg. Wir glaubten unsere Augenbrauen seien der Nabel der Welt und wir hätten die Macht das Aussehen dieser Körperstelle komplett zu verändern. Wir labten uns an diesem Gefühl, bis ich irgendwann in den Spiegel schaute und nicht genau wusste. Soll ich weinen? Soll ich schreien? Sehe ich noch aus wie ich? Aber ich stand zu den kleinen spermaförmigen Rahmen um meine Augen! So würde mich bestimmt niemand Frida nennen!

Augenbrauen

Doch kurze Zeit später setzte dieses Reuegefühl ein. Ich fragte mich: „Oh mein Gott, was habe ich getan?!“ Nachts weinte ich mich heimlich in den Schlaf, tagsüber tat ich so, als sei das alles Absicht gewesen! Selbstbestimmt und erwachsen, freundete ich mich mit meinen kleinen Kaulquappen an und hoffte, dass sie bald nachwachsen würden, schließlich wuchsen auch die Haare auf meinem Kopf so schnell. Dass Augenbrauen aber im Schneckentempo nachwachsen, stellte ich erst nach Monaten fest. Wieso hat mich niemand vorgewarnt bevor ich mich selbst so entstellt habe? Jahrelang sahen meine Augenbrauen aus, wie die von Marlene Dietrich, nur, dass ich weder blond war, noch Marlene hieß, sondern eine kleine zierliche Latina, die immer überrascht und verwundert durch die Gegend blickte!

Langsam begannen sie zu wachsen. Links schneller als rechts. Der eine Bogen war bereits perfekt und der andere hinkte noch hinterher. Ich hatte auf einmal kahle Stellen, die den Geheimratsecken mancher Männer Konkurrenz machen könnte. Warum wuchsen sie nicht? Warum wuchsen die Haare überall Drumherum, nur nicht genau an den Stellen, die wir brauchten?

Augenbrauen

Viele Jahre, viel Reue und einige Liter Tränen später, waren auch meine Augenbrauen halbwegs akzeptabel. Mittlerweile besitzen sie auch schon zwei Akademische Titel und sehen noch immer nicht ganz perfekt aus. Aber zum Glück hat Cara Delevigne die haarigen Biester zum Trend gemacht und ich kann zu meinen dicken Latinabrauen stehen. Eines habe ich aus der Odyssee gelernt: Ich werde niemandem mehr meine Augenbrauen anvertrauen kann. Niemandem!

Augenbrauen