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Haarausfall: Ursachen & Therapien

Es ist ein Albtraum. Jeden Tag bleibt mehr von unserer Kopfpracht in der Bürste. Haarausfall! Fast jede zweite Frau kämpft irgendwann damit. Doch es gibt Hilfe. Eine Dermatologin erklärt Ursachen und die besten Therapien.

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Frau, Haare
© istockphoto.com

Sie stehen symbolisch für Gesundheit und Lebensenergie. Und tatsächlich merkt man es an den Haaren ziemlich schnell, wenn es einem nicht gutgeht. Sie trocknen aus, werden spröde, dünn und brüchig oder – im schlimmsten Fall – fallen aus. "Das kann bei einer Frau, die bereits schütteres Haar hat, so weit führen, dass sie schon beim Anblick von ein paar Haaren in der Bürste oder auf dem Badezimmerboden in regelrechte Panik gerät", weiß Dr. Sabine Schwarz aus der Praxis (hautzentrum-wien.at). Die Dermatologin ist Spezialistin für Haarausfall. Ihre wichtigste Aufgabe: Die genaue Ursache für den Verlust herauszufinden. Denn nur dann kann man gezielt therapieren. Immerhin leidet fast jede zweite Frau irgendwann in ihrem Leben unter dem Problem. Die Gründe sind Hormonveränderungen, Nährstoffmangel, Krankheiten oder auch genetische Veranlagung. Im Interview erklärt die Expertin die verschiedenen Ursachen von Haarausfall, was das Problem mit Stress zu tun hat und welches neue Treatment den größten Erfolg verspricht.

WOMAN: Ab wann spricht man eigentlich von Haarausfall?

Schwarz: Es ist ganz normal, Haare zu verlieren, etwa 50 bis 100 täglich. Die wachsen eine gewisse Zeit, so zwischen drei und fünf Jahre. Danach folgt eine Ruhephase, in der die Wurzel das Haar abstößt. Das betrifft jeweils rund 20 Prozent der Haarwurzeln. Jeden stärkeren Haarausfall sollte man beobachten. Manche haben subjektiv das Gefühl, dass sie viel mehr Haare verlieren als bloß 100. Solange aber die Qualität und auch die ungefähre Menge gleich bleiben, muss man sich keine Sorgen machen.

WOMAN: Wann muss man sich denn Sorgen machen?

Schwarz: Wenn die Haare immer dünner und feiner werden, man keine ordentliche Frisur mehr machen kann oder die nachwachsenden Haare gleich wieder ausfallen. Dann ist Action angesagt. Der erste Weg führt die meisten in die Apotheke. Es gibt viele Kapseln und Tinkturen, die die Haarwurzeln in der Ruhephase vorzeitig wieder zum Wachstum anregen oder den Halt in der Kopfhaut verstärken. Oft wirken die sehr gut. Zeigt sich aber nach zwei bis sechs Monaten keine Verbesserung, sollte man unbedingt zum Arzt gehen. Denn wenn die Haarwurzeln länger nicht stimuliert werden, verkümmern sie.

WOMAN: Was kann der Arzt machen?

Schwarz: Gehe unbedingt zu einem Spezialisten, einem Dermatologen, der sich gezielt mit dem Thema befasst. Denn die Haare sind ein komplexes Feld. Als Erstes klärt der Arzt die Ursache für den Haarausfall. Die Kopf haut wird mit einem Mikroskop auf Pilze oder Entzündungen untersucht. Im therapeutischen Gespräch werden Zusatzkrankheiten, Medikamenteneinnahme, Hormonveränderungen oder eine familiäre Vorbelastung abgeklärt. Auch eine Blutuntersuchung ist unbedingt nötig, um Mangelerscheinungen zu entdecken.

WOMAN: Und wie sieht die Behandlung dann aus?

Schwarz: Die ist je nach Ursache unterschiedlich. Es gibt drei verschiedene Arten von Haarausfall. Beim diffusen Haarausfall werden die Haare am ganzen Kopf gleichmäßig weniger. Gründe dafür können massiver Vitamin- und Mineralstoffmangel etwa an Selen, Zink, Kieselsäure, Eisen oder Vitamin B und D sein. Aber auch die Einnahme mancher Medikamente wie bestimmter Blutdruckmittel, Antidepressiva, Cholesterinsenker, Chemotherapie sowie eine hohe Schwermetallbelastung, Schilddrüsenprobleme oder Autoimmunerkrankungen können Ursache sein. Da heißt es Mängel ausgleichen, Medikamente wechseln, Gifte ausleiten. Wird das Problem behoben, kommen die Haare auch wieder, oft sogar dicker und dichter. Dann gibt es auch noch den kreisrunden Haarausfall, bei dem runde, kahle Flecken entstehen. Dahinter steckt das Immunsystem, da hilft eine Cortison-Tinktur. Die dritte Art ist das sogenannte androgenetische Effluvium. Das ist der mit Abstand häufigste Grund, etwa 90 Prozent.

WOMAN: Wie äußert sich das?

Schwarz: Da werden die Haare am Oberkopf weniger, der Haaransatz geht zurück, der Scheitel wird lichter. Schuld daran sind die Hormone und eine genetische Disposition. Die Haarwurzeln am Oberkopf haben im Gegensatz zu jenen am Hinterkopf Hormonrezeptoren. Ist das Testosteron zu hoch, stoßen sie die Haare ab. Das passiert vielen Frauen etwa drei bis vier Monate nach einer Geburt, da dann der Östrogenspiegel stark absinkt. Ein weiterer Grund kann das polyzystische Ovarsyndrom sein, Zysten in den Eierstöcken, die deshalb zu viel männliche Hormone produzieren. Eine genetische Disposition macht sich vor allem ab dem Wechsel bemerkbar, weil dann die Östrogen-Produktion sinkt.

WOMAN: Und was kann man dagegen tun?

Schwarz: Es gibt zwei konkrete Therapien. Die eine sind Kapseln und Tinkturen, die das Haarwachstum anregen und den Verbleib des Haars in der Wurzel fördern. Die wirken allerdings nur, so lange sie angewendet werden. Die zweite ist eine lokale Hormontherapie. Dafür wird eine Tinktur mit Östrogen versetzt, was die Testosteron-Empfindlichkeit der Haarwurzel senkt. Die kann nur vom Arzt verschrieben werden. Und der Lebensstil spielt eine große Rolle.

WOMAN: Was hat der damit zu tun?

Schwarz: Stress beeinflusst die Hormonproduktion, das Testosteron ist erhöht. Lifestyle-Änderungen helfen, das wieder in Balance zu bringen. Entspannungstherapien wirken oft Wunder sogar beim genetisch bedingten Haarausfall. Wir haben die Haarwurzel viel zu lange isoliert betrachtet, dabei hängt da der ganze Mensch dran. Man muss bei der Problemlösung wirklich ganzheitlich denken.

WOMAN: Gibt es auch neue Therapien?

Schwarz: Wir erzielen derzeit sehr vielversprechende Ergebnisse bei der Mesotherapie mit Eigenplasma. Das enthält Stammzellen und wird mit einer Injektionspistole mit mehreren ganz kurzen Nadeln in die Kopfhaut injiziert. So werden die Wurzeln stimuliert, das Haar wächst wieder. Ich empfehle 2-3 Sitzungen in 6-8 Wochen, danach bei Bedarf eine jährliche Auffrischung. Leider wird die Behandlung nicht von der Kasse bezahlt, und eine Sitzung kostet doch 300 Euro. Die sind aber sicher gut investiert.