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Häusliche Gewalt steigt nach Fußballspielen: "Wenn England geschlagen wird, wird sie es auch"

Mit eindringlichen Bildern macht eine britische Kampagne darauf aufmerksam, dass es bei Fußballspielen oftmals um noch viel mehr geht: Denn ist das Match vorbei, beginnt für viele Frauen erst das Drama: Vor allem bei WM, EM oder anderen großen Veranstaltungen steigen die Meldungen von häuslicher Gewalt massiv an.

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„If England get beaten, so will she“
© National Centre for Domestic Violence | Fotograf: Neil Raja

Eigentlich haben wir uns so richtig auf diese Fußballweltmeisterschaft gefreut und fieberten mit unseren Lieblingsmannschaften mit (ja, wir mussten zwischendurch zwangsläufig flexibel mit unserer Anhängerschaft sein). Aber zu erfahren, dass es einen Zusammenhang zwischen Fußballtournieren und vermehrter häuslicher Gewalt gibt, erschüttert zutiefst.

Das zeigt aktuell eine Kampagne des "National Centre for Domestic Violence" mit einer blutenden Frau, auf deren bleichen Gesicht sich mit Blut das Georgskreuz, die Landesflagge Englands, abzeichnet.

britische Fußball-Fans
Englische Fußballfans beim Feiern.


Wie bereits mehrere Studien erfasst haben, steigt die Gewalt gegen Frauen und Kinder in der eigenen Familie, wenn die favorisierte Mannschaft bei großen Matches spielt. Und entladen werden dann die Emotionen egal, ob diese gewinnt oder verliert: Beispielsweise die großangelegte Studie der Lancaster University fand heraus, dass es um 26 Prozent mehr Meldungen häuslicher Gewalt in England gibt, wenn das Nationalteam spielt und 38 Prozent, wenn dieses dabei verliert.
Daher stockt die englische Polizei zu WM-Zeiten sogar ihr Personal auf, um all die Notrufe der Frauen entgegen nehmen zu können, die von ihren Ehemännern, Freunden oder Ex-Partnern misshandelt werden.

Aber es macht fast keinen Unterschied, welches Land gewinnt oder verliert, denn Gewalttaten im eigenen Haushalt gibt es bedauerlicherweise in jeder Nation. So ist in Österreich jede fünfte Frau betroffen, in Deutschland hat sogar jede vierte Frau Erfahrungen mit Gewalt durch den eigenen Partner machen müssen. Daher schuf die dahinterstehende Agentur "J. Walter Thompson London" auch Motive mit anderen Landesflaggen, die Verletzungen darstellen.

Ausgelöst wird dieses verstärkte Gewaltaufkommen einerseits durch Alkohol, andererseits durch die aufgeputschten Emotionen, die damit verbundene Anspannung oder der Frust beim Verlieren, welcher sich dann gewaltvoll entlädt. Während Fans auf der ganzen Welt jedes Spiel mit Spannung beobachten, tun dies bedauerlicherweise auch die Partnerinnen einiger jener Fans - aber aus ganz anderen Gründen.

britische Fußball-Fans

Mit der Kampagne will man nun auf die Möglichkeiten aufmerksam machen, die zum Schutz der Opfer gedacht sind. Denn Gewalt ist keine Privatsache, sondern eine Straftat. Dabei kann auch viel zur Prävention getan werden. In Österreich ist es beispielsweise dank dem Gewaltschutzgesetz möglich, dass der Täter aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen wird und dass er diese längerfristig nicht betreten darf, selbst wenn ihm diese gehört. Daher sollte bei gewalttätigen Übergriffen immer die Polizei gerufen werden und betont werden, dass sofort Hilfe von Nöten ist. Auch von Freundinnen oder Nachbarn - und lieber einmal zu oft, als einmal zu wenig.