Ressort
Du befindest dich hier:

Häusliche Gewalt: Wie Opfer vorgehen sollten

Frauen und Kinder. Das sind meist die Opfer häuslicher Gewalt. Rechtsanwältin Carmen Thornton sagt, wie man sich rechtlich gegen die Täter zur Wehr setzt.

von

Häusliche Gewalt: Wie Opfer vorgehen sollten
© iStockphoto

Es war das erste Mal. Ihm ist nur die Hand ausgerutscht. Ich habe ihn ja auch provoziert. Er steht derzeit extrem unter Stress.

Es sind die meist weiblichen Opfer, die Entschuldigungen für die Täter suchen. Für Männer, mit denen sie Beziehungen führen oder geführt haben, mit denen sie teilweise Kinder großziehen. Vor allem um Feiertage potenziert sich die häusliche Gewalt.

Doch erfahrungsgemäß bleibt es nicht bei einem "Vorfall". Wird einmal weggeschaut, dann ist die Hemmschwelle beim nächsten Mal geringer. Je länger man sich in sein Schicksal ergibt, desto schwerer wird es, etwa dagegen zu unternehmen. Das endet oft in einer Abwärtsspirale, aus der manche Frauen nicht mehr herauskommen.

Häusliche Gewalt: So sollten Opfer vorgehen

Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden oder auch nur bedroht werden, sollten daher sofort die Polizei verständigen. Das gilt vor allem, wenn auch Kinder betroffen sind, die sich nicht selbst schützen können. Hier darf man nicht wegschauen.

Juristin Carmen Thornton ist auf Scheidungs- und Familienrecht spezialisiert (thornton-law.at)

Die Polizei kann den Täter aus der Wohnung wegweisen und ein Betretungsverbot aussprechen. Dadurch sind alle in der Wohnung lebenden Personen geschützt und zwar unabhängig davon, ob sie mit dem Täter verwandt sind oder nicht. Es kommt auch nicht darauf an, wem die Wohnung gehört. Ein Betretungsverbot ist auch möglich, wenn man mit dem Täter nicht mehr zusammenlebt (zB wenn es bei der Besuchsrechtsausübung zu Übergriffen kommt oder wenn man von einem eifersüchtigen Ex-Partner bedroht wird). Sind minderjährige Kinder betroffen, kann das Betretungsverbot auch auf Schulen, Kindergärten und Horte ausgeweitet werden.

Das Betretungsverbot ist auf zwei Wochen befristet, kann aber auf 4 Wochen verlängert werden, wenn man innerhalb dieser Zeit einen Antrag bei Gericht stellt. Mit einer einstweiligen Verfügung kann das Gericht es dem Täter auch dauerhaft verbieten, sich bestimmten Orten (zB der Wohnung oder dem Kindergarten) zu nähern. Wenn der Täter das Betretungsverbot oder die einstweilige Verfügung missachtet, sollte man sofort die Polizei rufen.

Gewalt in der Familie: Die Checkliste für den Notfall

Was kann man im akuten Notfall machen?

  • Ruf' die Polizei: Notrufnummer 133 oder 112 (Euro-Notruf). Die Polizei ist verpflichtet, in jedem Fall von Gewalt einzuschreiten.
  • Bitte die Polizei, ein Betretungsverbot auszusprechen.

Was, wenn man von zu Hause flüchten muss?

  • Rufe die Notrufnummer des nächst gelegenen Frauenhauses an. Frauenhaus-Notruf Wien Telefon: 01/5 77 22 , Tag und Nacht erreichbar! Beratungsstelle für Frauen: Vivenotgasse 53, 3. Stock (barrierefrei), 1120 Wien, telefonische Erreichbarkeit: 01/512 38 39.
  • Egal aus welchem Land du kommst, welche Religion du hast oder ob Sie ein Einkommen hast oder nicht – wenn du von häuslicher Gewalt betroffen bist, findest du (auch mit deinen Kindern) im Frauenhaus Unterstützung. Die Frauenhäuser sind rund um die Uhr für dich erreichbar!

Wo finde ich Beratung bei häuslicher Gewalt?

  • Kostenlose Beratung und Hilfe bietet österreichweit die Frauenhelpline gegen Gewalt unter 0800 222 555 sowie mit Schwerpunkt Wien der 24-Stunden Frauennotruf unter 01/05 77 22 oder via Mail: frauennotruf <AT> wien.at .
  • Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Es wird Psychologische, sozialarbeiterische und rechtliche Beratung geboten, ebenso die Begleitung zur Polizei, zu Gericht oder ins Krankenhaus. Hilfe wird in verschiedenen Sprachen angeboten.

Was du immer im Hinterkopf haben solltest:

  • Du bist niemals schuld an der Gewalttätigkeit deines Partners oder Ehemanns.
  • Du hast die Gewalt nicht "verdient".
  • Du musst und sollst über deine Erfahrung nicht aus Scham schweigen.
  • Nicht du trägst die Verantwortung an der Gewalt, sondern der Täter.
  • Du musst deine Kinder auf jeden Fall vor Gewalt schützen.

Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien. Ihre Kanzlei thornton-law.at ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Themen: Report, Sexismus