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(Halb-)Marathon-Tagebuch Teil 2: WOMAN-Redakteur Jörg Bertram läuft bald los!

Er kämpft (fast) allein unter Frauen – und am Sonntag, den 17. Oktober 2010 außerdem auch noch gegen den inneren Schweinehund: Jörg Bertram, Mitglied der WOMAN-Chefredaktion, hat sich zum TUI-Marathon auf Mallorca angemeldet. Auf woman.at berichtet er jede Woche, wie es ihm mit den Vorbereitungen zu seinem ersten Laufwettbewerb ergeht.


(Halb-)Marathon-Tagebuch Teil 2: WOMAN-Redakteur Jörg Bertram läuft bald los!

Bis es soweit ist und ich endlich meinen vom Profi ausgearbeiteten und vom Laktattest bestimmeten Trainingsplan in den Händen halte, laufe ich dreimal in der Woche einfach so vor mich hin. Meine Hausstrecke: vom Praterstern über die schnurgerade Prater Hauptallee bis zum Lusthaus und wieder zurück. Das sind insgesamt 8 Kilometer – und so ziemlich die langweiligsten 45 Minuten, die man sich vorstellen kann. Was gegen die Fadesse wenigstens ein bisschen hilft: unterwegs die anderen Läufern beobachten. Von denen gibt es nämlich erstaunlich viele – und das schon morgens um sieben! Was mir dabei auffällt: letztendlich lassen wir Läufer uns in fünf Katergorien einteilen.

Typ 1: Der passionierte (Fast-)Profi:
Zumeinst männlich, zumeist im gesetzteren Alter und zumeist zwanghaft ehrgeizig. Ziemlich sicher ging seine erste Pensionsauszahlung komplett für die perfekte Laufausrüstung drauf: mehrfach gepolsterte High-Tech-Schuhe im Gegenwert eines Kleinwagens, kniehohe Kompressionsstrümpfe (verhindern angeblich Muskelkater, sehen aber einfach nur dämlich aus), hautenge Höschen aus NASA-Labor-geprüften-Materialien, die sein bestes Stück selbst beim ungeschützten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre vor Hitze und Reibung bewahren würden, Trikots in Farben, die in seiner Kindheit noch gar nicht erfunden waren, sowie Trinkflaschen und Verpflegungsgürtel randvoll mit Protein-Shakes und Kohlenhydrat-Gels, die ausreichen würden, um von der Reichsbrücke bis zur Donaumündung in Rumänien durchzulaufen... Apropos laufen: kommt man diesem Typ Sportler zu nahe und setzt eventuell sogar zum Überholen an, dann mobilisiert er all seine Kräfte und wird noch schneller. Und wenn man ihn ein paar hundert Meter später dann doch im Gras liegen sieht, liegt das ganz sicher nicht an Erschöpfung, sondern an eine schlimmen Zerrung, die sich eben nur Profiläufer zuziehen können.

Typ 2: Die laufende Quasselstrippe:
Zumeist weiblich, zumeist etwas kräftiger um die Hüften und immer mit Nordic-Walking-Stöcken sowie bester Freundin unterwegs. Im Vordergrund ihrer sportlichen Tätigkeit steht nicht die körperliche Bewegung, sondern der geistige Austausch. Meist hört man die laufende Quasselstrippe bereits lange bevor sie schließlich am Horizont auftaucht. Ihre bevorzugten Gesprächsthemen: Büroklatsch, Kochrezepte, Nachbarschaftsknatsch und die Tatsache, dass trotz der ganzen Walkerei bis jetzt noch kein Gramm Fett verschwunden ist (was aber auch nicht sonderlich verwundert, da die laufende Quasselstrippe nie ohne eine Tafel Schokolade trainiert – aus Angst vor Tod durch Unterzuckerung). Übrigens, wie intensiv das ein oder andere Fachgebiet gerade diskutiert wird, lässt sich auch bei aufgesetztem i-pod leicht erkennen: einfach auf den Stockeinsatz achten – Armschwung und Brisanz des besprochenen Themas verhalten sich nämlich proportional zueinander.

Typ 3: Der Genussläufer:
Kann männlich oder weiblich, jung oder alt sein. Sein Laufen gleicht eher einem Hüpfen oder Schweben – vorausgesetzt er läuft, hüpft oder schwebt überhaupt. Denn gerne bleibt er auch einfach mal auf freier Strecke stehen, um einem Eichhörnchen beim Klettern zuzuschauen, das Sonnenlicht in den Baumkronen zu bewundern – oder (auch schon erlebt) ein Lied zu singen. Outfitmässig mag er es eher leger: bequeme Jogginghose, buntes Schlabbershirt, lustige Kopfbedeckung. Eigentlich ein ganz sympathischer Vertreter der Gattung Läufer – würde man nur nicht ständig über ihn stolpern …

Typ 4: Die SM-Paare:
S wie Sport und M wie Money bestimmen ihr Leben. Da sie davon überzeugt sind, dass nur in einem gesunden Körper auch ein geldgeiler Geist steckt, sind sie entweder kurz nach dem Morgengrauen oder nach Büroschluss (also ab 21.00h) unterwegs. Zumeist treten sie in der Konstellation Mann/Mann (dann sind es Kollegen) oder Mann/Frau (dann sind sie auch privat ein Paar) auf. Ihr Lauftempo ist aberwitzig schnell, was sie aber nicht davon abhält unterwegs auch noch die aktuellen Börsenkurse, Aufstiegschancen oder das nächste Treffen mit dem Karriere-Netzwerk zu besprechen. Ihr wichtiges Lauf-Accessoires: ein Smart-Phone, das, wenn es gerade einmal nicht klingelt, Pulswerte analysiert, Trainingstabellen auswirft oder Herzfrequenzkurzen aufzeichnet.

TYP 5: Die Ich-jetzt-auch-Läufer:
Sie haben entweder eine Wette verloren (“10 Kilometer in einer Stunde, das schaffst du nie!!”), in den Spiegel geschaut (“hm, früher hat das alles irgendwie weniger gewappelt”), ihren Arzt konsultiert (“wenn Sie so weitermachen, können Sie den nächsten Bausparer gleich auf Ihre Kinder ausstellen”) oder sich in einem schwachen Moment für ihren ersten (Halb)Marathon angemeldet (“verdammt, aus der Geschichte komm ich nur unehrenhaft oder mit einem gebrochenen Bein wieder raus”). Einer davon bin ich – Sie erkennen mich an meinen unausgeschlafenen Gesicht und dem missmutigen Blick (wie war das noch mal mit den Glückshormonen, die angeblich beim Laufen freigesetzt werden sollen?!?)

Achja, und dann gibt es da noch meine absolute Lieblingsläuferin: eine Türkin, Ende 40, Anfang 50, die jeden Morgen mit knöchellangem Rock und Kopftuch trainiert. Ohne ihre persönliche Lebensgeschichte zu kennen, bin ich mir sicher, dass sie nicht nur gegen den inneren Schweinehund, sondern auch gegen jede Menge familiäre Wiederstände ankämpfen musste, um sich den “Luxus Laufen” erfüllen zu können. So sehen für mich die wahren Helden des Sports aus!

Wie es weitergeht, lesen Sie ab Montag, den 9. August 2010! Mehr Infos über die Veranstaltung gibt es schon heute: Der Internationale TUI Marathon Palma de Mallorca findet dieses Jahr bereits zum siebten Mal statt. Für den 17. Oktober erwarten die Veranstalter mehr als 6.000 Läufer aus ganz Europa, die in den Disziplinen Marathon, Halbmarathon, 10 Kilometer-Lauf und Nordic Walking an den Start gehen. Bereits einen Tag früher findet der UNICEF-Kinderlauf statt. Wer beim “schönsten Inselmarathon der Welt” dabei sein möchte, kann bei der TUI spezielle Packages buchen, die außer den Flügen und HP im Hotel auch noch sämtliche Transfers, die Startunterlagen, besonders kohlenhydratreiche Mahlzeiten sowie ein Frühaufsteher-Frühstück am Tag der Veranstaltung beinhalten. Preis: ab € 461,– p.P. für drei Nächte. Mehr Infos auf www.tui-marathon.com

Redaktion: Jörg Bertram

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