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Stressiger Familienalltag: Hello, Hamsterrad

Ein Tag im Familienleben gleicht oft einem Tetris-Spiel: Etwas muss umgeworfen, reingequetscht oder verschoben werden. Unsere Kolumnistin berichtet, warum man als Mama schon mal an seine Grenzen kommen kann ...

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Stressiger Familienalltag: Hello, Hamsterrad
© iStock / Kerstin Waurick

Wenn A um 15.30 Uhr bei B sein muss, C aber um 16.00 Uhr schon bei D, E zur gleichen Zeit einen Arzttermin hat und F in diesem Monat schon 15 Minusstunden in der Arbeit hat, wie lautet die Lösung? Antwort: Ich weiß es leider nicht. Denn dieses lustige Rechenbeispiel stammt nicht aus einem Mathebuch, sondern ist leider direkt aus dem Leben gegriffen – nämlich aus dem so ziemlich jeder Familie mit Kindern.

Mamasein gleicht oft einem Computerspiel

Ich will auch gar nicht jammern, schließlich habe ich mir diese Situation selbst ausgesucht. Meine beiden Kinder sind Wunschkinder, und mich zwingt auch keiner, nebenbei noch arbeiten zu gehen. Aber – ach, vergesst es – ich will doch jammern!

Denn manchmal fühlt man sich als Working Mum (und ziemlich sicher auch als nicht-Working Mum) wie in einem einzigen Computerspiel, in dem man Tetris-mäßig alle bunten Blöcke von "Kind 1 in den Kindergarten bringen" bis hin zu "Kind 2 zum Fußballtraining fahren", "Geburtstagsgeschenk für Nachbarkind 1 besorgen", "eigenen Arzttermin rechtzeitig erreichen" und "Kind 2 doch nicht zum Fußballtraining bringen, weil krank, aber deswegen Kind 1 auch nicht in den Kindergarten bringen können" perfekt verschachteln muss.

Dabei bin nicht alleinerziehend und habe zusätzlich zu meinem Mann auch noch tatkräftige Unterstützung der Großeltern – sozusagen die Luxusversion des Familienlebens. Und trotzdem gerate ich in dem Hamsterrad regelmäßig an meine Grenzen, selbst wenn alles gut läuft.

Warum es eine Großstadt braucht, um ein Kind großzuziehen

Es heißt, es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen. Oft bräuchte es wohl eher eine mittlere Großstadt, um das normale Familienleben als berufstätige Mutter von zwei Kindern zu wuppen. Dann könnte ich zum Beispiel den Bürgermeister dafür einteilen, dass er donnerstags vor Schulbeginn für das Projekt „Gesunde Jause“ Butterbrote für die gesamte Schulklasse meines Großen streicht, während ich ganz normal in die Arbeit fahre.

Der Mobilitätsbeauftragte wäre dafür zuständig, dass meine Kinder beide gleichzeitig nach Hause kommen, wenn der Große um 13.00 Uhr Schule aushat, der Kleine aber nur entweder um 12.00 Uhr oder erst wieder um 14.00 Uhr aus dem Kindergarten abgeholt werden kann.

Zu Hause hätte der stadtbekannte Sternekoch dann auch schon ein nahrhaftes, gesundes Mittagsmahl zubereitet, dass beide Kinder auch tatsächlich essen. Wie sie sich den Nachmittag mit der Betreuung der Hausübung, dem Judotraining, dem eingeladenen Gastkind, dem Besorgen des Spezialpapiers für die Werkstunde morgen und dem Nachkaufen der zu klein gewordenen Gatschhose einteilen, würde ich der Stadtgemeinde großzügigerweise selbst überlassen.

Wie gesagt, ich habe mir das alles selber ausgesucht, aber: Auch wenn alles läuft, kann es manchmal ganz schön viel werden. Denn trotz gleichberechtigter Beziehung, trotz Oma im Dauereinsatz und trotz Freunden und tollen Betreuungspersonen traue ich mir zu sagen: Vieles bleibt trotzdem an uns Mamas hängen.

Perfekt durchgeplant? Geht nicht!

Damit will ich beileibe keine Feminismusdiskussion vom Zaun brechen, denn ich bin überzeugt davon, dass unsere Männer uns oft gern mehr unterstützen würden. Aber, ganz ehrlich: Wer hat im Kopf, dass man für den Wandertag des Großen morgen noch eine spezielle Jause besorgen muss? Wer schaut, dass das Turngewand des Kleinen für das Sportfest gewaschen ist? Und auf wem möchten die Kleinen liegen, wenn sie zum gefühlt 20. Mal diesen Herbst mit Erkältung zu Hause bleiben müssen? Eben. Manchmal verfällt man, glaube ich, einfach schnell in die klassische Rollenverteilung, weil es die einfachere Lösung ist.

Wenn man neben seinem Job als Mama aber auch noch einen „wirklichen“ (sprich: bezahlten) Job hat, wird der Familienalltag schnell zum Spießrutenlauf. Denn wenn auch nur ein Rädchen im Getriebe streikt, klappt das ganze Kartenhaus zusammen.

Wenn der Pflegeurlaub nicht mehr reicht

So waren zum Beispiel bei uns kürzlich Kind 1, Mann und Oma gleichzeitig krank. Kind 2 musste aber trotzdem in die Schule gebracht, geholt und betreut werden, und der Job erledigte sich, obwohl doch "eh nur Teilzeit", leider auch nicht von selbst. Klar, es gibt so etwas wie Pflegeurlaub. Aber wie unser Kinderarzt so schön sagt: Bis zu zwölf Infekte im Jahr sind bei einem kleinen Kind vollkommen normal.

Und meine Kinder haben sich offenbar beide vorgenommen, diesen Wert maximal auszunützen. Da stößt man mit seiner "Pflegefreistellung im Ausmaß einer Wochenarbeitszeit" ganz schnell an seine Grenzen – ganz besonders in Zeiten von Corona, in denen man sein Kind selbst mit einem Schnupfen eigentlich schon zu Hause lassen sollte.

Next level: Das Mama-Tetris-Spiel geht weiter

Apropos Corona: In der letzten Saison waren meine Kinder zweimal volle zehn Tage als K1 in Quarantäne . Und auch, wenn ich selbst nicht in Quarantäne war: Im Endeffekt habe auch ich das Haus zehn Tage lang nicht verlassen.

Weil man weder einen Vierjährigen während seines Arbeitstages allein daheim lassen, noch einem Erstklässler selbst sein Distance Learning überlassen kann. In solchen Situationen würde ich dieses verdammte Mama-Tetris-Spiel gerne einfach deinstallieren und mich beim Software-Entwickler beschweren („Spielspaß: Null Punkte – absolut keine Produktempfehlung!“).

Stattdessen schafft man es dann irgendwie immer doch ins nächste Level. Man macht Home Office neben dem kranken Kind, man bestellt die Gatschhose einfach im Internet, verschiebt den Arzttermin um eine Woche und bittet die Nachbarin, das gesunde Kind zum Fußballtraining zu bringen.

We rock, Mamas!

Aber auch wenn man das alles irgendwie schafft – manchmal ist es alles andere als lustig. Deshalb an alle Mamas da draußen, die gerade am Rotieren sind: Ihr macht einen erstklassigen Job! Und vielleicht entwickeln wir ja alle zusammen mal ein Bestseller-Computerspiel, in dem man in einem Super-Mario-Parcours alle Mamapflichten hüpfend und mit Feuerbällen schießend erledigt, und am Ende des Levels wartet dann ein großes Glas Wein?

Über die Autorin: Susanne Holzer ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Sybille Maier-Ginther schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog „Hand aufs Herz“ darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt’s auf HandaufsHerzblog .

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