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Hand aufs Herz: So ist Mama-sein wirklich!

Susi und Sybille lieben ihre Kinder, geben aber auch zu, dass sie die Kleinen manchmal am liebsten auf den Mond schießen würden. Im Talk mit WOMAN erzählen sie ganz ehrlich von ihrem Alltag als Mama!

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Hand aufs Herz

Sybille und ihre sechsjährige Tochter!

© Privat

Susanne Holzer (38) und Sybille Maier-Ginther (38) aus Salzburg sind sich einig: Die perfekte Mutter gibt es nicht. Trotzdem haben sich die beiden Freundinnen und Bloggerinnen (handaufsherzblog.blogspot.co.at) auch bei ihren Kindern viel Druck gemacht. "Ich wollte eine fröhliche, nicht allzu strenge, coole Mama sein, die alles im Griff hat und dabei noch verboten gut aussieht", erzählt Sybille. Im Endeffekt saß sie dann im Schlabberlook zuhause und hatte seit Tagen ihre Haare nicht mehr gewaschen. Heute können die beiden Mamas darüber lachen und geben offen zu, dass sie ihre Kleinen manchmal am liebsten auf den Mond schießen würden. In ihrem neuen Buch "Hand aufs Herz. Das ehrliche Mama-Buch." schreiben sie über ihren Alltag mit Kindern und machen anderen nicht-perfekten-Mamas Mut.

»Jede Mama sollte offen sagen dürfen, wenn sie mal genervt, überfordert oder müde ist, ohne dass sie dabei gleich schief angeschaut wird.«

WOMAN: Sybille, du hast eine sechsjährige Tochter. Wenn du dich zurück erinnerst, hattest du damals bevor deine Tochter auf die Welt kam, schon eine Vorstellung davon, welche Art von Mutter du gerne sein würdest?
Sybille: Ja, ich hatte mir so sehr ein Kind gewünscht und war der festen Überzeugung, dass ich das - wie so ziemlich alles, was ich mir in den Kopf setzte und mit Ehrgeiz verfolgte - vorbildlich meistern würde. Ich wollte eine fröhliche, nicht allzu strenge, coole Mama sein, die alles im Griff hat und dabei noch verboten gut aussieht.

Hand aufs Herz
Sybille und Susanne präsentieren ihr neues Buch "Hand aufs Herz"

WOMAN: Und wie war es dann in der Realität?
Sybille: Ich saß mit angespuckter Schlabberleggins in einer überhitzten Dachgeschosswohnung, in der es aussah als hätte der Blitz eingeschlagen, hatte Augenringe bis unter die Achseln und keiffte meinen Mann an, wenn er sich erdreistete, die Klospülung zu betätigen, nachdem die Kleine nach Stunden Dauergeschrei endlich eingeschlafen war.

WOMAN: Susanne, deine beiden Buben sind 3 Jahre und 10 Monate. Hast du das Gefühl, dass du Dinge bei deinem zweiten Kind ganz anders machst?
Susanne: Ja und nein. Grundsätzlich erziehe ich beide Jungs gleich, aber beim zweiten Kind hat man schlicht und einfach nicht mehr so viel Zeit und Nerven, um bei jedem Detail so ein Theater zu machen wie beim ersten. Es ist zum Beispiel relativ schwierig, ein Baby eine Stunde in den Mittagsschlaf zu singen, während daneben ein ungeduldiger Dreijähriger auf seine Spaghetti wartet. (lacht)

WOMAN: Hattest du das Gefühl, dass andere Mütter alles besser machen als du?
Susanne: Ja, dieses Gefühl hatte ich zu Beginn sogar sehr oft. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich mich mit Geburt meines ersten Kindes automatisch in das Vollblut-Muttertier verwandeln würde, das ganz selbstverständlich immer weiß, was sein Kind gerade braucht, warum es weint und wie viele Schichten man ihm bei 17°C Außentemperatur jetzt genau anziehen muss. Für mich war es gelinde gesagt ein Schock, dass ich mir diese Dinge alle erst mühsam im Learningby-doing-Verfahren (oder sagen wir eher Trial-and-error) aneignen musste, während die anderen Mamas das scheinbar mühelos nebenbei schafften. Ich habe ein wenig gebraucht, bis ich erkannt habe, dass bei den anderen auch nicht immer alles perfekt ist und es hinter den Kulissen oft ganz anders aussieht.

WOMAN: Woher kommt dieser Druck eine perfekte Mutter zu sein?
Susanne: Ich denke, man misst sich insgeheim an einem Idealbild, das man durch Magazine, Fernsehen und Social Media vermittelt bekommt. Wo Supermodels 6 Wochen nach der Geburt wieder superschlank zurück am Laufsteg sind, wo Mütter in der Waschmittelwerbung happy und mit einem lachenden Baby am Arm mit Freude die Waschmaschine einräumen, wo gefilterte Instagram-Fotos von selig schlummernden Babys und top gestylten Mamis es aussehen lassen, als wäre das alles ein Kinderspiel. Natürlich möchte man das auch schaffen - und zuzugeben, dass es einem vielleicht nicht immer so gelingt, traut man sich oft nur hinter vorgehaltener Hand. Schließlich will man ja nicht als Rabenmutter dastehen, weil man die partout nicht einschlafen wollenden Kinder insgeheim heute am liebsten mit einer Rakete zum Mond geschossen hätte und der Berg Schmutzwäsche noch immer vor der Maschine liegt.

WOMAN: Aber gibt es diese Super-Mommys denn wirklich? Die irgendwie alles schaffen, immer gut gelaunt sind und dann auch noch perfekt aussehen?
Susanne: Unsere Forschungen zu dieser Spezies laufen noch. (lacht)

WOMAN: Weil es in den vergangen Monaten immer wieder Debatte war: Hast du es jemals bereut Mutter zu sein?
Susanne: Keine Sekunde. Und genau darum geht es bei "Hand aufs Herz": Zuzugeben, dass Kinder nicht immer nur süß und brav, sondern manchmal einfach nur anstrengend sind, heißt noch lange nicht, dass man sie nicht liebt oder es gar bereut, Mutter geworden zu sein. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass zwei gesunde, fröhliche Kinder ein Geschenk sind, das nicht jeder bekommt. Ich bin aber auch der Meinung, dass trotzdem jede Mama offen sagen sollen darf, wenn sie mal genervt, überfordert oder müde ist, ohne dass sie dabei gleich schief angeschaut wird.

Hand aufs Herz
Susanne mit ihrem 10 Monate alten Baby

»Der Spruch "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind aufzuziehen" kommt nicht von irgendwo.«

WOMAN: Was sind das für Momente, in denen man am liebsten abhauen möchte?
Sybille: Wenn man seit einer Woche nicht mehr als zwei Stunden am Stück geschlafen hat und dann auch noch die Windeln ausgehen, die Waschmaschine kaputt wird oder das Baby krank ist. Wenn man sich selbst nicht mehr riechen kann und total fettige Haare hat, schnell unter die Dusche hüpft, wenn das Kleine endlich eingeschlafen ist und es just in dem Moment, in dem man den warmen Strahl auf dem müden Körper spürt, wieder wie am Spieß zu brüllen anfängt. Wenn das Kleine weint und weint und weint und man nicht den blassesten Schimmer hat, was ihm denn noch fehlen könnte, weil man alles, wirklich alles schon probiert hat. Wenn man mit dem Auto in einen ewig langen Stau gerät, die volle Brust tropft und das Baby im Maxi-Cosi wie wild vor Hunger schreit.

WOMAN: Und was hilft einem in solchen Situationen?
Sybille: Hilfe von anderen. Der Spruch "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind aufzuziehen" kommt nicht von irgendwo. Partner, Schwester, Nachbar(in), Oma/Opa, Babysitter alle müssen ran.

WOMAN: Wie würdet ihr eine „gute Mutter“ definieren?
Sybille: Nur eine glückliche Mutter ist auch eine gute Mutter. Man kommt mit der Zeit immer mehr drauf, dass man auf sich selbst achten muss und wenn man sich das trotz der großen Verantwortung, die man plötzlich trägt, traut, geht es plötzlich auch dem Kind besser, es quengelt weniger, wird ruhiger. Wenn ich mir selbst geholfen habe, war das immer auch gut für die Kleine. Es braucht oft nicht viel, eine Nacht normaler Schlaf, einmal in Ruhe einkaufen gehen, einmal allein Sport machen und die Welt sieht wieder ganz anders aus. Das muss einfach drin sein.

Hand aufs Herz
Susanne und ihr 3-jähriger Sohn

WOMAN: In eurem Buch „Hand auf’s Herz“ schreibt ihr wahre Geschichten aus dem Alltag einer Mama. Mich als werdende Mama habt ihr davor gewarnt, es jetzt schon zu lesen. Warum eigentlich?
Sybille: Es mag die ein oder andere Geschichte ein wenig hart klingen, so als ob wir unsere Kinder nicht von Herzen und aufrichtig lieben würden. Erst wenn man selbst dieses Gefühl mal gehabt hat, ein Wesen bedingungslos zu lieben, auch wenn man es am liebsten gerade zum Mond schießen würde, kann man die Ironie hinter vielen Worten erkennen, die einem Außenstehenden vielleicht zu roh erscheinen.

WOMAN: Wer sollte es dann unbedingt lesen?
Susanne: "Hand aufs Herz" soll allen frischgebackenen Mamas und jenen, die es noch werden wollen, den Druck nehmen, stets die perfekte Mutter sein zu müssen. „Es geht also nicht nur mir so!“ kann manchmal ein unendlich befreiendes Gefühl sein – und genau dieses wollen wir allen Mamas da draußen vermitteln. Schwäche zeigen heißt nämlich noch lange nicht, dass man sein Kind nicht liebt, sondern viel eher, dass man in dem ganzen Babychaos auch mal wieder über sich selbst (oder zumindest uns beide) lachen kann…

WOMAN: Welchen Rat gibst du werdenden Müttern, was ihre Mama-Rolle angeht?
Den besten Rat, den ich bekommen habe:

Sybille: 1. "Let it happen" oder "Lass los" (das passt einfach für so viele Situationen oder Selbstreflektionen, in denen man so unbedingt möchte, dass es anders wäre, es aber nun mal nichts zu ändern ist. Und das ist gut so).
2. Um ein Kind zu beruhigen, das scheinbar ohne Grund weint, mach NIE etwas, das du nicht länger als 2 Stunden in bequemer Positionen durchhalten kannst. Und mach nicht viele Sachen, sondern immer nur eine, damit es sich daran gewöhnt, dass diese Sache für Beruhigung steht, z.B. Hand auf Brust oder Köpfchen. Konsequenz ist alles.

Das Buch "Hand aufs Herz. Das ehrliche Mama-Buch" ist ab jetzt für 8,99 Euro auf Amazon erhältlich!

Hand aufs Herz - das ehrliche Mama-Buch von Sybille Maier-Ginther und Susanne Holzer

Themen: Eltern, Kinder,

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