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Herr Schelling, sind Sie ein Frauenversteher?

Hans Jörg Schelling ist seit knapp vier Monaten Finanzminister. Im WOMAN-Gespräch lässt er die Zahlen – und spricht über Väterkarenz, Frauenquote und 23 Jahre Ehe.

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Herr Schelling, sind Sie ein Frauenversteher?

Hans Jörg Schelling: Neben Reinhold Mitterlehner der geheime Star der Regierung

© Philip Horak/WOMAN

Es ist ruhig im Finanzministerium, der Chef ist gerade auf einer Pressekonferenz außer Haus. Stichwort: Steuerreform. Während wir vor Weihnachtskeksen und Adventskranz warten, fällt uns im Zimmer der Sekretärin ein Schild auf: „Kein Geld verdirbt den Charakter."

Jener Mann, der hier das Sagen hat, muss sich damit nicht mehr beschäftigen. Hans Jörg Schelling, 60, ist Millionär. Und seit bald vier Monaten Finanzminister. Er soll das Budget richten. In der Steuerdebatte eine Lösung finden. Sich mit dem Koalitionspartner einigen. Darüber spricht er gerne und häufig.

Über Privates redet der Niederösterreicher seltener. Für WOMAN öffnet Hans Jörg Schelling die Geldbörse (heute hat er 147 Euro drin) und sein Herz. Das gerade schneller schlägt: „Ich hab die Stufen genommen. Die geh ich sechs Mal täglich rauf und runter“, sagt der Zweifach-Vater (Katharina, 36, & Julia, 34, – beide aus erster Ehe), als er reinrauscht. „Da beherzige ich einen Tipp, den mir meine Frau vor Amtsantritt gegeben hat: ,Pass auf dich auf!‘ Also versuche ich, ein bisschen mehr Bewegung in meinen Tag zu bringen und mich bei den Brötchen einzubremsen.“ Und er hält sich brav an den Ratschlag von Ursula, mit der er seit 23 Jahren verheiratet ist. In der Stunde, die wir mit ihm verbringen, nascht er nur einen Zimtstern und trinkt Cola light.

»Wenn man ein 2. Mal verheiratet ist, achtet man darauf, nicht nochmal dieselben Fehler zu machen.«

WOMAN: Herr Schelling, Sie meinten vor zwei Jahren: „Ich kann es mir leisten, Entscheidungen zu treffen, die nur ich für richtig erachte.“ Das lässt ja für die Anliegen der Frauen hoffen: Nennen Sie uns bitte eine konkrete Idee?
Schelling: Wir müssen beim Arbeitsrecht kreativer werden und nicht in starren Strukturen festsitzen. Ich komme aus einem Betrieb, der Möbelkette Lutz, in dem rund 50 Prozent der Beschäftigten Frauen sind. Dort haben wir viele Modelle für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie entwickelt. Da gab es Mitarbeiterinnen, die nur zwei Monate im Jahr arbeiteten, den Rest frei haben wollten. Andere wiederum konnten nur freitags und samstags.

WOMAN: Sie setzen auf Flexibilität. Wie stehen Sie zur Frauenquote, die in der ÖVP seit Jahren umstritten ist?
Schelling: Das Wort ist diskriminierend. Weil ich davon überzeugt bin, dass es in Österreich eine unglaubliche Anzahl an Frauen gibt, die auch ohne Quote ihren Weg beschreitet. Eine Frau nur deshalb auf eine Position zu setzen, um eine Vorgabe zu erfüllen, das finde ich nicht gut. Aber ich gestehe zu, dass die Quote ein hilfreiches Vehikel wäre.

WOMAN: Ganz ehrlich: Hätten Sie als Frau auch diese
Karriere hinlegen können?

Schelling: Wenn ich den gleichen Charakter hätte, schon! (lacht.) Ich habe zwei Töchter, beide völlig unterschiedlich. Wenn meine jüngere Tochter wo auftritt, sagen alle nach fünf Minuten: „Die ist genauso wie ihr Papa!“ Energisch, wumm! Julia führt das Weingut und macht mich im März zum Großvater. Die grübelt da gar nicht lange über die Mehrfachbelastung. Sie ist überzeugt, dass sie das alles schaffen wird, ohne Probleme.

Ob er sich in die Partnerwahl seiner Töchter einmischt, womit er seine Ehefrau überrascht und wie man 23 Jahre lang glücklich bleibt, das verrät Hans Jörg Schelling in der aktuellen WOMAN-Ausgabe 26/2014.

Thema: Report