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Harald Glööckler: Pompöös am Opernball

Der Opernball 2013 ging ohne Skandälchen über die Bühne. Langweilig sah es auf dem roten Teppich trotzdem nicht aus. Der der deutsche Designer Harald Glööckler war ja da – und hatte sich als "Phantom der Oper" verkleidet.


Harald Glööckler: Pompöös am Opernball
© starpix/Alexander Tuma

"Jössas! Der Glööckler von Notrè Dame!", entfuhr es den kongenialen ORF-Kommentatoren Christoph Wagner-Trenkwitz und Karl Hohenlohe, als der deutsche Designer Harald Glööckler aus seiner von sechs weißen Pferden gezogenen Kutsche stieg. Dieser hielt sich zwar an die strenge Frackpflicht, verzierte ihn wie auch sein Gesicht aber über und über mit Glitzersteinchen. Auf die Frage, ob die Steine wertvoll seien, antwortete der Designer: "Wenn sie in meinem Gesicht sind, sind sie sehr wertvoll."

Begleitet wurde Glööckler von Xenia Prinzessin von Sachsen, die er mit pinkfarbenem Kleid, brauner Zopfperücke und Glitzersternen im Haar als stilisierte Kaiserin Sisi eingekleidet hatte. "Das ist der schönste Ball, den ich jemals erlebt habe", jubelte Glööckler später. Er sehe überall nur Prinzessinnen. "Es ist pompöös!"

Wer ist Harald Glööckler?

Prinzessinnen, Krönchen, Glanz und Gloria – der Opernball mit seinem nostalgischen Kitsch ist ganz nach dem Geschmack des schrägen Designers, der vor 47 Jahren im wenig pompöösen schwäbischen Provinzdorf Maulbronn-Zaisersweiher geboren wurde und auszog, um die Welt ein wenig glitzernder zu gestalten.

Die Erfolgsstory des Harald Glööckler ist eine ungewöhnliche: die Eltern sind Gastwirte. Die Mutter stirbt bei einem Treppensturz, als Harald 13 Jahre alt ist. Offiziell als Unfall geführt, gibt der Junge seinem Vater die Schuld – und spricht ab diesem Zeitpunkt kein Wort mehr mit ihm.

Glööckler arbeitet zunächst als Verkäufer in einem Modegeschäft und schneidert ab und an Abendkleider für Freundinnen. Zusammen mit seinem Lebensgefährten, dem Herrenausstatter Dieter Schroth eröffnet er in Stuttgart einen Laden ("Jeans Garden"). 1990 wird daraus das Glööcklerische Modelabel "Pompöös": glitzernd, kitschig, erfolgreich.

Heute umfasst das Repertoire neben Haute Couture- und Prêt-à-Porter-Mode auch Schmuck, Wäsche, Homewear, Schuhe und Düfte, die unter anderem über den Homeshoppingkanal "QVC" vertrieben werden. Glööckler: "Ich fand nie etwas peinlich daran, ein Kleid für 79 Euro zu entwerfen und es über Teleshopping zu verkaufen. Das ist zu diesem Preis in einer guten Qualität viel schwieriger, als ein Kleid für 10.000 Euro zu designen. Ich möchte, dass alle Menschen meine Mode tragen können."

Dazu kommt eine geniale Vermarktungsstrategie im Lizenzgeschäft. Ob New York, London oder Tokyo: die Produkte von Harald Glööckler sind derzeit in über 80 Ländern erhältlich. Der Bub aus der schwäbischen Alp ist mittlerweile mehrfacher Millionär.

Ein Grund des Erfolges liegt in der geviften Eigenvermarktung des 47-jährigen, der mit seinem langjährigen Lebenspartner Schroth in einem zweistöckigen Luxus-Apartment in Berlin-Mitte lebt. Sein exaltiertes Auftreten und sein schönheitschirurgisch bearbeitetes Gesicht, meinte Glööckler einmal in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau", seien Teil der Strategie: "Es geht nicht unbedingt darum, schön zu sein. Schön ist die kleine Schwester von doof. Man muss jemand sein, über den die Menschen reden können. Dass ich es auf die Spitze getrieben habe wie viele andere Dinge auch, ist mir schon klar..."

Ab 5. März gibt es wieder viel über den pompöösen Geschäftsmann zu reden – dann startet auf dem TV-Sender VOX die bereits zweite Staffel der Reality-Soap „Glööckler, Glanz und Gloria“.