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Gwyneth, Angelina: Immer mehr Weinstein-Opfer reden

"Ich sagte: 'Ich bin keine Hure!' - Er lachte mich nur aus...". Immer mehr Schauspielerinnen berichten Harvey Weinsteins von sexuellen Attacken.

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Gwyneth, Angelina: Immer mehr Weinstein-Opfer reden

Gwyneth Paltrow mit Harvey Weinstein

© Getty Images

„Es bricht mir das Herz, wenn ich an all die Frauen denke, die wegen ihm gelitten haben.“ Mit diesen Worten gab Georgina Chapman, Designerin des Red Carpet-Labels "Marchesa" und Noch-Ehefrau von Film-Mogul Harvey Weinstein, die Trennung bekannt.

Über Jahre soll ihr Mann systematisch junge Models, Schauspielerinnen, Journalistinnen und Mitarbeiterinnen seiner Film-Firmen "Weinstein Productions" und "Miramax" sexuell belästigt und sogar vergewaltigt haben.

Weinsteins Ehefrau Georgina Chapman will die Scheidung

Es ist eine Lawine, die die "New York Times" mit ihren Recherchen über die grausigen Attacken Harvey Weinsteins losgetreten hat. Nachdem Schauspielerin Ashley Judd und drei andere Frauen in Interviews endlich über die sexuelle Belästigung sprachen und Weinstein als Täter addressierten, trauen sich nun immer mehr Frauen, über die in Hollywood jahrelang als "offenes Geheimnis" gehandelten Übergriffe zu sprechen.

Gwyneth Paltrow: "Er wollte eine Massage von mir..."

Darunter auch Stars wie Gwyneth Paltrow, die für den von Weinstein produzierten Film "Shakespeare in Love" einen Oscar gewann. Sie sei 22 Jahre alt gewesen, als Weinstein sie für die Hauptrolle in einem anderen Film, "Emma", engagierte. Vor Drehbeginn, so Paltrow, habe Weinstein sie in seine Hotel-Suite bestellt. Dort habe er sie betatscht und eine Massage von ihr eingefordert. Sie sei wie gelähmt gewesen, sagte Paltrow der "New York Times", habe die Avancen aber zurückgewiesen und sich später ihrem damaligen Freund Brad Pitt anvertraut. Der habe Weinstein mit den Vorwürfen konfrontiert. Weinstein habe Paltrow daraufhin angeschrien und sie gewarnt, nie wieder jemanden über den Vorfall zu informieren.

Angelina Jolie: "Ich habe andere Frauen vor ihm gewarnt..."

Ähnliches berichtet Jolie. Die 42-Jährige, die mit der Darstellung der Videospielheldin Lara Croft große Berühmtheit erlangte, soll einen Annäherungsversuch Weinsteins in einem Hotel Ende der Neunzigerjahre abgelehnt haben. "Ich hatte eine schlechte Erfahrung mit Harvey Weinstein in meiner Jugend. Daraufhin habe ich entschieden, nie wieder mit ihm zu arbeiten. Außerdem habe ich andere Schauspielerinnen gewarnt, die dies tun wollten", so Jolie in einer E-Mail.

Frauen zu belästigen, sie einzuschüchtern: Jahrelang ging Harvey Weinstein so vor. Damit sich die Frauen erst sicher fühlten, habe er manchmal Mitarbeiterinnen seiner Firma zu den Treffen mitgenommen. Diese hätten dann aber dezent das Zimmer verlassen, damit sich Weinstein den Schauspielerinnen und Models aufdrängen konnte. Ging es erst um Massagen und Masturbation vor den Opfern, so melden sich immer mehr Frauen, die von Vergewaltigungen durch Weinstein berichten.

Asia Argento: "Ich sagte: 'Ich bin keine Hure!' - Er lachte mich nur aus..."

Die italienische Schauspielerin Asia Argento (42) berichtete dem „New Yorker“, dass Weinstein sie vor 20 Jahren in einem südfranzösischen Hotelzimmer zum oralen Sex gezwungen habe. Auch Schauspielerin Lucia Evans erklärte, Weinstein habe sie 2004 im New Yorker Büro des Filmstudios Miramax zum Oralsex gezwungen.

Argento, die laut dem "New Yorker" während des Interviews immer wieder in Tränen ausbrach, macht das System Weinstein deutlich: Dieser habe sich erst entblößt, sie dann auf einen Tisch gestoßen, ihre Beine auseinander gezwungen und sich ihr aufgedrängt. "Irgendwann gab ich auf. Ich habe es über mich ergehen lassen, ich dachte, wenn ich mitmache, geht es schneller vorbei," so Argento. Anschließend habe sie, mit verschmiertem Make-up und verrutschter Kleidung zu Weinstein gesagt: "Ich bin keine Hure!"

Dieser habe sie darauf ausgelacht und ihr angeraten, den Spruch auf ein T-Shirt drucken zu lassen. "Er hat es geschafft, dass ich mich schuldig fühlte. Ich dachte, ich hätte mich mehr wehren, ihn kräftiger wegstoßen sollen. Ich hatte jahrelang mit dem zu kämpfen, was vorgefallen ist. Selbst wenn ich ihn aus der Ferne sah, lief mir ein Schauer über den Rücken und ich bekam Angst."

Frauen, die sich zur Wehr setzen, soll Weinstein mit dem Karriereende bedroht haben. Eine anonym bleiben wollende Mitarbeiterin, die er ebenfalls zum Oralsex gezwungen haben soll, gegenüber dem "New Yorker": "Er hatte alle im Griff. Ich habe erlebt, wie er negative Medienberichte über Stars wie Amy Adams innerhalb weniger Stunden aus den Medien bekam, wie er mit nur einem Schnippen dafür sorgen konnte, dass Schauspielerinnen nicht mehr zu Vorsprechen eingeladen wurden."

Rosanna Arquette: "Er zog meine Hand auf seinen Penis.."

Im „New Yorker“ schildert Rosanna Arquette (58), wie Weinstein sie drängte, seinen erigierten Penis zu berühren: „Er packte meine Hand. Er legte sie erst auf seinen Nacken, dann schob er sie in seinen Schritt. Mein Herz raste.“ Sie konnte sich seinem Griff entwinden. Doch, so ist sie überzeugt: "Meine Gegenwehr sorgte dafür, dass meine Karriere im Sand verlief. Es gab natürlich ein paar Faktoren, aber es war deutlich spürbar, dass ich nach dem Vorfall nicht mehr zu wichtigen Castings geladen oder keine guten Drehbücher mehr geschickt bekam..."

Meryl Streep: Distanziert sich nun von Weinstein

Der Druck auf Harvey Weinstein wird mit jeder Geschichte größer. Er wurde von seinem Filmstudio "The Weinstein Company" entlassen- mehrere prominente Schauspielerinnen, Regisseure und TV-Moderatoren äußerten Kritik. Meryl Streep, die Weinstein 2012 bei den Golden Globes noch einen "Gott" genannt hatte, distanzierte sich inzwischen genauso wie Ex-Präsident Barack Obama und Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, deren Wahlkämpfe von Weinstein finanziell unterstützt wurden, von dem Oscar-prämierten Produzenten.

Thema: Hollywood