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Harvey Weinstein drohte Salma Hayek: "Ich kann dich töten!"

„Ich werde dich töten. Denk nicht, ich könnte das nicht!“ In einem emotionalen Text beschreibt Salma Hayek ihre Erfahrungen mit Harvey Weinstein.

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Harvey Weinstein drohte Salma Hayek: "Ich kann dich töten!"

Schauspielerin Salma Hayek: "Man wusste nie, welchen Harvey man bekommt..."

© 2017 Getty Images

Wer den Text liest, den Schauspielerin Salma Hayek für die New York Times über ihre Erfahrungen mit Film-Mogul Harvey Weinstein geschrieben hat, der bekommt ein Gefühl dafür, warum die systemischen sexuellen Übergriffe so lange im Geheimen blieben.

Unter dem Titel "Harvey Weinstein ist auch mein Monster" schildert Salma Hayek emotional, warum sie erst jetzt über die Misshandlungen durch Weinstein spricht.

„Ich sah meine Stimme weder als wichtig an, noch dachte ich, dass ich etwas bewegen könnte. In Wahrheit wollte ich mich vor der Herausforderung schützen, meinen Liebsten ein paar Sachen zu offenbaren: Warum ich wichtige Details ausgelassen habe, als ich erzählte, dass ich von Harvey tyrannisiert wurde,“ schreibt Hayek.

Sie berichtet, dass sie zu Beginn ihrer Karriere sogar eine freundschaftliche Beziehung zu Weinstein aufgebaut hat. Er habe einen bemerkenswerten Intellekt, sei damals ein loyaler Freund und auch Familienmensch gewesen. Weinsteins Studio Miramax habe immer wieder Mut zu unkonventionellen Filmen bewiesen. Als er ihr angeboten hatte, die Biographie der Malerin Frida Kahlo zu drehen, sei sie überglücklich gewesen. "Ich war davor ein Niemand, eine Mexikanerin, die auf sexy Rollen festgelegt war. Als Weinstein 'Frida' mit mir verfilmen wollte, dachte ich, dass ich endlich als Schauspielerin überzeugen könnte."

Salma Hayek: #metoo

Doch dann fingen die Belästigungen an. Weinstein habe sie in diversen Hotels dazu aufgefordert, mit ihm zu duschen oder sie gefragt, ob er sie unter der Dusche beobachten könne. Auch wollte er sie oral befriedigen, ihr beim Sex mit einer anderen Frau oder dabei zusehen, wie einer seiner Bekannten ihr eine Nackt-Massage gibt. Immer habe Hayek das abgelehnt. „Mit jeder Weigerung kam seine skrupellose Wut. Ich glaube, er hat nichts mehr gehasst als das Wort Nein.

Weinstein habe mal geschmeichelt, dann wieder gedroht, dass er die Rolle doch einer anderen Schauspielerin geben würde, wenn sie ihm nicht zu Willen sei. Einmal soll er Hayek gesagt haben: „Ich werde dich töten. Denke nicht, dass ich das nicht kann.“

Ihre Freundschaft mit dem Regisseur Robert Rodriguez und dessen damaliger Frau Elizabeth Avellan, sowie mit Quentin Tarantino und George Clooney habe sie möglicherweise davor geschützt, vergewaltigt zu werden, meint Hayek.

"Monster" Weinstein

Als die Dreharbeiten begannen, hätten die sexuellen Belästigungen zwar aufgehört, „die Wut“ aber zugenommen. Immer wieder kritisierte Weinstein die schauspielerische Leistung Hayeks und drohte angeblich, dass der Film nicht zu Ende gedreht werden würde, solange sie keine Sexszene mit einer Frau drehen würde.

Daraufhin habe Hayek sie einen Nervenzusammenbruch erlitten: „Es war nicht, weil ich nackt mit einer anderen Frau sein würde. Es war, weil ich nackt mit ihr für Harvey Weinstein sein würde.“ Und weiter: „In seinen Augen war ich keine Künstlerin. Ich war keine Person. Ich war ein Gegenstand: Einfach nur ein Körper.“

Sie habe gekämpft und selbst die Finanzierung für den Film auf die Beine gestellt. So sei sie nicht mehr abhängig von Weinstein gewesen. Doch dessen Wut habe zugenommen, er habe nicht mehr nur sie, sondern auch andere Mitarbeiter des Films beschimpft und sogar mit Gegenständen beworfen.

Am Ende ihres Textes fragt Hayek: „Warum müssen wir (Künstlerinnen) so um unsere Würde kämpfen?“ Die Schuld gibt Hayek auch der Filmindustrie, die Frauen in Filmen wiederholt auf ein obszönes Level gebracht habe.

Harvey Weinstein weist Salma Hayeks Vorwürfe zurück. Über seinen Sprecher ließ er dementieren: „Mr. Weinstein kann sich nicht daran erinnern, Salma je zu einer Sex-Szene mit ihrem weiblichem Co-Star gedrängt zu haben, er war außerdem während der Dreharbeiten nicht anwesend.“