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"Meinen Hass bekommt ihr nicht!"

Antoine Leiris hat bei den Anschlägen in Paris seine Frau verloren. Der Radiojournalist wandte sich in einer Art "offenem Brief" an jene Männer, die ihm seine große Liebe und die Mutter seines kleinen Sohnes weggenommen haben.

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Der Radiojournalist Antoine Leiris hat bei den Anschlägen in Paris seine Frau verloren. Seine große Liebe und die Mutter seines Sohnes wurde ihm von Attentätern entrissen und in einem berührenden Kommentar auf Facebook erklärt Leiris, wie er mit diesem tragischen Verlust umgeht. Seine Worte sind klar, deutlich und sollten zum Nachdenken anregen. Es ist ihm klar, dass er seine Frau nicht mehr zurückbekommen wird, doch Antoine setzt mit diesen starken Worten ein klares Zeichen. Ein Zeichen gegen den Terror, aber auch ein Zeichen gegen den Hass.

Ein gekürzter Auszug aus dem Text!

Ihr bekommt meinen Hass nicht!

Am Freitagabend habt ihr das Leben eines außergewöhnlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Kindes. Ich weiß nicht, wer ihr seid und ich will es nicht wissen. Wenn dieser Gott, für den ihr blind tötet, uns nach seinem Bild geschaffen hat, dann muss jede Kugel, die meine Frau getroffen hat, eine Wunde in sein Herz gerissen haben.

Nein, ich werde euch nicht das Geschenk machen, euch zu hassen. Auch wenn ihr euch sehr darum bemüht habt; auf den Hass mit Wut zu antworten würde bedeuten, derselben Ignoranz nachzugeben, die euch zu dem gemacht hat, was ihr seid.

Ich habe meine tote Frau gesehen. Endlich, nach Nächten und Tagen des Wartens. Sie war genauso schön wie am Freitagabend, als sie ausging, genauso schön wie damals, als ich mich vor mehr als 12 Jahren hoffnungslos in sie verliebte.
Selbstverständlich frisst mich der Kummer auf, diesen kleinen Sieg gestehe ich euch zu, aber er wird von kurzer Dauer sein. Ich weiß, dass sie uns jeden Tag begleiten wird und dass wir uns wiedersehen werden.

Wir sind zwei, mein Sohn und ich, aber wir sind stärker als alle Armeen dieser Erde. Ich will euch jetzt keine Zeit mehr opfern, ich muss mich um Melvil kümmern, der gerade von seinem Mittagsschlaf aufwacht. Er ist gerade mal 17 Monate alt; er wird seinen Brei essen wie jeden Tag, dann werden wir gemeinsam spielen wie jeden Tag und sein ganzes Leben wird dieser kleine Junge euch beleidigen, indem er glücklich und frei ist. Denn nein, auch seinen Hass werdet ihr nicht bekommen!

Wenngleich die Anschläge in Paris bereits der Vergangenheit angehören, so ist die Tatsache, dass der Kummer und die Trauer (vor allem - aber nicht nur - innerhalb der betroffenen Familien) immer noch herrscht, ein guter Grund dafür, auf derartige berührende Worte immer und immer wieder aufmerksam zu machen.

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