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HC Strache: "Es ist nie Hass dabei!"

Eine Stunde mit Heinz-Christian Strache, 44. Der Freiheitlichen-Chef poltert gerne, laut und skrupellos. Über seine Ex-Frau, bedeutungslose Wahlumfragen und aufgemalte Bärtchen, die seine Kinder aufregen.

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HC Strache: "Es ist nie Hass dabei!"

Strache: "Bei Strafen lachen einen die Kinder ja aus...."

© Philipp Horak

Fünf Minuten verspätet begrüßt uns der FP-Chef am Empfang des Parlamentsklubs. „Bitte, kommen Sie mit“, sagt er und steigt vor uns die Stufen zu seinem Dachgeschoss-Büro im ersten Bezirk in Wien hoch. Die Sicherheitstüre schließt sich hinter uns. „Fühlen Sie sich bedroht?“, wollen wir wissen. „Man lernt, damit zu leben. Es gibt immer wieder Drohbriefe. Aber die Sicherheitstüre ist Usus, die haben die anderen Parteichefs auch.“

Bevor wir in Straches Arbeitszimmer treten, nimmt er noch den Umweg zur Miniküche: „Da nehm ich mir noch ein Red Bull mit. Wollen Sie auch eines? Light?“ Wir lehnen ab, trinken lieber Mineralwasser. Es hat gefühlte 40 Grad im neu renovierten Reich des Politikers. „Im Sommer funktioniert die Klimaanlage nicht, im Winter die Heizung nicht“, stöhnt der 44-Jährige. Schnell räumt Strache noch den qualmenden Aschenbecher vom Tisch, ebenso ein benutztes Kaffeehäferl. Und dann legt er los, wortreich, wild gestikulierend, schallend lachend. Mit dabei: Leserin und Gastronomin Katharina Brückl, 51. Bei einem Talk, in dem der Zweifachvater (Tochter Heidi, 13 & Sohn Tristan, 11) darüber spricht, wann seine Kinder ihn auslachen, warum er eine Frau an seiner Seite will, die selbst Geld verdient, und weshalb er nichts von „Genderianern“ hält.

»Da ist nie Hass dabei. Ich werde von Liebe getragen«

WOMAN: Ihrem Doping sind Sie wohl seit der Wien-Wahl treu geblieben: Red Bull und Zigaretten ...
HC Strache: Ich dope mich jetzt mit viel Sport, gesunder Ernährung. Es ist wie bei einem Leistungssportler, der sich auf einen Wettkampf vorbereitet.

WOMAN: Stichwort gesunde Ernährung: Wo kriegen Sie die jetzt untertags her? Oder haben Sie ein Jausensackerl mit?
Strache: Bis jetzt habe ich mich bewusst ernährt, sehr viel Sport getrieben, ein halbes Jahr lang. Im Wahlkampf ist das natürlich nicht so aufrecht zu erhalten, da leidet der Körper. Da kann man sich nicht daran halten, keinen Alkohol zu trinken. Wenn du auf Kirtagen unterwegs bist und mit Menschen zu tun hast, gehört natürlich da oder dort das Glas dazu. Sonst giltst du wahrscheinlich als nicht so lockerer Kerl.

WOMAN: Heißt, Sie haben Muskeln aufgebaut und Gewicht abgenommen?
Strache: Abgenommen nicht, da ist auch nicht mehr viel möglich, maximal drei Kilo. Aber ich bin fit und habe einen guten Herzkreislauf.

WOMAN: Den brauchen Sie wohl auch. Das Team Stronach gräbt Ihnen Umfragen zufolge Wähler ab …
Strache: Das sehe ich anders. Er nimmt dem BZÖ die Wähler weg.

WOMAN: Wo sind dann jene zehn Prozent hingekommen, die Ihnen vor einem Jahr noch 28 Prozent beschert hätten? Aktuell stehen Sie bei 17 bis 19 Prozent.
Strache: Umfragen sind ja eine Propheterie, auf die gebe ich nichts. Wir werden die 20 Prozent überspringen.

WOMAN: Es heißt, wenn Sie an die Macht kommen sollten, würden Sie sich zum Mitläufer entwickeln. Zuerst aufregen, dann anpassen?
Strache: Wenn man selbst reifer wird, hat das nichts mit Mitläufertum und Anpassung zu tun.

Strache: "Reifer werden hat nichts mit Mitläufertum zu tun"

WOMAN: Sie haben sich also Ihrer eigenen Definition zufolge weiterentwickelt?
Strache: So wie jeder Mensch. Ich glaube, dass ich gelassener und ruhiger auf gewisse Sachen reagiere, etwa auf Gehässigkeiten. Das tut einem ganz gut.

WOMAN: Lange wurden Sie als billige Haider-Kopie bezeichnet. Wie viel Hass ist da in Ihnen, es allen zeigen zu müssen?
Strache: Es ist nie Hass dabei, es ist Liebe, die mich begleitet. Sie ist die größte Kraft, von ihr werde ich getragen.

WOMAN: Apropos Liebe: Zu Ihrer Mutter haben Sie ein sehr enges Verhältnis. Wie hält man das als Frau an Ihrer Seite aus?
Strache: (nickt mehrmals hintereinander ) Jeder Sohn, der nicht irgendwelche Fehlentwicklungen erlitten hat, hat ein inniges Verhältnis zur Mutter. Ich schätze an ihr, dass sie als Alleinerzieherin versucht hat, das Wenige, das sie hatte, in ihren Buben zu investieren. Der Vater hat seinen Beitrag nicht geleistet, sich nicht um uns gekümmert.

WOMAN: Sie haben früher auch Jugendlager der Caritas und SJ besucht. Weil Ihre Mutter Sie dort lieber sehen wollte als bei der Burschenschaft?
Strache: Nicht wirklich. Aber die Sommerferien waren ganz genau eingeteilt, vier Wochen davon war ich im Ferienlager. Daran habe ich sehr interessante Erinnerungen. (Denkt nach) Der erste Kuss zum Beispiel. Herrliche Platzwunden auf der Stirn, weil ich von Steinen beschossen und getroffen wurde.

WOMAN: Wie oft hören Sie Ihre Mutter heute eigentlich?
Strache: Wir telefonieren regelmäßig.

WOMAN: Täglich?
Strache: Nein, das ist nicht notwendig (lacht) . Alle sieben bis zehn Tage.

WOMAN: Sind Sie auf Facebook miteinander in Kontakt?
Strache: Meine Mutter ist nicht auf Facebook. Beim SMSen tut sich die Mama auch a bissl schwer. Und Mailing ist nicht ihres. Aber jetzt waren wir gerade gemeinsam auf Urlaub. Das bereitet auch den Kindern Freude.

WOMAN: Was sagen die Kids dazu, wenn Sie „Daham statt Islam“ postulieren?
Strache: Gar nichts, sie politisieren in der Regel nicht. Wenn sie Fragen haben, reden wir darüber. Was sie massiv stört, ist, wenn sie Plakate sehen, wo Verunstaltungen gemacht, mir dort Bärtchen gemalt werden und andere Verrücktheiten

WOMAN: Bekommen Ihre Kinder die Abneigung gegen Sie als
Politiker auch direkt zu spüren?

Strache: Natürlich hat es in ihrer Schule auch versuchtes Mobbing gegen sie gegeben. Aber das wurde vom Lehrkörper exzellent geklärt.

"Gegen meine Kinder hat es in der Schule Mobbing gegeben!"
»Ich habe gar kein Frauenbild!«

WOMAN: Über Berufliches wird demnach kaum gesprochen. Worüber dann?
Strache: Mit der Tochter über völlig anderes als mit dem Sohn. Auch wenn von den Genderianern in Abrede gestellt wird, dass es einen biologischen Unterschied gibt. Das ist Unsinn. Das beste Beispiel sind meine Kinder: In ihrem Zimmer sind Mädchen- und Bubenspielsachen kunterbunt durcheinandergelegen. Jeder konnte nehmen, was er wollte. Natürlich hat auch der Bub zum Staubsauger gegriffen und zur Puppe, aber das hat ihn schnell nicht mehr interessiert. Und das hat man ihm nicht eingeredet.

WOMAN: Sind Sie ein strenger Vater?
Strache: Mit Sicherheit nicht, aber meine Lebensgefährtin Andrea hat eine strengere Struktur. Wenn die Kinder alles liegen lassen, sagt sie: Helft’s mit und packt’s an. Da muss man immer dahinter sein. Aber offenbar sind sie es von zuhause gewohnt, dass es jemand für sie wegräumt. Meine Ex-Frau ist auch nicht unbedingt streng.

WOMAN: Gibt's denn Strafen
Strache: Strafen, pfff … Da lachen einen die Kinder ja aus, wenn du sagst: Jetzt kommt das Handy eine Woche weg oder der Computer oder es wird nicht ferngeschaut. Sie finden eh immer Möglichkeiten, das zu umgehen.

WOMAN: Sie sind seit 2006 geschieden. Wie leben Sie die Obsorge?
Strache: Die Kinder sind in der Regel bei der Mutter. Und alle vierzehn Tage von Freitag bis Sonntag bei mir.

WOMAN: In Zeiten der Transparenz: Wie viel bleibt Ihnen nach Abzug der Alimente von Ihrem Lohn? Josef Bucher sagte in WOMAN, ihm blieben 1.900 Euro.
Strache: Eigenartig! Mir bleibt natürlich mehr, aber das ist leicht ausrechenbar. Ich zahle 30 Prozent meines Nettolohns Alimente. Vielleicht hat er noch andere Frauen zu bezahlen … (lacht)

»Vielleicht hat Bucher noch andere Frauen zu bezahlen....«

WOMAN: Zahlen Sie Ihrer Ex Unterhalt?
Strache: Nicht mehr. Bei der Scheidung haben wir drei Jahre festgelegt, die sind vorbei. Sie ist ja gesund, hat zwei gesunde Hände. Jetzt ist sie angehalten, selbst Geld zu verdienen.

WOMAN: Welches Frauenbild haben Sie?
Strache: Gar keines, aber ich weiß, was für mich das Richtige ist. Mein Partner muss ein eigenständiger Mensch sein. Ich wollte auch, dass meine Ex in den Arbeitsprozess einsteigt, sie aber wollte lieber den Haushalt führen und ich habe sie finanziell unterstützt, sie nie im Stich gelassen. Heute handhabe ich das völlig anders mit meiner Herzenspartnerin. Sie ist selbst unternehmerisch tätig. Und mit ihr sind auch Kinder und Familie kein Widerspruch zur Karriere.

WOMAN: Schon Nachwuchs unterwegs?
Strache: Wir werden in Zukunft eine Familie gründen.

WOMAN: Gehen Sie dann in Väterkarenz?
Strache: Warum nicht, ja.

WOMAN: Ihre Verlobte ist 28, Sie sind 44. Fühlen Sie sich an Ihrer Seite automatisch auch gleich jünger?
Strache: Nein, ich fühle mich grundsätzlich jung. Weil ich ein junges Wesen habe und weil ich einer bin, der auf sich schaut.

WOMAN: Ehrlich: Wie lange brauchen Sie in der Früh vorm Spiegel?
Strache: Vom Aufstehen bis zum Wegfahren brauch’ ich 45 Minuten.

WOMAN: Fünf für die Gesichtswäsche?
Strache: Ja, ich brauch ja nichts. Schauen Sie, ich wasch mir meine Haare, frottier sie ab, dann geb ich Gel hinein. Dann gibt’s die Zahnpasta und hie und da Einschmieren des Körpers. Das mach ich schon, damit die Haut nicht so trocken wird.

WOMAN: Heinz-Christian Strache in zehn Jahren: Was macht er Mitte August?
Strache: Da werde ich gerade meine Kanzlerperiode beendet haben und vor der Wiederwahl stehen.

Das Gespräch fand rund um den Couchtisch statt: Report-Chefin Katrin Kuba und Leserin Katharina Brückl mit Strache. Und zehn Fotos von ihm.
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