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Heimliche Vaterschaftstests

In Österreich dürfen Vaterschaftstest ohne das Einverständnis der Beteiligten durchgeführt werden, in Deutschland ist das verboten.


Heimliche Vaterschaftstests
© xiefei/iStock/Thinkstock

Darf ich einen Vaterschaftstest heimlich durchführen? Diese Frage stellt sich so manche Mutter, die einfach nur Klarheit darüber haben möchte, wer der Vater ihres Kindes ist, ohne dass dieser jedoch davon weiß. Auch Väter möchten häufig wissen, ob sie der Erzeuger ihres vermeintlichen Kindes sind oder möglicherweise ein sogenanntes „Kuckuckskind“ aufziehen. Seit dem 1. Februar 2012 steht in Deutschland fest: Vaterschaftstests, die heimlich, d.h. ohne das Wissen und das schriftliche Einverständnis von Mutter, Vater und Kind durchgeführt werden, sind verboten. Ist das Kind minderjährig, entscheidet der Erziehungsberechtigte, in einigen Fällen auch das Jugendamt. In Österreich ist die Rechtslage entspannter. Tests, um die Vaterschaft festzustellen, können dort auch ohne das Einverständnis der Beteiligten durchgeführt werden.

Pränatale Vaterschaftstests nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich

Genaue Zahlen zu Kuckuckskindern existieren natürlich nicht – Schätzungen zufolge wissen in Deutschland und Österreich etwa zehn Prozent der Kinder nicht, wer ihr leiblicher Vater ist. Haare oder Zahnbürste oder Zigarettenstummel in ein Labor einschicken, Analyse durchführen lassen und Gewissheit haben – so wünschen sich das viele Mütter oder vermeintliche Väter, wenn unklar ist, wer der Erzeuger des Kindes ist. Ein solcher heimlicher Vaterschaftstest gilt auch in Deutschland nicht als Straftat im Sinne des Strafgesetzbuches, sondern als Ordnungswidrigkeit, für die bis zu 5.000 Euro Geldstrafe drohen können. In Österreich ist für einen normalen Abstammungstest nicht die Zustimmung aller Beteiligten notwendig, allerdings wird darüber diskutiert, ob man nach deutschem oder auch schweizerischem Vorbild das heimliche Einsenden von DNA-Proben an Testlabore unter Strafe stellen sollte. Bislang fehlt eine rechtliche Regelung dazu.

Deutsche Labore verlangen Einverständnis aller Beteiligten

Dass ein heimlicher Vaterschaftstest gelingt, ist in Deutschland äußerst unwahrscheinlich. Ein seriöses, das heißt zertifiziertes Labor in Deutschland führt keinen Abstammungstest ohne die Einverständniserklärung aller Beteiligten durch. Eine gefälschte Einwilligung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und wird mit einem empfindlichen Bußgeld wegen Urkundenfälschung geahndet. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein heimlicher Vaterschaftstest gelingt, hat dieses Ergebnis vor einem deutschen Gericht keine Beweiskraft. Der alleinige Versuch der Geltendmachung vor Gericht zieht höchstwahrscheinlich ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nach sich. Die Information kann daher nur für den persönlichen Gebrauch verwendet werden. Auch in Österreich, wo heimliche Vaterschaftstests eigentlich erlaubt sind, sind die Ergebnisse vor Gericht oft nicht verwertbar, da bei heimlichen Tests nie zweifelsfrei zugeordnet werden kann, woher die Proben stammen.

Heimlicher Vaterschaftstest im Ausland: inländisches Recht gilt

Einige ausländische Anbieter von Vaterschaftstests werben mit der Durchführung von heimlichen Vaterschaftstests. Allerdings handeln diese Labore nach den dort gültigen Gesetzen, sodass dem Auftraggeber in seinem Land ernstzunehmende Konsequenzen drohen können.

Themen: Erziehung, Kinder