Ressort
Du befindest dich hier:

Wie "oasch" kann man eigentlich kommunizieren?

Was ein Foto von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek auf Facebook auslöste – und warum das Wort „Töchter“ gar nicht so schlimm ist. WOMAN-Chefredakteurin Euke Frank über den sagenhaften Shitstorm, der gerade im Gang ist…

von
Kommentare: 32

Euke Frank spricht über den Internationalen Frauentag

WOMAN-Chefredakteurin Euke Frank

© Oliver Topf

Der Shitstorm, den Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger vor ein paar Wochen über sich ergehen hat lassen müssen, war dagegen ein laues Lüfterl. Seit ein paar Stunden tobt im Netz eine völlig enthemmte Hassorgie gegen Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Und schon wieder geht’s um heimisches Liedgut.

Die Politikerin hatte gestern Abend ein Foto von sich mitsamt einem kleinen Plakat und dem korrekten Text der heimischen Bundeshymne (ja, da kommen auch die Töchter vor!) auf Facebook gepostet. Mittlerweile hat sie fast 15.000 Kommentare – eine Anzahl, die nicht mehr handlebar ist. Der Tenor der Masse: „Dieser Genderfaschismus nervt!“ In der Tonalität so wüst, dass einem die Luft beim Lesen wegbleibt...

Was da grad passiert, ist erschütternd – aus vielerlei Gründen.

Heinisch-Hosek ist Frauenministerin. Sie steht mit ihrer Aktion für eine Änderung ein, die viele vielleicht unnötig finden, die aber Symbolkraft hat – und vor allem für eine, die das Parlament beschlossen hat. So weit, so legitim.

Man muss nicht ihrer Meinung sein. Das darf und soll und kann man natürlich auch sagen.
Aber der Dreck, der jetzt durch die Foren fliegt, ist ein Armutszeugnis für dieses Land.

Übernehmen jetzt jene das Regiment, die Sätze schreiben wie: „Der Blitz soll dich beim Scheißen treffen!“ oder „Einfach peinlich die Tante!!! Geh in Pension, geh ins Altersheim“ oder „geh in oasch, du blöde fotze“ oder „Underfucked overaged desperate houswive“ oder „du schirche oide frustrierte krauthex“?

Eine Ahnung, was an Hass und Bösartigkeit, an Verleumdung und Verachtung möglich ist, hat Ö3-Frau Lichtenegger vor wenigen Wochen gespürt – und musste deshalb mit einem Nervenzusammenbruch ins Spital eingeliefert werden.

Was wollen die Hassposter jetzt mit Gabriele Heinisch-Hosek machen?
Sie öffentlich steinigen?
Das passiert gerade!

Töchter.
Es ist ein Wort. Es wäre großartig gewesen, wenn es Andreas Gabalier über die Lippen gekommen wäre. Er hätte es einfach singen können. Es wäre ein erfreuliches, modernes Signal für ein erfreuliches, modernes Österreich gewesen.

Hey, es ist nur ein Wort. Aber es zeigt die Wertschätzung für 51 Prozent der Bevölkerung.

„Oasch“ und „Fotze“ und „Underfucked“ und „Krauthex“ sind auch nur Worte.
Aber wie muss man drauf sein, wenn man lieber das rausrülpst, bevor einem das Wort „Töchter“ über die Lippen kommt?

Euke Frank
Chefredakteurin WOMAN

Thema: Facebook

Kommentare

Heinz Pascher

ich habe kein problem mit der aktuellen frauenministerin, sondern ich habe ein problem mit unserer regierung. korrupt, verlogen, hinterfotzig und nur in die eigenen taschen arbeiten. und da kommt dann eine rauch kallat und meint, sie hat das recht, irgendwen zu maßregeln.
wird zeit, daß österreich endlich aufwacht und sich das nicht mehr gefallen lässt.

Martin M.

Gleiches Recht für alle? Ich bitte darum! Aber denken sie wirklich, dass die 2 Wörter den Frauen irgendwas bringt? Hat irgendeine Frau die nicht in der Politik sitzt darum gebeten? Probieren wir es mal mit den Schlagwörter Gehaltsspanne, Pensionsalter! Die Lieben Frauen der Politik die so viel Geld in den Sand gesetzt haben, sollen sich lieber um Sachen kümmen die dem Volk (Frauen und Männer) helf

Autor

Es gibt nunmal eine Originalversion der Hymne und gerade einem 'Künstler' sollte es überlassen bleiben, diese auch zu singen. Die Aufregung darum ist unnotwendig aber umso heftiger, als es tatsächlich wichtigeres geben sollte.
Ich kenne keinen Mann, der sich jemals (ernsthaft) am Wort 'Muttersprache' gestoßen hat ...

Autor

Ja, 'Töchter' ist nur ein Wort - aber warum fühlen sich dann Ex-Ministerinnen bemüßigt, Gabalier des Rechtsbruchs zu bezichtigen? Aktive Ministerinnen geben Text-Nachhilfe (obwohl das nicht das Problem ist)? In jedem Medium hauen Journalistinnen in die gleiche Kerbe (gegen die Meinung der Mehrheit)?
Gäbe es nur die Version 'Töchter und Söhne', wäre Gabaliers Auftritt als Mißachtung zu werten ...

Manfred Mann

Dass BM Heinisch-Hosek den "korrekten Text" der Hymne in der Hand hielt, stimmt nicht. Auf ihrem Zettel waren gegenüber dem Gesetzestext ein Rechtschreib- und zwei Satzzeichenfehler. Wer nicht einmal richtig abschreiben kann, hat keine andere Reaktion verdient.

Coco Nut

Also mir geht es ziemlich am Ende meiner Wirbelsäule vorbei, ob nun die Töchter besungen werden oder nicht, denn ich bin Frau genug zu wissen, was ich/wir wert sind. Was mich aber nicht kalt lässt sind Äußerungen, wie sie nun gegen Frau Heinisch-Hosek (oder Frau Lichtenegger, FRAU Wurst, etc.) getätigt werden. Da schäm ich mich doch regelrecht in Grund und Boden, Mensch zu sein!

Viktoria Schaffenrath

Als Frau frage ich mich ernsthaft, welche Art von Wertschätzung mir nur durch das Wort "Töchter" in unserer Bundeshymne entgegengebracht wird? Die Politik sollte sich stattdessen lieber darum kümmern, dass die Gehaltsspanne zwischen Frauen und Männern wesentlich kleiner wird, denn die ist laut Studien die zweitgrößte in der gesamten EU. Das würde mir Wertschätzung für Frauen in Österreich zeigen. Was nützt mir ein zusätzliches Wort in der Bundeshymne, wenn Frauen am Arbeitsmarkt immer noch benachteiligt sind und es sicherlich auch noch Jahrzehnte bleiben werden?

Michael Wernsdorfer

Schade, daß die "Anonymität" des Internets manche frustrierte Menschen dazu veranlaßt, Sachen in Foren zu erbrechen, die sie nicht einmal an die Tür einer öffentlichen Bedürfnisanstalt schreiben würden. Mit diesen Menschen identifiziere ich micht ganz und gar nicht. Den gewaltsamen Eingriff in den Text von Paula Preradović - einer wahrhaft großen Österreicherin - halte ich aber für völlig falsch!

Autor

Man muss zwei Dinge unterscheiden: die Art und Weise, wie Frau Rauch-Kallat und Frau Heinisch Hosek wirklich dumm damit umgehen und was Gabalier *verbrochen* hat... Ich persönlich finde den Text nun doch zu holprig, zudem, Frau Paula von Preradovic hat den Text in einem relevanten Kontext geschrieben. SO auf einen jungen Mann loszugehen ist wirklich sinnfrei . Zuerst Lohn, dann Hymne anpassen!

Nicole Mayer

Ich find das ganze lächerlich jeder sollte die Hymne so singen wie er es will. Warum überhaupt Töchter wegen Emanzipation ??? Emanzipation heißt gleiches Recht für alle und gleiche Bedingungen und Regeln also sollten die Frauen ja auch zum bundesheer oder ist das dann zu viel an Emanzipation ??? Außerdem gibt es doch wichtigere Dinge als sowas zu diskutieren oder haben die Politiker lange weile?