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Heiraten nur noch mit Vertrag: Unromantisch oder clever?

Eheverträge sind nur etwas für Promis und Royals - oder doch nicht? Rechtsanwältin Carmen Thornton erklärt was derartige Vereinbarungen für einen Sinn haben.

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Heiraten nur noch mit Vertrag: Unromantisch oder clever?
© iStock/Rawpixel

In Österreich werden etwa 40% der Ehen wieder geschieden. Trotzdem heiraten nur die wenigsten Paare mit Ehevertrag. Das liegt einerseits daran, dass viele es als unromantisch empfinden, sich vor der Hochzeit Gedanken über die Möglichkeit einer Scheidung zu machen. Außerdem herrscht die weit verbreitete Meinung, dass Eheverträge immer nur den finanziell besser gestellten Partner begünstigen. Aber wann lohnt sich ein Ehevertrag überhaupt? Grundsätzlich gilt in Österreich die Gütertrennung. Das bedeutet, dass jeder Ehepartner Eigentümer des Vermögens bleibt, dass er in die Ehe eingebracht oder während der Ehe erworben hat. Bei der Scheidung wird jedoch das während der Ehe gemeinsam erwirtschaftete Vermögen aufgeteilt.


In einem Ehevertrag kann man nicht nur festhalten, wer welche Vermögenswerte in die Ehe eingebracht hat, die Ehepartner können auch bestimmen, wie das gemeinsame Vermögen nach der Scheidung aufgeteilt werden soll. In einem Ehevertrag kann man zum Beispiel festlegen, wer nach der Scheidung die Ehewohnung behält. Ein Ehevertrag ist auch dann zu empfehlen, wenn man vor der Hochzeit gemeinsam ein Haus baut, aber nur einer im Grundbuch eingetragen ist. Der andere steht sonst nach der Scheidung unter Umständen mit leeren Händen da. Auch die Höhe und Dauer der Unterhaltszahlungen kann man vertraglich regeln. Wenn die Mutter wegen der Kinderbetreuung in Karenz geht oder nur Teilzeit arbeitet, ist es daher sinnvoll, im Ehevertrag zu vereinbaren, dass sie nach der Scheidung (zumindest für eine bestimmte Zeit) einen verschuldensunabhängigen Unterhalt bekommt, bis sie wieder Vollzeit arbeiten gehen kann.

Was kann man in einem Ehevertrag nicht regeln?

In einem Ehevertrag kann man nur finanzielle Angelegenheiten regeln. Die persönlichen Beziehungen wie zB die eheliche Treue oder Beistandspflicht, die Verpflichtung zum Geschlechtsverkehr oder zur Zeugung von Nachkommen kann man nicht vertraglich regeln.
Regelungen betreffend die gemeinsamen Kinder, zB Obsorge, Kontaktrecht und Kindesunterhalt, sind bloße Absichtserklärungen und daher nicht bindend. Im Streitfall entscheidet das Gericht anhand des Kindeswohles.

Carmen Thornton ist Rechtsanwältin und spezialisiert auf Scheidung und Obsorge.


Außerdem sind Vereinbarungen, die einen Teil besonders benachteiligen oder sogar existenzbedrohend sind, grundsätzlich unwirksam und können vor Gericht angefochten werden. Das kann zB bei einen gänzlichen Unterhaltsverzicht der Fall sein, wenn die Frau bei
den Kindern zu Hause bleibt und daher kein eigenes Einkommen hat oder auch bei einer Regelung über die Ehewohnung, wenn der andere Teil oder ein gemeinsames Kind darauf angewiesen ist.

Ehevertrag ja oder nein?

Abseits der romantischen Gefühle sollte jedem klar sein, dass die Ehe auch ein Vertrag mit Rechten und Pflichten ist. Die Folgen einer Scheidung sind zwar im Gesetz geregelt. Es ist aber sicher keine schlechte Idee, wenn die Ehepartner sich vor der Hochzeit über die Rechtslage informieren und sich gemeinsam überlegen, was sie im Falle einer Scheidung als fair empfinden. Wenn die gesetzlichen Regelungen für beide Partner in Ordnung sind, braucht man keinen Ehevertrag. Wenn nicht, ist es besser, eine Lösung zu finden, solange die Beziehung gut läuft, anstatt sich nach der Trennung zu streiten. Und wenn man hier schon zu Beginn der Ehe auf keinen gemeinsamen Nenner kommt, ist ein Rosenkrieg geradezu vorprogrammiert. Einen Ehevertrag sollte man aber nur unterschreiben, wenn sichergestellt ist, dass man nachder Scheidung finanziell abgesichert ist (zB durch einen verschuldensunabhängigen Unterhalt).

Außerdem sollten Frauen sich keinesfalls einreden lassen, dass ihr Beitrag weniger wert ist, auch wenn ihr Partner mehr verdient. Ein Großteil der unbezahlten Arbeit (Hausarbeit, Kinderbetreuung) wird nämlich immer noch von den Frauen verrichtet. Eine Vereinbarung,
wonach jeder Eigentümer des in der Ehe erworbenen Vermögens bleibt, benachteiligt immer den schlechter verdienenden Ehepartner und ist nur zu empfehlen, wenn beide Ehegatten voll berufstätig sind.

Wie schließt man einen Ehevertrag ab?

Regelungen betreffend die Ehewohnung und die ehelichen Ersparnisse sind notariatsaktpflichtig. Für die Aufteilung des ehelichen Gebrauchsvermögens (zB Hausrat, Auto etc) genügt die Schriftform. Wenn sich die Lebensumstände ändern, sollte man den Ehevertrag entsprechend anpassen.

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Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien und schreibt regelmäßig juristische Artikel für WOMAN.at - zuletzt etwa über Zahnspangenkosten. Ihre Kanzlei ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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