Ressort
Du befindest dich hier:

Hellen Hautkrebs erkennen - Expertentalk!

Nach dem schockierenden Hautkrebs-Selfie einer jungen US-Amerikanerin, haben wir beim Experten nachgefragt, wie man hellen Hautkrebs erkennt und behandelt!

von

Heller Hautkrebs - Interview

Auch Sonnenbrand kann zu Hautkrebs führen!

© Thinkstock Images. Pic by DJ_38.

Gestern haben wir von Tawny Willoughby berichtet, der jungen Frau, die mutig ihr mit Wunden übersätes Gesicht im Web gezeigt hat, um andere vor den Risiken von UV-Strahlung zu schützen. Die Folge ihres Bräunungswahns im Teenageralter: Heller Hautkrebs. Jedes Mal müssen die Ärzte der 27-Jährigen ein mit Krebs befallenes Stück Haut aus dem Gesicht entfernen. Dabei lässt sich heller Hautkrebs im Frühstadium sehr gut behandeln. Wie man hellen Hautkrebs schon früh erkennt und wie man ihn sanft aber effektiv behandelt, erklärt uns Dr. med. Dirk Mayer-Rogge, Dermatologe im Skin Center in Karlsruhe.

WOMAN: Wie erkennt man hellen Hautkrebs im Frühstadium?
Dr. Mayer-Rogge: Heller Hautkrebs zeigt sich im Anfangsstadium durch schuppige, rötliche Flecken auf der Haut. Diese oberflächliche Hautveränderung nennt sich aktinische Keratose. Das UV-Licht schädigt das Erbgut der Oberhaut-Zellen, welche sich im Laufe der Jahre übereinander anlagern. Die veränderten Zellen befinden sich jedoch ausschließlich auf der obersten Hautschicht und sind noch nicht invasiv in die tieferen Hautschichten vorgedrungen. Damit es gar nicht soweit kommt, sollten aktinische Keratosen schnellstmöglich behandelt werden. Von aktinischen Keratosen betroffen sind vor allem die Sonnenterrassen des Körpers wie Gesicht, Ohren, Handrücken oder Glatze.

WOMAN: Gibt es Personen, die ein besonders hohes Risiko für aktinische Keratosen haben?
Dr. Mayer-Rogge: Menschen mit heller Haut sind besonders gefährdet an aktinischen Keratosen zu erkranken, da ihr körpereigener Schutzmechanismus gegen UV-Strahlen nicht sehr gut ausgeprägt ist. Auch wer sich berufsbedingt viel unter freiem Himmel aufhält, wie Bauarbeiter, Landschaftsgärtner usw., hat ein erhöhtes Risiko dafür. Seit diesem Jahr ist die Hautkrebsvorstufe daher auch offiziell als Berufskrankheit anerkannt. Besonders gefährdet an aktinischer Keratose zu erkranken ist natürlich auch jeder, der sich fernab vom beruflicher Notwendigkeit häufig der UV-Strahlung aussetzt. Der Bräunungswahn - egal, ob unter der natürlichen oder künstlichen Sonne - erhöht das Risiko für Hautkrebs erheblich. auf lange Sonnenbäder sollte man generell am besten verzichten. Wer auf Nummer sicher gehen will, cremt sich gründlich mit Sonnenschutzcreme ein, wenn er seine Haut der Sonne aussetzt. Frauen sollten grundsätzlich immer eine Tagescreme mit Lichtschutzfaktor auftragen.

WOMAN: Wie lässt sich die aktinische Keratose behandeln?
Dr. Mayer-Rogge: Um die aktinische Keratose zu behandeln, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Erkrankung kann zum Beispiel flächig mit einer Creme therapiert werden. Doch diese Behandlung dauert in den meisten Fällen mehrere Monate. Hinzu kommen relativ invasive Therapieoptionen, bei denen die Hautveränderungen zum Beispiel mit einem Skalpell abgetragen werden (Kürettage), mechanisch abgeschliffen werden (Dermabrasion) oder mit ätzender Lösung betupft werden. Von allen möglichen Optionen bevorzuge ich bei meinen Patienten die Therapie mit dem Fraxel-Laser. Die Laser Energie dringt genau in die Hautschicht ein, in der die aktinische Keratose sitzt und behandelt werden muss. Die thermischen Änderungen durch die Laser-Therapie bewirken, dass die Haut sich erneuert und die aktinische Keratose abheilt. Ein invasives Eindringen der Krebszellen in die tieferen Hautschichten und die Entstehung eines Plattenepithelkarzinoms werden wirksam vermieden. Gleichzeitig wird die Kollagenproduktion angeregt, was die Hautstruktur stärkt und so künftigen Schäden vorbeugt. Im Vergleich zu anderen Verfahren ist die Fraxel-Behandlung besser verträglich und schmerzärmer für den Patienten, da es zu weniger Entzündungsreaktionen kommt und die Abheilungsrate schneller ist. Auch für schwierige Lokalisationen wie Lippen oder Ohrmuscheln, Gesicht oder Dekolleté ist diese Art der Therapie ideal.

Muttermale selbst kontrollieren
Einmal im Jahr solltest du auch deine Muttermale kontrollieren lassen.
»Wer schuppige, rötliche Hautveränderungen an seinem Körper entdeckt, sollte sofort seinen Hautarzt aufsuchen.«

WOMAN: Was geschieht, wenn die aktinische Keratose unbehandelt bleibt?
Dr. Mayer-Rogge: Bleibt die Krankheit unbehandelt führt sie in 6 - 10 Prozent der Fälle zu hellem Hautkrebs - zum sogenannten Spinalion oder Plattenepithelkarzinom. Beim Spinaliom befinden sich die Krebszellen nicht mehr wie bei der aktinischen Keratose oberflächlich auf der Haut, sondern sind bereits in die tieferen Schichten eingedrungen. Wie bei vielen anderen Krebserkrankungen gilt: Je früher der Tumor, der auch Metastasen bilden kann, erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Ein Spinalion kann jedoch nicht mehr äußerlich, zum Beispiel mit dem Fraxel-Laser, therapiert werden. Um den Hautkrebs zu heilen, hilft es nur, ihn komplett aus der Haut zu schneiden. In manchen Fällen ist auch eine Bestrahlung oder Chemotherapie angebracht. Deswegen betone ich es noch einmal: Wer schuppige, rötliche Hautveränderungen an seinem Körper, vor allem an Gesicht, Händen, Ohren, Dekolleté oder Glatze, entdeckt, sollte sofort seinen Hautarzt aufsuchen. Aktinische Keratose kann sehr gut behandelt werden und diese Chance sollten alle Betroffenen nutzen. Wird die aktinische Keratose ignoriert, kann es zu hellem Hautkrebs kommen. Und dagegen hilft nur noch das Skalpell.