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Du hast die Idee, aber dein Kollege wird dafür gefeiert? Das ist "Hepeating"

Sich in einem Meeting durchzusetzen, ist nicht immer leicht. Vor allem dann nicht, wenn die eigenen Vorschläge irgendwie immer übergangen werden...

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hepeating
© iStock

Du sitzt im Business-Meeting, wirfst deine Ideen in die Runde. Niemand nimmt wirklich Notiz davon. Du bist enttäuscht. Dann meldet sich ein Kollege zu Wort: Er äußert dieselbe Idee. Umformuliert zwar, aber eindeutig *deine* Anregung. Alle hören ihm zu. Alle finden die Idee super und arbeiten an der gemeinsamen Umsetzung. Du sitzt daneben und fragst dich, ob du im falschen Film gelandet bist.

Das nächste Meeting kommt. Es passiert wieder – das Déjà vu-Gefühl lässt sich nicht abschütteln. Du hinterfragst dich selbst: "Bin ich eigentlich nur neidisch auf meine Kollegen, weil ihre Ideen besser ankommen als meine? Oder vielleicht drücke ich mich undeutlich aus! Warum passiert *nur* mir sowas?!"

Nein, nicht nur dir passiert das. Ganz viele Frauen erleben diesen Moment – und nicht nur einmal im Leben. Sei es, wie oben beschrieben, im Job, im Freundeskreis oder in der Familie: Die Situation ist immer dieselbe. Sprichst du, eine Frau, den Vorschlag aus, wird er übergangen. Spricht denselben Vorschlag aber ein Mann aus, hören alle zu. Dieses Phänomen nennt man "Hepeating" – eine Verschmelzung der Worte "he repeated", er wiederholte.

Geprägt wurde der Begriff von Nicole Gugliucci, einer Anwältin und Professorin, auf Twitter. Sie schrieb: "Meine FreundInnen haben ein Wort erfunden: hepeated. Wenn eine Frau eine Idee vorschlägt und sie ignoriert wird, dann ein Mann dieselbe Idee vorschlägt, woraufhin jeder sie liebt."

Auf Twitter bekam die Userin viel positive Rückmeldung auf ihre Wortschöpfung. Tatsächlich hatten die Userinnen das Gefühl, endlich eine zuvor namenlose, unangenehme Situation benennen zu können. Im gleichen Atemzug sollten die ähnlichen Begriffe "Mansplaining" (Wenn Männer Frauen die Welt erklären) und "Manspreading" (Wenn Männer breitbeinig im öffentlichen Raum zu viel Platz einnehmen) erwähnt werden.

Das besondere Problem mit "Hepeating" ist, dass man als Frau schon sehr selbstbewusst und mutig sein muss, um die aus dem Ruder gelaufene Situation wieder in die richtige Richtung zu lenken. Man will ja auch nicht neidisch, ärgerlich oder gar besserwisserisch daherkommen. Obwohl das natürlich nicht der Fall ist!

Wie kann man "Hepeating" verhindern?

Politikerinnen, die im Weißen Haus unter Präsident Obama gearbeitet hatten, erfanden eine Methode, mit der die "Ellbogen-Mentalität" fast gänzlich aus den Meetings verbannt werden konnte. Sie nannten es "Amplification", Verstärkung. Wenn eine Frau eine gute Idee in die Diskussion einbrachte, wiederholten die Kolleginnen die Idee und zeigten der Urheberin ihre Anerkennung. Dies zwang die Männer im Raum, den Beitrag anzuerkennen - und verweigerte ihnen die Möglichkeit, die Idee als ihre eigene zu beanspruchen.

Es habe eine Zeit gebraucht, aber irgendwann sei diese Art der Gesprächskultur zur Normalität der MitarbeiterInnen im Weißen Haus geworden. Wer eine schnellere Lösung für das Problem braucht, weil das nächste Meeting schon vor der Tür steht, kann es so machen: Sobald man die eigene Idee aus dem Mund des Kollegen gehört hat, übernimmt man wieder das Wort. Zum Beispiel so: "Es freut mich, dass dir meine Idee gefällt!" oder "Danke, dass du meine Idee weitergedacht hast." Das mag einem jetzt passiv-aggressiv vorkommen, aber der Ton macht die Musik! Wenn man solch eine Wortmeldung freundlich und neutral vorbringt, kann niemand etwas Negatives einwerfen.

Leider passt diese Herangehensweise aber nicht in jedes Meeting. Dann hilft nur eins: Den "Ideen-Ausborger" später privat darauf ansprechen. Es kann nämlich sein (und so ist es sicher in ganz vielen Fällen), dass der Kollege keine Ahnung hat, was er da tut. Mit Ich-Botschaften ist es gar nicht schwer, die Problematik verständlich zu vermitteln. Und im besten Fall, benimmt sich der Kollege im nächsten Meeting schon ganz anders.

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