Ressort
Du befindest dich hier:

Heute ist "Equal Pay Day"

Heute ist "Equal Pay Day" in Österreich. Also jener Tag im Jahr, ab dem Frauen - im Vergleich zu Männern - bis Jahresende "gratis" arbeiten. Männer haben das durchschnittliche Jahresgehalt einer Frau bereits an diesem Tag verdient.


Heute ist "Equal Pay Day"

In Österreich verdienen Frauen nach wie vor für die gleiche Arbeit durchschnittlich 23,7 Prozent weniger als Männer. Das bedeutet in Tagen gerechnet, dass Männer bereits am 6. Oktober ( "Equal Pay Day" ) jenes Einkommen erreicht haben, wofür Frauen noch bis 31. Dezember arbeiten müssen. Statistisch gesehen bleiben damit für Frauen 87 Tage "unbezahlt". Im vergangenen Jahr fand der Equal Pay Day zwei Tage früher statt.

Wir haben Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek kurz zum "Equal Pay Day" befragt.

WOMAN: Am 6. Oktober ist "Equal Pay Day" - also jener Tag, ab dem Frauen – im Vergleich zu Männern – bis Jahresende "gratis" arbeiten. Warum gibt es 2012 nach wie vor solche großen Verdienst-Unterschiede zwischen Frauen und Männer?

Heinisch-Hosek: Frauen arbeiten oft Teilzeit, machen weniger Überstunden als Männer und sind häufig in Branchen beschäftigt, in denen sie oft schlechter verdienen. Das ist der erklärbare Teil der Lohnunterschiede. Es bleiben aber 15 bis 18 Prozent übrig, das sind die Prozente der Lohnschere, die man nicht erklären kann – die reinen "Diskriminierungsprozente" also. Es gibt aber Fortschritte, immerhin ist der "Equal Pay Day" heuer erst am 6. Oktober – vor 5 Jahren war er noch am 27. September. Wien konnte sich im Vergleich zum Vorjahr um ganze fünf Tage verbessern. Das sind durchaus ermutigende Signale und zeigen mir, dass ich mit meinem Ansatz der Gehaltstransparenz auf dem richtigen Weg bin. Dass es mir dabei nicht schnell genug gehen kann, ist selbstverständlich, aber ich muss auch die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft zur Kenntnis nehmen, die in diesem Bereich etwas träge ist.

WOMAN: Wie sehen Sie die Entwicklungen in den nächsten Jahren für berufstätige Frauen?

Heinisch-Hosek: Viele Berufe, in denen überwiegend Frauen tätig sind, sind stark im Kommen: Pflege, Erziehung, Bildung. Da tun sich viele Chancen auf für die Frauen, die bereits in diesen Bereichen tätig oder ausgebildet sind. Generell glaube ich aber, dass wir eine bessere Durchmischung brauchen, denn derzeit ist der Arbeitsmarkt noch relativ stark in "Frauenberufe" und "Männerberufe" geteilt. Wir brauchen mehr Männer in den sozialen Berufen, und Frauen sollten noch viel stärker als bisher ihre Chance in den technischen und naturwissenschaftlichen Jobs ergreifen.

WOMAN: Wie sehen Ihre Forderungen aus, die Einkommensschere so schnell wie möglich zu schließen?

Heinisch-Hosek: Da setze ich vor allem auf die Gehaltstransparenz, denn erst wenn ich weiß, dass ich weniger verdiene, als mit zusteht, kann ich auch etwas dagegen unternehmen. Die innerbetrieblichen Einkommensberichte, die verpflichtende Gehaltsangaben in Stelleninseraten und auch der Lohn- und Gehaltsrechner im Internet sind ein wichtiger Beitrag, um die Gehaltsschere weiter zu schließen. Diese Maßnahmen gibt es bereits, und wir haben seit über 30 Jahren ein Gleichbehandlungsgesetz, das Lohndiskriminierung verbietet. Ich sehe daher in erster Linie die Wirtschaft am Zug, hier die ungleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit ein für alle Mal abzustellen. Die Politik hat ihre Hausaufgaben schon gemacht.

WOMAN: Im Bundesländervergleich hat Wien mit 20 Prozent den geringsten Einkommensunterschied aufzuweisen und begeht den "Equal Pay Day" daher erst am 19. Oktober. Was unterscheidet Wien von den anderen Bundesländern?

Heinisch-Hosek: In Wien sind viele große, internationale Konzerne angesiedelt, die es sich schon lange nicht mehr leisten, ungerecht zu bezahlen. Generell gibt es oft in größeren Städten weniger Lohngefälle. Das ist also weniger eine Frage des Bundeslands, sondern hat mit einem Stadt-Land-Gefälle zu tun. Und es hat sicher auch mit einer sehr erfolgreichen Frauenpolitik in der Stadt Wien zu tun.

Weiterführende Links.

www.oegb.at
www.equalpayday.at
www.bpw.at