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Heute: Weltaidstag

Elisabeth Müllner leitet seit 12 Jahren die Aidshilfe Oberösterreich. Anlässlich des Weltaidstages am 1. Dezember sprachen wir mit ihr über HIV, Neuansteckungen und Test-Möglichkeiten.


Heute: Weltaidstag
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Durch einen schmalen Gang erreicht man die Aidshilfe Oberösterreich. Im zweiten Stock des Lentia-Komplexes im Linzer Stadtteil Urfahr sitzen in einem hellen, modernen Warteraum ein paar Menschen. In diesen Räumlichkeiten sind sie Nummern. Weder Name noch Religion, Alter oder Herkunft spielen eine Rolle. Frauen und Männer, Singles und Pärchen warten, um sich einem kostenlosen, anonymen Aidstest zu unterziehen.

Weltaidstag am 1. Dezember

Nicht nur anlässlich des Weltaidstages, der am 1. Dezember begangen wird, werden diese durchgeführt. Jeder, der sich dem Risiko ausgesetzt hat, sich mit HIV zu infizieren, kann mittels Test sichergehen. In der Aidshilfe Oberösterreich sind das jährlich etwa 1.500 Personen. Elisabeth Müllner ist jene Frau, die seit zwölf Jahren die Leitung des Vereins überhat. Mit WOMAN sprach sie über den "Verlobungstest“, was HIV-positive Frauen tun können, wenn sie einen Kinderwunsch haben, und wieso HIV heute kein Todesurteil mehr ist.

WOMAN: Aids war früher als Krankheit der Homosexuellen definiert. Das hat sich längst geändert.

Müllner: Es gibt immer noch Bevölkerungskreise, wo nach wie vor die Meinung herrscht, dass HIV nur schwule Männer und Drogensüchtige betrifft. Das stimmt freilich nicht. Es stimmt aber, dass die häufigste Ansteckung 2011, nämlich 47,1 Prozent, beim ungeschützten Sex zwischen homosexuellen Männern geschah. Gefolgt von heterosexueller Ansteckung, die bei 33,7 Prozent lag.

WOMAN: Sinkt die Zahl neuer Infektionen?

Müllner: Das ist ganz schwer zu sagen und jedes Jahr unterschiedlich. Laut Information des virologischen Instituts in Wien hatten wir 2002 in Oberösterreich 22 Neuinfizierungen, im Jahr 2007 waren es hingegen 69, und vergangenes Jahr waren es 33 Neuansteckungen. Die einzige Möglichkeit, sich beim Sex vor HIV zu schützen, ist und bleibt das Kondom.

WOMAN: Sie sprechen stets von HIV, nicht von Aids.

Müllner: Nur weil bei jemandem die Diagnose HIV-positiv gestellt wurde, bedeutet das mittlerweile nicht mehr, dass die Krankheit Aids ausbrechen muss. Ein Ausbruch der Krankheit geht mit massiven Begleiterscheinungen einher. Bei Frauen kann das Gebärmutterhalskrebs sein, aber auch Gürtelrose sowie nicht ausheilende Lungenentzündung. Das Immunsystem ist durch die Viren dann stark geschwächt. Wer HIV hat, ist aber, wie gesagt, nicht automatisch krank. Viele leben damit über Jahre, ohne dass Aids ausbricht.

WOMAN: Wie war die Situation vor 20 Jahren?

Müllner: Wer in den 80er-Jahren mit der Diagnose HIV-positiv konfrontiert wurde, der wusste, dass seine Lebenserwartung noch etwa zehn Jahre beträgt. Damals gab es auch nur wenige Medikamente. Heutzutage sind bestimmte Medikamentenkombinationen, die die Vermehrung der Viren im Blut hemmen, auf dem Markt.

WOMAN: Was raten Sie Personen, denen eine positive Diagnose gestellt wird?

Müllner: In der Aidshilfe OÖ mussten wir heuer bislang sechs Personen diese Nachricht überbringen. Abgesehen davon, dass man bestimmte Blutuntersuchungen durchführen wird, legt man den Betroffenen nahe, sich genau zu überlegen, mit wem sie darüber sprechen.

WOMAN: Weil es nach wie vor zu Ausgrenzung kommt …

Müllner: Ist die Information erst einmal heraußen, hat die betroffene Person keinen Einfluss mehr darauf welche Kreise das zieht. Man kann nie wissen, wie andere Menschen reagieren. HIV ist zwar kein Kündigungsgrund und muss dem Chef nicht mitgeteilt werden, aber es kann immer wieder vorkommen, dass nach Bekanntwerden der Diagnose andere Kündigungsgründe gesucht werden.

WOMAN: Wer eine Beziehung führt, muss seinen Lebensgefährten aber schon informieren?

Müllner: Gesetzlich vorgeschrieben ist es nicht, dass ich meinen Partner informieren muss. Was allerdings klar geregelt ist: dass ich ihn schützen muss. Tue ich das nicht, kann das strafrechtlich relevant werden. Auch Ärzte dürfen den Partner nicht automatisch informieren. Nur dann, wenn sie den Eindruck gewinnen, dass der Betroffene seinem ständigen Sexualpartner gegenüber verantwortungslos handelt.

WOMAN: Wie alt sind die Personen, die sich in der Aidshilfe testen lassen?

Müllner: Es gibt keine Altersbeschränkung. Wir haben auch 80-Jährige. ( Lächelt. ) Jeder, der ohne Kondom sexuell aktiv ist, kann und sollte sich testen lassen. Viele frisch verliebte Pärchen kommen gemeinsam und machen den sogenannten "Verlobungstest“.

WOMAN: Noch ein heikles Thema zum Abschluss: Was, wenn Personen mit HIV einen Kinderwunsch hegen?

Müllner: In den 80er-Jahren lag die Wahrscheinlichkeit, dass eine HIV-positive Frau ein infiziertes Kind zur Welt bringt, bei 30 Prozent. Heutzutage wird in bestimmten Phasen der Schwangerschaft medikamentös behandelt. Schlägt dies an, liegt die Chance für eine HIV-positive Frau, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, bei 99 Prozent.

Der Aidstest: Kostenlos & anonym

Wer? Jeder kann sich kostenlos und anonym testen lassen. Ein Schnelltest, bei dem das Ergebnis sofort feststeht, kostet 25 Euro.

Wie? Bei der Anmeldung erhält man eine Nummer und muss sich ein Passwort überlegen. Drei bis vier Tage nach Blutabnahme kann das Ergebnis mit Nummer & Passwort nur PERSÖNLICH abgeholt werden.

Wo? Infos zu allen Aidshilfestellen in Österreich gibt es unter www.aidshilfe.at .

Redaktion: Sandrine Wauthy