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Hilf mir, Schwester: Hanife Ada ist Anlaufstelle für misshandelte Frauen

Hanife Ada ist seit sieben Jahren mit ihrem Verein Yetis Bacim (Hilf mir, Schwester) eine Anlaufstelle für misshandelte Frauen. Wie Afet D., 40, die sich nach 20 Jahren aus ihrer Gewaltbeziehung befreien konnte und heute im Verein mitarbeitet, um Leidensgenossinen zu helfen.

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Hilf mir, Schwester: Hanife Ada ist Anlaufstelle für misshandelte Frauen
© PeopleImages/ iStockphoto.com

Afet wanderte als Kind aus der Türkei ein. Sie ist österreichische Staatsbürgerin, wuchs aber, wie viele Mädchen, nach den Traditionen des Ursprungslands auf: Mit 14 wurde sie verheiratet - trotz ihres jugendlichen Alters. Eine rituelle Feier ersetzt das Standesamt, mehr brauchen die Familien nicht, erklärt sie. Der Alptraum begann gleich nach der Feier: Der frisch Angetraute schlug sie wegen einer Kleinigkeit, irgendeiner Bemerkung, die ihm nicht gefallen hatte.

Die Hochzeitsnacht empfand das Mädchen als "dreitägige Vergewaltigung"

Die Hochzeitsnacht empfand das Mädchen als „dreitägige Vergewaltigung“. Der Mann, der davor auf sie nett wirkte, hätte anscheinend nur gewartet, bis sie „ihm gehörte“, um Macht über sie zu bekommen, sagt sie. Und Schläge gehörten zur Machtausübung dazu. „Man hat auch Angst, dass man ausgelacht wird“, erklärt Afet, warum sie 20 Jahre an der Seite ihres Mannes blieb. Trotz physischer und psychischer Gewalt. Mit 15 bekam Afet ihre erste Tochter, mit 16 die zweite, „weil man mir gesagt hatte, wenn ich stille, werde ich nicht schwanger.“

Ein Beispiel für die Gewaltausbrüche ihres Mannes spielte in dieser Zeit: „Ich durfte abends nicht auf die Straße gehen. Eines Tages, ich war gerade hochschwanger, stritten Nachbarn so laut und aggressiv, dass ich mich zu fürchten begann. Zitternd lief ich zur nächsten Telefonzelle und rief meinen Mann an, damit er mir hilft. Seine erste Reaktion war eine Drohung: ,Was machst du um die Zeit auf der Straße? Warte nur, bis ich heimkomme!‘ Als er bei der Tür herein kam, zog er seinen Schuh aus und schlug mir damit mit aller Wucht in den Bauch. Ich hätte beinahe mein Kind verloren.“ Die Ärzte und ihre Mutter musste Afet auf Anweisung ihres Manns belügen: Sie wäre beim Putzen gestürzt. Drei Kinder bekam Afet von dem Mann, der in dieser Zeit die gemeinsame Firma verspielte.

"Ich wäre von meinem Mann fast ermordet worden."

Der Höhepunkt in ihrem Leidensweg kam vor acht Jahren: „Ich wäre von meinem Mann fast ermordet worden. Er arrangierte einen fingierten Überfall auf mich und ließ mich mit zerschlagenem Gesicht liegen, weil er dachte, ich sei tot“, erzählt Afet, die aber noch halb bewusstlos die Nummer ihrer Tochter wählen konnte und so gerettet wurde. Der Richter musste den Ehemann, der erzählte, sie sei die Treppe hinab gestürzt, aus Mangel an Beweisen freilassen.

Aus Mangel an Beweisen: Er wurde freigesprochen

Unterstützung und Hilfe in der ersten schweren Zeit der Trennung fand sie schließlich beim Verein Yetis Bacim, in dem sie heute mitarbeitet. Obfrau Hanife Ada, die in den letzten Jahren schon hunderten Frauen helfen konnte, erklärt: „Ich bettle bei Behörden, sammle Kleidung, Wäsche und andere dringend notwendige Dinge, arrangiere Flohmärkte. Die misshandelten Frauen flüchten oft nur mit dem, was sie am Leib tragen. Und manchmal wende ich auch Tricks an, damit ich sie in den Flieger in die Türkei setzen kann, zurück zu ihren Eltern. Denn oft gibt es Peiniger, vor denen die Frauen anders nie sicher sind.“

Hanife half bereits hunderten Frauen - auch mit Tricks

Besonders tragisch empfindet sie Fälle von blutjungen Mädchen, die zur Verheiratung extra nach Österreich geschickt werden. Und dann vom zum Pascha erzogenen Ehemann – und dessen Familie – misshandelt werden, weil sie nicht schwanger werden. „Und das hat nichts mit dem Islam zu tun, das betrifft Mädchen aus Rumänien und Bulgarien genauso“, so die Obfrau von Yetis Bacim. „Und ich betreue auch viele Österreicherinnen.“

"Und das hat nichts mit dem Islam zu tun. Ich betreue auch viele Österreicherinnen."

Hanife Ada hilft nicht nur – ihr Verein steht unter der Telefonnummer 0699/ 1778 1768 immer zur Verfügung – sie kämpft auch dafür, dass misshandelte Frauen sich öffnen und reden: „Ich bitte immer wieder, dass sie auf meiner Facebook-Seite mit verdecktem Gesicht ihre Lage schildern, aber die Angst, dass man ihre Stimme erkennt, ist einfach zu groß.“

Hanifes innigster Wunsch: „Dass Mütter ihre Söhne nicht mehr zu Paschas erziehen.“

Verein Yetis Bacim (Hilf mir, Schwester)

Der Verein ist oft die letzte Rettung - vor allem für jene, die wegen Sprach- und anderer Barrieren nicht wagen, sich jemand anderem anzuvertrauen. Mehr dazu erfährst du hier:

Website: yetisbacim.com
Facebook: facebook.com/yetisbacimverein
Instagram: instagram.com/yetis_bacim_dernegi
Telefon: 0699 17781768
Spendenkonto: Yetis Bacim Verein / IBAN: AT81 1200 0100 2322 5898 / BIC: BKAUATWW

Hanife, gemeinsam mit ihrer Tochter
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