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HIV-Tests bei Gesundenuntersuchung? Aids Hilfe fordert Gesamtstrategie

Voraussichtlich ab Mitte Juli sollen HIV-Selbsttests in der Apotheke erhältlich sein. Wolfgang Wilhelm, Obmann der Wiener Aids Hilfe, hat WOMAN.at erklärt, warum das in eine ganze "Test-Strategie" eingebettet werden soll.

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HIV-Tests bei Gesundenuntersuchung? Aids Hilfe fordert Gesamtstrategie
© iStock/malerapaso

"Kennen Sie ihren Status, Frau Gesundheitsministerin?" Diese - nicht ganz unerwartbare - Frage wurde kürzlich am Life Ball zum Fettnäpfchen für Ministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ). Denn ihre Antwort lautete: „Ja, das ist ja bei der Gesundenuntersuchung dabei und daher weiß ich das.“ Blöd nur, dass ein HIV-Test keineswegs standardmäßig bei der Gesundenuntersuchung durch den Hausarzt bzw. die Hausärztin dabei ist, sondern dort nur gemacht wird, wenn ein anderer Indikator es nahe legt.


Der Idee, den HIV-Test in die Gesundenuntersuchung aufzunehmen, steht der Obmann der Aids Hilfe Wien, Wolfgang Wilhelm, zwar grundsätzlich positiv gegenüber, vor allem, weil es ein echtes Bekenntnis zur Wichtigkeit des Tests sei. Seiner Meinung nach sollte das aber nur ein möglicher Teil einer ganzen „Teststrategie“ sein. Denn vor allem sollte es darum gehen, sogenannte Risikogruppen zu erreichen. Und dafür sei die Gesundenuntersuchung möglicherweise nicht das richtige Instrument, so Wilhelm. Denn seine These ist: Jene die ohnehin ein höheres Gesundheitsbewusstsein haben und freiwillig zur Gesundenuntersuchung gehen, würden sich auch eher vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen bzw. auf Eigeninitiative einen HIV-Test machen.

Priorität: Risikogruppen erreichen

Dabei wäre es von besonderem Interesse die Risikogruppen zu erreichen um eine Infektion mit dem HI-Virus so schnell wie möglich zu diagnostizieren. Denn aktuell vergehen im Durchschnitt ab der Infektion zwei bis drei Jahre, bis der/die Betroffene die Diagnose erhält. Und das ist aus mehrerlei Gründen schlecht: Einerseits sind insbesondere Menschen, die sich gerade infiziert haben, hoch ansteckend. Anderseits: Je früher die Therapie beginnt, umso besser. Denn nicht umsonst existiert das sogernannte „90-90-90-Ziel“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Demnach sollten 90 Prozent der HIV-Positiven diagnostiziert sein, von den Diagnostizierten sollten 90 Prozent in Therapie sein und davon wiederum 90 Prozent unter der Wahrnehmungsgrenze.

Bis dieses Ziel erreicht ist, wird es aber leider noch dauern - daher macht es absolut Sinn, sich den Bereich des Tests und der Diagnose näher anzuschauen. Geht es nach Wolfgang Wilhelm, wäre die ideale Teststrategie quasi ein „Mix“ aus allen vorhandenen Angeboten. „Die Aids Hilfen sind eine österreichische Besonderheit“ - dieses spezielle und vor allem professionelle Angebot gelte es zu fördern und zu nutzen. Die zweite Schiene bzw. ein ergänzendes Angebot stellen sogenannte „Selbsttests“ dar, die voraussichtlich ab Mitte Juli in Österreichischen Apotheken erhältlich sein werden. Hinweis am Rande: Mit dem Test wird niemand allein gelassen, im Beipackzettel steht die Nummer der Beratungshotline. Und eben als dritte Schiene kann sich Wilhelm auch gut die Integration in die Gesundenuntersuchung vorstellen. „Wichtig ist, dass die Angebote effizient gebündelt werden und hier keine Doppelgleisigkeiten entstehen“, so Wilhelm. Und: Ein HIV-Test müsse stets freiwillig passieren - auch im Rahmen einer Gesundenuntersuchung. Um so eine Teststrategie für Österreich zu entwerfen, stehe die Aids Hilfe dem Gesundheitsministerium mit all ihrer Expertise gerne zur Verfügung, so das Angebot von Wolfgang Wilhelm.

HIV-Test beim Gynäkologen?

Ob es etwa auch Sinn machen würde, wenn Gynäkologen HIV-Tests für ihre Patientinnen anbieten würden? Was laut Wilhelm dafür spricht ist, dass Frauen es gewohnt sind regelmäßig zum Frauenarzt zu gehen - nicht so wie Männer, für die ein Besuch beim Urologen erst im höheren Alter und höchstwahrscheinlich erst aufgrund von auftretenden Problemen notwendig wird. Und: Viele Frauen würden sich selbst gar nicht zur Risikogruppe zählen, weil sie in monogamen Partnerschaften leben. Nur: Vor dem Fremdgehen des Partners ist niemand 100-prozentig sicher - und ein Seitensprung des Mannes, erhöht auch für vermeintlich ungefährdete Frauen das Risiko enorm. „Da kommt uns diese Tabuisierung von Sex im Allgemeinen nicht entgegen“, sagt Wilhelm und plädiert im Sinne der Gesundheit für mehr Ehrlichkeit in Beziehungen.

Hier findest du den Kontakt zur Aids Hilfe Österreich bzw. den einzelnen Landesorganisationen