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H&M in der Krise: Zu große Rabatte, zu wenig Änderungen

Die Modekette H&M kämpft seit Jahren mit der Krise. Nun ist sie auch an den Zahlen ersichtlich: Gewinneinbrüche treffen auf massenhaft unverkaufte Ware.

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Woman day
© 2016 Getty Images

Wahnsinnig viel Gutes hat man in der letzten Zeit nicht von H&M gehört. Da war zuletzt der Skandal mit dem "coolste Affe im Dschungel"-Pulli. H&M wurde Rassismus vorgeworfen, da der Kinderpulli im Katalog von einem dunkelhäutigen Jungen getragen wurde. Dieser Skandal erschütterte den Konzern dermaßen, dass die Aktie sogar auf den tiefsten Stand seit 2009 rutschte.

Der Gag daran ist, dass das langsame Übel wahrscheinlich auch 2009 angefangen hat, als Karl-Johan Persson die Führung übernahm. Damals war er nur 33 Jahre alt und man hätte glauben mögen, dass ein so junger Mann frischen Wind in das Unternehmen bringt. Doch er versprach, beim altbewährten Geschäftsmodell zu bleiben. Und das war einfach zu wenig.

Alles wie immer ist leider zu wenig!

Nun hat sich das auch an den Zahlen gezeigt: der Gewinn sackte gemessen am Vorjahreszeitraum um fast die Hälfte ab. Dies teilte der Konzern in Stockholm mit. Weil sich die Sachen nicht so gut verkauften, musste die Kette mit starken Rabatten die Kunden locken, was wiederum den Umsatz störte. Mit dem Geschäftsjahr 2017 sei er gar nicht zufrieden, sagte H&M-Chef Persson.

Doch bis jetzt hat er nicht wirklich viel getan, um den Abwärtstrend aufzuhalten. Man erkennt schon als Laie, dass Konkurrenten wie etwa Zara viel schneller darin sind, neue Trends in die Kollektionen einfließen zu lassen. Und dann gibt es ja noch den Billiganbieter-Primark, der Kunden auch im Bereich Basics stark weglockt.

Nicht einmal der Sale hilft dem Umsatz auf die Sprünge.

Wer bleibt dann noch für H&M? Wenn man mit Freunden und shoppingbegeisterten Bekannten spricht, findet man schnell heraus, dass H&M ein bisschen zu einem Notnagel mutiert ist. "Ah, ich brauch noch schnell kurze Socken!", denkt man sich beispielsweise und wenn das schwedische Modehaus in der Nähe ist, dann kauft man die halt dort. Es ist ein Safe-Place, da hat Persson mit seiner Strategie schon Recht behalten, denn man weiß immer, was einen erwartet. H&M versucht nun, seinen Onlinehandel noch mehr anzukurbeln. Doch das ist auch nicht so leicht, schließlich gibt es auch hier schon sehr starke Konkurrenten wie Zalando oder Asos.

Experten raten dem Unternehmen, den Chef auszuwechseln. Da aber Persson der Enkel des H&M-Gründers ist und sein Vater Stefan Persson im Aufsichtsrat sitzt, wird es aus der Führungsebene wohl nicht so schnell Änderungen geben. Vor allem, wenn Stefan Persson so zur Sache steht: "Ich weiß, als Papa von Karl-Johan klinge ich nicht sonderlich objektiv, aber als Hauptaktionär bei H&M kann ich mir keinen besseren Chef vorstellen. Auch im Hinblick auf unsere Pläne für die Zukunft" , sagte er in einem Interview.

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