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Verhüten mit Metall

Am kupfernen Faden: Spirale, Kette und Bällchen machen sich die verhütende Wirkung des Metalls zunutze. Die hormonfreie Methode boomt. Eine Expertin erklärt, was man dabei beachten muss.

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Verhüten mit Metall
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Wie verhüten Frauen in Österreich? Die Pille ist nach wie vor das am häufigsten verwendete Mittel, um nicht schwanger zu werden. Allerdings geht die Zahl zurück: Waren es im Jahr 2012 noch 45 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter, sind es seit letztem Jahr nur noch 38 Prozent. Denn immer mehr greifen auch zu anderen Produkten – zum Beispiel zu solchen aus Kupfer. Die Kupferspirale ist dabei schon lange auf dem Markt etabliert, die Kette wird in Österreich erst seit 2010 vertrieben, das Bällchen wurde 2014 zugelassen. Hierzulande vertrauen aktuell zwei Prozent aller verhütenden Frauen einer der Kupfervarianten, der Rest setzt auf hormonelle Produkte, das Kondom oder auf die Wärme-Methode. Belgien zum Beispiel tickt da ganz anders – dort wurde die Kupferkette vor 25 Jahren auch entwickelt. Und der Großteil der Belgierinnen verhütet damit. Auch in den Niederlanden und Großbritannien ist die Methode bereits weiter verbreitet. Sie ist genauso sicher wie die Pille. Wie aber funktioniert Verhüten mit Kupfer, und was sind die Vor- und Nachteile?

Kupfer vs. Hormone

Bye Bye, Pille? So verlässlich die Pille und ähnliche Produkte wie Nuva-Ring, Stäbchen, Spritzen oder Pflaster auch sind – immer mehr Frauen entscheiden sich dagegen. Denn diese Mittel greifen sehr stark in den natürlichen hormonellen Haushalt ein. Der Vorteil: Oft wird die Haut dadurch reiner. Fast immer ist die monatliche Blutung durch die Einnahme sehr regelmäßig, relativ schwach, kurz und weniger schmerzhaft als sonst. "Die Pille hemmt aber auch den Eisprung und verhindert den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Manche Frauen empfinden das als körperliche und emotionale Ruhigstellung", erklärt Gynäkologin Eva Lehner-Rothe. Zudem ist die Verträglichkeit von hormonellen Verhütungsmitteln sehr unterschiedlich. Nicht jede Frau kommt mit der zusätzlichen Dosis an künstlichem Östrogen gut zurecht. Während die eine mit der Pille super happy ist, hat die andere mit Beschwerden zu kämpfen. Häufige Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Thrombosen, unreine Haut sowie Lustlosigkeit.

Wo ist der Haken? Wer mit Kupfer verhütet, kann diese Beschwerden von vornherein ausschließen, denn Metall hat keinen Einfluss auf den hormonellen Haushalt. "Viele Frauen kommen in meine Praxis und fragen nach einer Alternative zur Pille, weil sie sich wieder mehr spüren wollen," erzählt die Gynäkologin. "´Denn die Pille kann auch ein Gefühlsdämpfer sein." Ein rein praktischer, aber nicht unwesentlicher Nachteil ist zusätzlich, dass man täglich (bzw. wöchentlich beim Pflaster und monatlich beim Ring) an die Einnahme denken muss. Auch das fällt bei Kupfer weg. Ganz ohne Nachteile gibt es Empfängnisverhütung aber nicht. Auch nicht bei den Kupfer-Varianten. Schließlich muss das Metallteil im Unterleib eingesetzt werden, viele empfinden die Prozedur als schmerzhaft. Der Menstruationszyklus wird nicht beeinflusst, auch nicht in positiver Weise wie bei der Pille. Die Blutungen selber können jedoch stärker werden. "Kupfer ist für fast alle Frauen geeignet", fasst es die Expertin zusammen, "nur für jene, die extrem starke, schmerzhafte Regelblutungen haben, eher nicht. Denn bei dieser Verhütungsmethode kann es, wie gesagt, sein, dass die Menstruation intensiver wird."

Form & Wirkung

Wie Kupfer funktioniert. Egal für welche Version man sich entscheidet, die Wirkung ist immer die gleiche: "Der Kupferdraht sondert laufend kleine Mengen an Kupferionen ab, die die Beweglichkeit der Spermien einschränken. Sie werden auf ihrem Weg in die Eileiter gestoppt, wodurch es nicht zu einer Befruchtung kommen kann. Sollte doch eine Eizelle befruchtet werden, verhindern die Ionen auch die Einnistung", erklärt die Ärztin. Was die Form betrifft, sind die Teile sehr unterschiedlich. Am längsten gibt es die Kupferspirale. Im Grunde ist sie ein ca. drei Zentimeter langes, mit Draht umwickeltes T aus Kunststoff. Dr. Lehner-Rothe arbeitet mit der Goldspirale. Das ist eine besondere Variante, denn sie enthält einen Kern aus Gold – der macht die Spirale noch besser verträglich und macht sie länger haltbar. Die Kette besteht aus kleinen Kupferblättchen, die an einer zwei bis drei Zentimeter langen Nylonschnur aufgefädelt sind. Beim Bällchen handelt es sich um Kupferperlen an einem Faden, der zu einer Kugel geformt ist mit ungefähr 15 mm Durchmesser.

Bitte zum Einsatz!

Spirale, Kette oder Ball? Für welche Form man sich entscheidet, ist Geschmackssache. Nur in seltenen Fällen, wenn die Gebärmutter etwa besonders klein oder gekrümmt ist, gibt es eine Variante, die den anderen vorzuziehen ist. Welche, das wird durch eine Ultraschalluntersuchung festgestellt.

Ablauf. Alle drei Verhütungsmittel mit Kupfer muss der Gynäkologe einsetzen. Das geschieht immer während oder kurz nach der Regelblutung, weil der Muttermund in dieser Phase weicher ist als sonst. Der Eingriff ist dann weniger schmerzhaft. Zusätzlich nimmt man drei Stunden vorher Tabletten, die den Effekt unterstützen. Die Spirale wird mit einem Applikator behutsam in die Gebärmutterhöhle geschoben. Die T-Form sorgt für verlässlichen Halt. Der Kupferball wird in die Gebärmutterhöhle gelegt und findet dort immer wieder seine optimale Lage. Bei der Kupferkette ist die Prozedur etwas anders: Sie wird an der Gebärmutterwand befestigt, das Knötchen am Ende des Fadens wird direkt im Muskel verankert. Der Eingriff an sich ist nicht angenehm, aber schnell vorbei: "Es dauert nicht länger als fünf Minuten und tut bei allen Methoden gleich viel oder wenig weh, da gibt es keinen Unterschied. Am besten vergleichbar ist das Empfinden mit einem starken Regelkrampf, der dann aber sehr rasch wieder nachlässt", erklärt Lehner-Rothe. Damit nichts verrutscht, sollte man direkt nach dem Einsetzen keine Tampons verwenden, auch Sex ist für drei bis fünf Tage tabu. "Man kann gleich danach heimgehen. Nach zwei Monatsblutungen kontrolliere ich im Zuge einer Ultraschalluntersuchung, ob auch alles gut sitzt", erklärt die Fachärztin.

Was man wissen muss

Haltbarkeit & Kosten. Sobald Spirale, Kette oder Bällchen eingesetzt wurden, hat man länger Ruhe. Denn die Wirkung von Kupfer hält vier bis fünf Jahre an. Danach ist ein Frauenarztbesuch nötig, um das Kupferteilchen auszuwechseln. Bei Kinderwunsch können alle Produkte jederzeit entfernt werden. Sie werden an einem Rückholfaden herausgezogen. Je nach Modell variiert der Preis zwischen 300 und 500 Euro. Verglichen mit der Pille ist das sehr günstig.

Verhütung: Kennst du schon den Kupferball?