Ressort
Du befindest dich hier:

Hotelière mit Idealen: Brigitte Klenner-Kaindl verwandelte altes Gästehaus in Heilzentrum

Nach Jahren auf dem Gesellschaftsparkett verwirklichte die engagierte Kaindl-Tochter Brigitte Klenner-Kaindl ihren größten Wunsch: eine eigene soziale Einrichtung!


Hotelière mit Idealen: Brigitte Klenner-Kaindl verwandelte altes Gästehaus in Heilzentrum
© Rudi Froese

Brigitte Klenner-Kaindl ist eine Spätberufene. Ihr über zwei Jahrzehnte dauerndes Philosophiestudium hat sie im Alter von 51 abgeschlossen, zwei Jahre später promoviert. Mit 55 ergriff sie das erste Mal in ihrem Leben einen richtigen Job - und eröffnete in Reichenau Österreichs erstes Therapiehotel , den Knappenhof: ein Psychotherapiezentrum in Hotelambiente. Denn "wer gesund werden will, muss sich doch wohl fühlen", so Klenner-Kaindl, die das Hotel leitet und als "gute Seele des Hauses" ihre sprühende Energie in die altehrwürdigen Mauern einbringt. Und auch sie selbst, die früher mehr auf dem Societyparkett anzutreffen war, hat hier ihren Platz gefunden...

Aus reichem Haus.
Brigitte Klenner-Kaindl musste sich in den ersten Jahrzehnten ihres Lebens finanziell um nichts kümmern. Als Kaindl-Tochter ( das traditionsreiche Hartwaren-Unternehmen ging 1999 in Konkurs; Anm. d. Red. ) führte sie ein "Prinzessinnendasein", wie sie selbst sagt. Geld war kein Thema. Eine soziale Ader hatte sie allerdings immer schon. Jahrzehntelang war die Wienerin ehrenamtlich für den Österreichischen Kinderschutzbund und den Suchthilfe-Verein Grüner Kreis tätig. Und hegte insgeheim den Wunsch, selbst einmal eine soziale Organisation aufzuziehen. Durch den Konkurs der väterlichen Firma wurde der Wunsch rasch Realität.

Zielstrebig.
Ein Besuch der Festspiele in Reichenau führte die lebhafte Lady auch zum Knappenhof, einem alten, renovierungsbedürftigen Alpenhotel. Spontan gebar sie die Idee, hier, in der zauberhaften Bergwelt, ein erstklassiges Therapiezentrum zu errichten. "Ohne großes Kapital und wirklichen Businessplan etwas wahnwitzig", wie Klenner-Kaindl lächelnd zugibt, "aber Steinböcke wie ich sind nun mal nicht aufzuhalten." Sie begab sich auf Sponsorensuche und fand im Raiffeisenkonzern und im Land Niederösterreich begeisterte und finanzkräftige Unterstützer.

Ein engagiertes Team.
Der Knappenhof wurde gekauft, restauriert und ist nun neben herkömmlichem Hotel- und Restaurantbetrieb ein Heilungszentrum für Suchtkranke, Depressive, Burn-out-Patienten oder nach Vergewaltigungen traumatisierte Frauen. "Wir haben rund um die Uhr geöffnet, 365 Tage lang", erklärt Klenner-Kaindl das Unternehmen, das im vergangenen Jahr vom Industriellen Hans Peter Haselsteiner als Privatinvestor übernommen wurde.
Das ganzheitlich orientierte Therapieangebot reicht von Gestaltungs- über Lichttherapie bis hin zu Shiatsu, Sport und Yoga. Ein erstklassiges Ärzte- und Therapeutenteam wird vom Mediziner Thomas Legl geleitet, die Gründerin selbst kümmert sich rührig um alle Gäste. Jeden Samstag veranstaltet die Philosophin ihre Teerunde, wo sie im Kreis ihrer Schützlinge den Hintergrund diverser Erkrankungen bespricht.

Für alle da.
Die Therapie im Knappenhof muss privat bezahlt werden. Damit nicht nur wohlhabende Patienten hier Erholung und Heilung finden, hat Klenner-Kaindl mit prominenten Unterstützern den Verein "Berg-auf" ins Leben gerufen, der für weniger zahlungskräftige Klienten sammelt. Denn, so Klenner-Kaindl, "unser Therapiehotel soll für jeden eine offene Tür haben."

Redaktion: Petra Mühr