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Hotline für Frauen: Heimwegtelefon

Nachts alleine auf dem Heimweg? Ein ziemlich mulmiges Gefühl. Zwei Berlinerinnen bieten Frauen mit der "Heimwegtelefon"-Hotline mehr Sicherheit.

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Hotline für Frauen: Heimwegtelefon

Das "Heimwegtelefon" vermittelt Frauen Sicherheit

© Thinkstock

Du verlässt den Club, machst dich auf den Weg nach Hause. Die Gassen sind leer und dunkel, du musst an einem verlassenen Park vorbei. Waren das Schritte hinter dir? Hat dich der Typ in der U-Bahn nicht so sonderbar angesehen...?

Jede Frau kennt das mulmige Gefühl, wenn sie nächstens alleine auf dem Heimweg ist. Man läuft schneller, klemmt den Schlüsselbund als Ersatz-Waffe für den Ernstfall zwischen die Finger, singt vielleicht sogar lautstark, um Selbstbewusstsein zu suggerieren und mögliche Angreifer abzuhalten... Angst, fast schon Panik. BIs die Wohnungstür hinter uns ins Schloss fällt.

Die beiden Berlinerinnen Frances Berger (31) und Anabell Schuchhardt (29) wollen mit dem Projekt "Heimwegtelefon" mehr Sicherheit geben. Verängstigte auf dem Heimweg können abends oder in der Nacht bei einer kostenlosen Hotline anrufen. Sie geben in regelmäßigen Abständen ihren Standort an – und das Plaudern soll Angreifer abschrecken.

Fake-Telefonate sollen Angreifer abschrecken

Die Idee zum Nachttelefon für Frauen kam Frances und Anabell, während sie in den Niederlanden arbeiteten. Als sie sich mit einer Freundin unterhielten – und diese aus Versehen mit einer Taste auf ihrem Handy einen Anruf auslöste. Mithilfe dieser Notfalls-Taste kann der Handybesitzer einen "gefälschten" Anruf selbst auslösen. Das Handy klingelt dann und es kann ein Telefonat vorgetäuscht werden – so soll Querulanten signalisiert werden, dass ein Dritter schnell Hilfe holen könnte. Auch in Schweden gibt es bereits ein ähnliches Projekt – dort wird es sogar von der Polizei betrieben.

Frances und Anabell haben in Berlin eine Nacht-Hotline für Frauen gestartet

Zwar haben die beiden Frauen selbst noch keinen Angriff erlebt, eine Bekannte entging jedoch nur knapp einer Vergewaltigung auf dem Heimweg. "Das war nur ein kurzer Rückweg. Sie konnte sich glücklicherweise der Situation entziehen, aber es war knapp", sagt Berger. "Das hat den Anstoß gegeben, das Projekt selbst aufzusetzen. "Man kann ja in der Nacht keine Freundin aufwecken, nur damit sie während des Heimwegs mit einem plaudert." Beim "Heimwegtelefon" sollen über die Organisation "Freizeithelden" Freiwillige gefunden werden, die an der Hotline Anrufe entgegennehmen – und im Notfall die Polizei verständigen.

Wir haben mit Frances über ihr Projekt gesprochen.

»Telefoniert man auf dem Heimweg, fühlt man sich wohler – und strahlt auch keine Ängstlichkeit mehr aus«

WOMAN: Gibt es eigentlich Kennzahlen, dass ein Service wie das "Heimwegtelefon" einen Angriff tatsächlich verhindern kann?
Frances Berger: Nein, Zahlen oder Studien zu dem Thema haben wir keine gefunden. Wir wollen, dass die Mädels und Jungs, die Männer und Frauen, die uns anrufen, sich sicherer und wohler fühlen. Man hat automatisch eine andere Ausstrahlung, wirkt nicht wie ein verängstigtes Opfer.

WOMAN: Ihr arbeitet mit Freiwilligen, die zusammen mit euch die Anrufe entgegen nehmen. Nach welchen Kriterien sucht ihr die aus?
Frances: Uns ist es wichtig, dass da ganz normale Leute am anderen Ende der Leitung sitzen. Sie müssen zuverlässig sein und gut in Small Talk. In jedem Fall möchten wir jede Person persönlich kennenlernen bevor sie bei uns mitmacht. Darüber hinaus denken wir gerade darüber nach, ein Polizeiliches Führungszeugnis zu fordern. In jedem Fall aber muss der ehrenamtliche Helfer eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Wir haben es hier mit hochsensiblen Daten zu tun, die auf keinen Fall für andere Zwecke missbraucht werden dürfen.

WOMAN: Wie lang ist das Telefon besetzt?
Frances: Das Heimwegtelefon ist noch in der Test- und Startphase. Am Wochenende haben wir über ein Dutzend Anrufe. Momentan sitzen wir von 22 bis 2 Uhr morgens am Telefon. Wenn wir merken, dass auch noch später viele Frauen anrufen, dann werden wir die Hotline-Zeiten verlängern.

WOMAN: Über was redet man dann eigentlich so, spätnachts, mit einer unbekannten Person?
Frances: Es geht wirklich um alles Mögliche. Oft geht es um Restaurants, Kochen, Segeln, die Berliner Mauer oder, oder, oder… Die Themen sind ganz unterschiedlich, aber zum Erzählen finden wir immer etwas. Manchmal ist es sogar schade, dass der Weg schon zu Ende ist.

WOMAN: Wir finden den Service ja richtig gut. Wollt' ihr nicht auch nach Österreich expandieren?
Frances: Möglich ist alles...Prinzipiell könnte man ja auch aus Österreich bei uns anrufen, allerdings wären dafür noch ein paar Recherchen und Vorbereitungen notwendig, was beispielsweise den Polizeianruf im Ernstfall angeht oder die Telefonkosten.