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HPV: Was ist das?

Ein Virus ist für Gebärmutterhalskrebs und andere Tumorerkrankungen verantwortlich. Die Impfung dagegen wird nun ins Schulimpfprogramm aufgenommen. Die wichtigsten Facts zum Thema.

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HPV: Was ist das?
© Thinkstock

Österreichweit sterben jährlich zwischen 140 und 160 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Eine Vorstufe der Krankheit im Muttermund-Bereich wird sogar bei bis zu 6.000 Frauen diagnostiziert. Ausgelöst werden kann diese Krebsart durch Humane Papilloma-Viren, kurz HPV. Und diese betreffen uns alle: Denn etwa 70 Prozent der Bevölkerung - und zwar Frauen und Männer - infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit dem Virus, manche auch öfter. Seit 2006 gibt es eine Impfung, die vor dem Ausbruch von HPV schützt. Diese ist zurzeit mit insgesamt ca. € 620,- noch relativ teuer und wird daher wenig in Anspruch genommen. Ihre Aufnahme in das kostenlose Schulimpfprogramm wird dies ab dem kommendem Jahr aber vermutlich ändern. Wir haben die wichtigsten Infos rund um das Humane Papilloma-Virus und alle Fakten zur Impfung gesammelt.

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Das HP-Virus.
Von dem weit verbreiteten Virus gibt es etwa 120 Unterarten. Im Falle einer Infektion schaltet sich normalerweise das Immunsystem ein und bekämpft sie. Wird diese aber chronisch, kann es zu Zellveränderungen kommen, Krebsvorstufen können entstehen. "Chronisch wird die Infektion dann, wenn die Erbinformation des Virus direkt in die Erbinformation der Zelle eingebaut wird und das Immunsystem nicht mehr eingreifen kann“, erklärt Gynäkologe Dr. Christian Marth. Neben Gebärmutterhalskrebs kann das Virus auch Feigwarzen sowie Krebs u.a. an Scheide, Schamlippen, Penis und Kehlkopf auslösen.

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Ansteckung und Symptome.
Das Virus wird über sexuellen Kontakt - also nicht nur beim Geschlechtsverkehr, sondern auch bei bloßer Berührung des Genitalbereichs - übertragen. Kondome reduzieren zwar das Risiko, schützen aber nur zu etwa 70 Prozent vor einer Infektion. Auch Ansteckung über ein gemeinsam benutztes Badetuch ist möglich. Das Tückische: Meist merkt man nichts von der Infektion, weil keine Symptome auftreten.

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Die Impfung.
Zwei Varianten sind verfügbar: eine Zweifach- und eine Vierfachimpfung. "Beide sind wirksam. Die Zweifachimpfung schützt vor den Hochrisikoviren vom Typ 16 und 18, die Krebs auslösen können. Die zweite Variante hilft auch gegen die Niedrigrisikoviren 6 und 11, die vor allem Genitalwarzen verursachen“, weiß Dr. Marth. Die Impfung ist dreiteilig: Ein bis zwei Monate nach der ersten Spritze wird die zweite und sechs Monate nach der Erstinjektion die dritte Dosis injiziert.

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Wirksamkeit.
Da beide Geschlechter an HPV erkranken können, wird die Impfung für Mädchen und Jungen empfohlen. Ideales Alter: neun bis zwölf Jahre. Der Impfschutz ist umso besser, je früher geimpft wird - sprich je geringer die Chance ist, dass man bereits mit HPV in Berührung gekommen ist. Eine Verbreitung des Virus könnte so von vornherein flächendeckend verhindert werden. Die Spritze schützt vor Neuinfektionen, es macht also Sinn, dass sich auch Erwachsene impfen lassen, auch wenn sie eventuell schon Kontakt mit dem Virus hatten und die Infektion wieder ausgeheilt ist. Wie lange der Impfstoff wirkt, weiß man noch nicht, wahrscheinlich lebenslang.

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Nebenwirkungen.
Der Impfstoff gilt als gut verträglich. Es kann jedoch - wie bei anderen Spritzen auch - zu Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle kommen. Außerdem neigen Jugendliche nach dem Impfen generell vermehrt zu einem Kreislaufkollaps. Auch diese Nebenwirkung ist hier zu beobachten. Da vor ein paar Jahren ein junges Mädchen einige Wochen nach der Verabreichung der HPV-Impfung gestorben ist, war der Impfstoff in Verdacht, ihren frühen Tod ausgelöst zu haben. "Der Fall wurde intensiv untersucht. Es gab jedoch zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang mit der vorangegangenen Impfung“, erläutert Dr. Pamela Rendi-Wagner vom Gesundheitsministerium.

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PAP-Abstrich.
Der jährliche Krebsabstrich beim Frauenarzt ist die wichtigste Untersuchung in der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Die Probe wird auf Vorstufen der Krebserkrankung untersucht. Um ein Missverständnis erst gar nicht aufkommen zu lassen: Die Impfung ersetzt den regelmäßigen PAP-Abstrich nicht! Der Grund: Chronische Infektionen mit den bereits erwähnten Hochrisikotypen 16 und 18 sind zwar laut OEGGG für über 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebs- Fälle verantwortlich. Aber es kann noch nicht gegen alle HP-Viren geimpft werden. Außerdem gibt es - selten, aber doch - sogenannte Impfversager: "Menschen, die durch die Impfung keinen Schutz entwickeln“, erklärt Dr. Marth.

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Impfprogramm.
Die HPV-Immunisierung wird nun in das Schulimpfprogramm aufgenommen: Ab Februar 2014 können Kinder im 10. Lebensjahr, in der 4. Schulstufe, kostenlos geimpft werden. Studien zeigen, dass durch HPV verursachte Krebsformen laufend zunehmen. "Durch steigende Erkrankungszahlen wurde die rasche Aufnahme der Vorbeugung in das Kinderimpfprogramm zunehmend wichtiger. In weltweiten HPV-Impfprogrammen wurden bisher 170 Millionen Injektionen verabreicht. Dabei konnte ein Rückgang von HPV-Genitalwarzen und eine starke Reduktion von Krebsvorstufen bei den Immunisierten beobachtet werden“, weiß Dr. Rendi-Wagner. Erwachsene müssen die Behandlung selbst bezahlen.