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Hyperhidrose: Wenn starkes Schwitzen zur Krankheit wird

Jeder schwitzt. Schweiß ist normal - ob beim Sport, bei Hitze oder Aufregung. Übermäßig starkes schwitzen kann aber tatsächlich eine Krankheit sein, bei der kein Hausmittel wirkt - Hyperhidrose. Was du tun kannst und was wirklich bei übermäßiger Transpiration hilft, erfährst du hier!

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Hyperhidrose: Wenn starkes Schwitzen zur Krankheit wird

Ständige Schweißflecken können zu großem Leidensdruck führen

© iStock/andriano_cz

Wenn man sich nicht gerade beim Sport verausgabt, möchte man sie tunlichst vermeiden: für alle sichtbare Schweißflecken. Sie sind peinlich und mit Scham behaftet, vor allem, wenn sie in Situationen auftreten, in denen wir sie ganz und gar nicht brauchen können. Ob Date, Vorstellungsgespräch oder Arztbesuch – sichtbares Schwitzen in unpassenden Momenten ist definitiv verzichtbar.

Starkes Schwitzen: Ab wann spricht man von Hyperhidrose?

Woran erkennt man Hyperhidrose?

Während allerdings die meisten von uns nur hin und wieder in solch eine Lage geraten und es auf Aufregung, Hitze oder Anstrengung zurückführen können, sind andere ständig damit konfrontiert. Sie leiden unter Hyperhidrose, dem übermäßigen beziehungsweise krankhaften Schwitzen. "Geht das Schwitzen über die Erfordernisse der Wärmeregulation unseres Körpers hinaus, spricht man von Hyperhidrose.", so die Fachärztin für Dermatologie und Venerologie Margit Meidinger. "Die Betroffenen schwitzen ohne erkennbaren Anlass beziehungsweise auch in nicht schweißtreibenden Situationen extrem, neigen also zu unkontrollierbaren Schweißausbrüchen.“

Schweißflecken Shirt

Ursache: Was ist Hyperhidrose?

Unterschieden wird zwischen primärer Hyperhidrose , die ohne Grunderkrankung auftritt, sowie sekundärer Hyperhidrose , die hormonell bedingt (zum Beispiel im Rahmen der Wechseljahre), oder als Folge einer Erkrankung (beispielsweise im Falle von Nervenverletzungen oder Adipositas) auftritt. Sie kann generalisiert, also am ganzen Körper, oder lokal, zum Beispiel an den Händen oder im Genitalbereich, auftreten.

Wozu ist Schwitzen gut?

Schweiß: Lebenswichtige Funktion als Stigma

Für unseren Organismus ist Schwitzen lebenswichtig und unverzichtbar, denn es sorgt nicht nur für die Abkühlung unserer Hülle, der Haut, sondern reguliert auch die Temperatur im Inneren unseres Körpers. Tritt diese Körperfunktion allerdings in übermäßiger Form auf, führt das nicht selten zur Stigmatisierung der Betroffenen. Schweißhände zum Beispiel werden meist als unhygienisch und abstoßend empfunden, man möchte Körperkontakt tunlichst vermeiden.

Hyperhidrose: In Verbindung mit Infektionen

"Hyperhidrose kann mit erheblichen psychosozialen Problemen verbunden sein, die mitunter zur sozialen Isolation führen.", erläutert der Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie Veith Moser. "Die Erkrankung geht außerdem mit enormen Einschränkungen im Berufsleben einher und ist nicht selten mit häufigen Infektionen der Haut durch Viren, Bakterien und Pilze vergesellschaftet." Das Gefühl, für jeden sichtbar zu schwitzen kann zu Stress und damit zu weiterer vermehrter Schweißproduktion führen – ein Teufelskreis, den Betroffene nur schwer durchbrechen können: "Derartige Situationen werden deshalb immer häufiger vermieden.", so Margit Meidinger. "Unglücklicherweise ist es vielen Hyperhidrose-Patienten unangenehm, zum Arzt zu gehen. Viele leiden seit dem Kindes- oder Jugendalter unter der Erkrankung."

Hyperhidrose: Problemzone Intimbereich

Wenngleich übermäßiges Schwitzen meist an den Händen, den Füßen oder im Achselbereich auftritt, kann es sich auch im Genitalbereich manifestieren. Betroffene versuchen häufig, es mittels Slipeinlagen oder anderer Hilfsmittel zu kaschieren, was zu erheblichen gesundheitlichen Problemen bis hin zu Infektionen führen kann. In erster Linie leidet allerdings die Psyche, wie die Fachärztin für Gynäkologie, Eva Lehner-Rothe, erläutert: "Vermehrtes Schwitzen im Intimbereich stellt für die Patienten ein großes Problem dar. Den meisten ist es peinlich und unangenehm und sie trauen sich nicht einmal, ihrem Partner oder ihrer Frauenärztin davon zu erzählen. Das kann sich auf die Psyche und auch auf die Partnerschaft negativ auswirken."

Interview Sexologin

Starkes Schwitzen im Intimbereich - was tun?

Die Expertin empfiehlt eine sanfte Intimpflege mit Salbeitee sowie eine Intimrasur, um unangenehmen Geruch zu verhindern. "Im Schamhaar sammeln sich Bakterien, die den Geruch verstärken." Lehner-Rothe plädiert dafür, sich einem Arzt anzuvertrauen, wenn das Problem Hyperhidrose besteht. Das verhindere eine Einschränkung der Lebensqualität und den Rückzug in die Isolation. Gemeinsam könne man eine Lösung beziehungsweise die passende Therapie finden.

Was hilft wirklich: Wie wird Hyperhidrose behandelt?

Welcher Arzt bei Hyperhidrose?

Die Diagnose Hyperhidrose kann von Allgemeinmedizinern, Fachärzten für Dermatologie, aber im Bedarfsfall oder bei Verdacht auf hormonelle Störungen auch von Endokrinologen gestellt werden. Wichtig ist, sich überhaupt jemandem anzuvertrauen und um ärztlichen Rat zu bitten. Bevor therapeutische Maßnahmen zum Einsatz kommen, gilt es, herauszufinden, ob es sich um eine sekundäre Hyperhidrose handelt und welche Grunderkrankung vorliegt. "Die primäre Hyperhidrose kann mittels lokaler Therapien behandelt werden.", erklärt Margit Meidinger. "Das heißt, man trägt aluminiumchloridhaltige Lösungen, Deos oder Cremes auf die betroffenen Areale auf – meist vor dem Schlafengehen. Dadurch wird eine Verlegung der Schweißdrüsenausführungsgänge erreicht, was zu einer verminderten Schweißsekretion führt." Des Weiteren sei die Leitungswasseriontophorese , eine Gleichstromtherapie für Hände und Füße, empfehlenswert. „"Die medikamentöse Behandlung mittels Anticholinergika ist ebenfalls hilfreich."

»Botox kann bei therapieresistenter und starker Hyperhidrose effektiv und nachhaltig helfen!«

Hyperhidrose & übermäßiges Schwitzen: Botox hilft!

Eine weitere und langanhaltende Therapiemöglichkeit stellt Botulinum Toxin A dar, das man aus dem Bereich der Faltenbehandlung kennt und das mittlerweile auch gegen Migräne zur Anwendung kommt. Veith Moser sagt: "Botox hat sich in den letzten Jahren als effektives Mittel gegen Hyperhidrose bewährt. Vor allem unter den Achseln können Patienten enorm davon profitieren, aber auch Hände, Füße und Genitalbereich sind mit Botox nachhaltig behandelbar." Die Wirkungsdauer liege zwischen sechs bis acht Monaten, manche Patienten seien zwölf Monate trocken, so der Experte.

Der Experte behandelt auch Patienten, die unter übermäßigem Schwitzen im Genitalbereich leiden. Lehner-Rothe ist überzeugt: "Botox kann bei therapieresistenter und starker Hyperhidrose effektiv und nachhaltig helfen."

Wir haben Botox in den Achseln übrigens getestet: HIER der Erfahrungsbericht!

Hyperhidrose - was noch hilft:

  • Stressreduktion
  • Gewichtsreduktion
  • atmungsaktive Kleidung ohne Kunstfasern
  • Ernährungsumstellung
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Schweißdrüsenabsaugung
  • Entfernung der Schweißdrüsen tragenden Haut

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