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#IAmNotDangerous: So wehren sich psychisch erkrankte Menschen im Netz

"Würde keiner Fliege was zuleide tun": Die Diskussion, die gerade unter dem Hasthag #IAmNotDangerous stattfindet, ist eine der wichtigsten überhaupt.

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#IAmNotDangerous: So wehren sich psychisch erkrankte Menschen im Netz
© Photo by Yoann Boyer on Unsplash

Fast 84 Millionen Menschen in der EU sind laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2016 von einer psychischen Krankheit betroffen. Dennoch ist der Umgang damit noch häufig ein Tabuthema. Vorurteile, Unsicherheit und Missverständnisse sind die Folge und der Grund, weshalb die mehr oder weniger öffentliche Debatte rund um dieses Thema häufig in eine falsche Richtung abdriftet. Im Zuge der Amokläufe in Texas formierte sich ein Hashtag, der deutlich macht, wie psychische Erkrankungen generalisiert und Betroffene stigmatisiert werden. Unter #IAmNotDangerous (z. Dt. "Ich bin nicht gefährlich") sprechen Menschen öffentlich über ihre Erkrankung und beenden ihre Tweets mit Sätzen wie "...und noch nie hab ich daran gedacht jemanden zu töten".

Sprache schafft Realität

Besonders der Umgang mit Sprache ist in dieser Debatte ein wichtiger Punkt: Egal ob im näheren Umfeld oder auf Social Media: Täter – wie im Falle der Amokläufe – als "Psycho" zu betiteln oder die Tat an sich als "eine Folge der psychischen Erkrankung" abzutun, ist nicht nur falsch, sondern auch ziemlich gefährlich. Menschen mit psychischer Erkrankung werden immens belastet und die Debatte in eine Richtung gedrängt, in der sie nichts zu suchen hat.

Vorfälle in den USA: Schärfere Waffengesetze gefordert

Die beiden jüngeren Amokläufe in Texas machen ziemlich deutlich, dass schärfere Waffengesetze in den Vereinigten Staaten mehr als nötig sind. Jedes Jahr sterben in den USA mehrere tausende Menschen infolge von Schusswaffengebrauch. Eine Studie, die sich mit den Amokläufen an deutschen Schulen befasst hat, zeigt, dass ausnahmslos alle Täter im Vorfeld bereits Zugang zu Waffen hatten. Erfahrung im Umgang mit Schusswaffen hatten immerhin 57,1 Prozent aller Täter. "Von den Personen, die keinen bis wenig Umgang mit Schusswaffen hatten, hat ein Täter seine Opfer nicht tödlich getroffen, der andere konnte vom bedrohten Lehrer überwältigt werden", heißt es in der Untersuchung.

In der wissenschaftlichen Literatur wird laut der Untersuchung häufig darauf hingewiesen, dass die Täter zwar Opfer von Mobbing in der Schule wurden, sich aber die Erfahrungen, die sie machten von denen ihrer Altersgenossen nicht erheblich unterschieden. Ein Schlüsselfaktor scheine deshalb in der narzisstischen Kränkbarkeit der Täter zu liegen, wodurch sie Konflikte und Demütigungen psychisch nicht verarbeiten und für sich abschließen können, heißt es.

#IAmNotDangerous: Hashtag stoßt Debatte an

"Die Massenshootings, die wir gerade in den USA erleben, sind kein Thema, das mit psychischer Erkrankung zu tun hat", schreibt eine Userin. "Es geht um den Zugang und die Kontrolle von Schusswaffen." Unter dem Hashtag häufen sich die teils sehr persönlichen Geschichten von Personen, die offen über ihre Krankheit sprechen. Die Debatte scheint einen Nerv getroffen zu haben und macht deutlich, dass ein sorgsamer Umgang mit Sprache gefordert ist:

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