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"Ich habe AIDS": Sabina, eine als Teenager infizierte Frau, im berührenden Gespräch

Sabina, 26, wurde als Teenager von ihrem Freund mit dem HI-Virus infiziert. In einem berührenden Gespräch erzählt sie, wie sie mit dem Schicksal Aids umgeht.


"Ich habe AIDS": Sabina, eine als Teenager infizierte Frau, im berührenden Gespräch
© Steffi Starz

Langsam und gebrechlich kommt Sabina, 26, durch die Tür. Sie schiebt eine fahrbare Gehhilfe vor sich her, auf die sie ihre Hände stützt. Ihre dunklen, gelockten Haare hat sie zu einem Knoten zusammengebunden, sie trägt Jeans und ein schwarz-rot gestreiftes Shirt. Ihre Augen strahlen überraschend vital und lebensfroh, als sie uns die Hände schüttelt. Erst auf den zweiten Blick hängt über diesem hellen Funkeln, das man nur bei wenigen Menschen sieht, ein Schleier der Traurigkeit. Seit acht Jahren lebt die Wienerin mit der Diagnose „HIV-positiv“: Eine Gehirnhautentzündung löste die Immunschwächeerkrankung Aids durch das HI-Virus aus.

Nachricht im OP
Sabina war 18 Jahre alt, als sie in einem völlig unerwarteten Moment die Nachricht förmlich an den Kopf geworfen bekam. „Es war der Horror“, erinnert sich die junge Frau, die leise und sehr langsam spricht. „Ich lag im Aufwachzimmer des AKH, hatte gerade eine schwere Operation hinter mir, weil mir mein damaliger Freund in Rage mit einem Messer den Unterarm aufgeschlitzt hatte.“ Ihre Mutter saß in diesem stickigen Zimmer neben ihr am Bett, Sabinas Bewusstsein war noch im Dämmerzustand, als sie plötzlich den Arzt mit gleichgültiger Stimme sagen hörte: „Ihre Tochter hat Aids!“ Diese unmenschliche Art, die Wahrheit zu erfahren, war das Allerschlimmste. „Es macht mich heute noch unglaublich wütend“, sagt Sabina, und ihre Augen funkeln vor Zorn.

Da begann für die gebürtige Serbin ein Psychotrip: „Meine Mutter und meine Familie waren völlig aufgelöst. Sie wussten nicht, wie sie mit mir umgehen sollen, und haben mich sehr schlecht behandelt: Ich durfte nirgends mehr sitzen oder stehen, durfte nichts angreifen und bekam Plastikgeschirr beim Essen.“ Irgendwann hielt es die junge Frau nicht mehr aus und rannte weg. Einfach weg von zuhause, von den Menschen in ihrem Leben, für die sie plötzlich zum Ekel und zur Last geworden war. Sabina rannte auf die Straße, ohne Ziel. Immer wieder dachte sie daran, wie es überhaupt so weit gekommen war: Sie war erst 12 Jahre alt, als sie mit ihrem damaligen Freund Thomas zusammen kam. Die junge Verbindung begann mit der Romantik einer Teenagerliebe. „Erst mit 16 Jahren habe ich das erste Mal mit ihm geschlafen.“ Doch Thomas hatte massive Probleme mit sich und seinen Eltern, und mit den Jahren entwickelte sich der Mann zur schieren Katastrophe: „Er ging immer wieder fremd, und wenn er wütend war, schrie er mich an und schlug mir ins Gesicht. Ich habe sehr oft mit ihm Schluss gemacht.“ Und Sabina und fügt traurig hinzu: „viele Male zu oft“.

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