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Ich bin seit der Geburt völlig erschöpft und will keinen Sex

Du hast eine dringende Frage zu deiner Partnerschaft? Unser Experte berät dich realistisch, aus männlicher Sicht und mit viel Herz.


Ich bin seit der Geburt völlig erschöpft und will keinen Sex
© istockphoto.com

Mein Mann und ich haben vor einem halben Jahr einen Sohn bekommen. Die Geburt und die schlimmen Nächte machen mich sehr müde, und deshalb habe ich überhaupt keine Lust auf Sex. Natürlich ist mir klar, dass ein halbes Jahr kein Sex (eigentlich sind es acht Monate) nicht lustig ist, aber mein Mann drängt mich immer mehr, obwohl er doch sieht, wie erledigt ich bin. Ich bin verzweifelt, weil er nun droht, dass er regelmäßig onanieren und auch Pornos schauen will. Ich finde, das ist die Vorstufe zum Fremdgehen. Ich weiß, dass das kein Zustand ist, der länger andauern kann. Aber je mehr mich mein Mann erpresst, desto mehr werde ich mich verweigern. Eine Freundin rät mir nun zu einer Paartherapie. Glauben Sie, dass das notwendig ist?

Dr. Schmitz: Was tun Sie, um sich von Ihrer Erschöpfung zu erholen? Was tut Ihr Mann dazu, dass Sie sich erholen können. Haben Sie einen Kind/Haushalts-"Dienstplan", an dem er einen entlastenden Anteil hat? Bietet er Ihnen ausreichend Hilfe an? Sodass Sie freie Zeit für sich haben und abschalten können? Lassen Sie sich Hilfe von ihm geben? Überlassen Sie ihm gelegentlich das Kind, und er kümmert sich (ohne Sie) um den Sohn? Oder sind Sie die allumsorgende und stets zuständige Mutter, die im Muttersein aufgeht, alles alleine erledigen will, alles andere zurückstellt und die Partnerschaft aussetzt? Um Lust auf Sex zu bekommen, dürfen Sie nicht andauernd erschöpft sein. Sorgen Sie für Erholung. Und dann für ungestörte Zweisamkeit mit Ihrem Mann. Da muss das Kind versorgt sein, sodass Sie beide keine Ansprüche des Kleinen erfüllen müssen.

Ihr Mann ist schon hochgradig frustriert. Steckt hinter seinen Drohungen die Angst, dass er Sie als Partnerin verloren hat? Sie müssen nicht immer so wollen wie er. Es ist nicht schlimm, wenn er gelegentlich onaniert. Soll er ab und zu auch einen Porno schauen. Das ist nicht bedrohlich, nicht der Anlauf zum Seitensprung. Porno und Selbstbefriedigung dürfen allerdings nicht zum Dauerersatz werden. Da hängt auch von Ihnen ab, was Sie tun, um das zu verhindern. Für welche Zweisamkeit sorgen Sie? Wie sehr lassen Sie ihn an sich herankommen? Welche körperliche Nähe suchen und gestatten Sie? Wenn Sie Sexualität miteinander ausschließen, sich Lust und Lusterfüllung vorenthalten, ändert sich die Beziehung dramatisch. Sie geben damit eine eheliche Partnerschaft auf. Die Gefahr von Seitensprüngen zieht auf. Wenn Sie das nicht wollen, müssen beide sich umeinander bemühen.

Du hast eine Frage an Dr. Michael Schmitz (schmitz.at)? Dann schicke dein Anliegen per Mail an fragensiedoch <AT> woman.at.