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Ich bin Single. Und jetzt?

Das perfekte Match? Noch nicht gefunden! Sechs Singles erzählen von ihren Erfahrungen bei der Suche nach der großen Liebe. Was sie probierten, warum es nicht klappte, wie glücklich sie mit ihrem neuen Leben sind und worauf sie hoffen.

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Ich bin Single. Und jetzt?
© istockphoto.com

Christine Seidl, 54, Event-Managerin

Neustart mit 51. Nach zwei Ehen und zwei weiteren Beziehungen hieß es für Christine Seidl mit 51 wieder: Zurück ins Single-Leben. Einsam fühlt sich die zweifache Mutter trotzdem nicht: "Ich habe einen großen Freundeskreis. Und immer mehr meiner Freundinnen sind Single-Ladies". Die Vorteile? "Ich kann Helene Fischer hören und darf flirten, mit wem ich möchte." Die Nachteile: "Niemand da, wenn man heimkommt, kein regelmäßiger Sex." Am Anfang fand die Wienerin ihre Situation spannend: "Man ist offen für Neues. Aber bald tauchte der Wunsch nach einer Partnerschaft auf, nach dem Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Und die Großpackungen im Supermarkt sind auch ein Horror." Warum sie den Richtigen nicht findet? "Ich bin sportlich und unternehmungslustig, da kommen Männer in meinem Alter oft nicht mit. Und wenn, dann wollen sie eine Jüngere." Dating-Plattformen hat sie aufgegeben: "Das Ergebnis war frustrierend. Fake-Profile, Lügen und unmoralische Angebote." Heute sucht Seidl nur mehr "im echten Leben": "Nur so sieht man, ob man zueinander passt!"

Conny, 29, Büroassistentin

Genießt ihre Freiheit in vollen Zügen. Vor einem halben Jahre trennte sie sich von ihrer "großen Liebe", mit der sie fünf Jahre zusammen war. "Das hat weh getan, aber ich habe mich zum Glück nicht allzu lange hängen lassen." Jetzt kann Conny stundenlang mit einer Freundin telefonieren und Romantikfilme in Dauerschleife ansehen. Jedenfalls sieht die Niederösterreicherin, die seit ihrem 14. Lebensjahr in drei langjährigen Beziehungen und "nie wirklich alleine" war, entspannt in die Zukunft. Den größten Vorteil im Single-Dasein sieht sie darin, sich nicht verbiegen zu müssen. "Ich bin ein fürsorglicher Typ und verwöhne einen Partner sehr. Aber zur Zeit muss ich mir keine Gedanken machen, was ich abends kochen soll." Nur ab und zu vermisst die 29-Jährige Dinge wie Kuschelabende auf der Couch. Wenn es zu schlimm wird mit den Einsamkeitsgefühlen, trösten sie Freundinnen. Online-Singlebörsen sind für Conny jedenfalls keine Alternative: "Das gibt mir nichts. Ich möchte sofort spüren, ob eine körperliche Anziehung da ist oder nicht." Ihr Motto: Der Richtige wird schon noch kommen.

Darko Vladetic, 49, Schauspieler

Verkrampft suchen bringt nichts. "Klingt ganz schön heftig. Aber ich bin jetzt schon zehn Jahre Single", sagt Darko. Und das, obwohl der 49-Jährige schon so einiges ausprobiert hat. "Ich habe mich von Freunden verkuppeln lassen, war in Bars unterwegs, flirtete bis zur Augenentzündung und verkaufte mich auf Online-Dating-Plattformen". Heute weiß der Schauspieler, dass Kompromisse nicht nur für eine, seine Seite gelten können, und sieht die Suche nach Mr. Right nicht mehr ganz so eng: "Sobald man zu sehr darauf fixiert ist, wird das nichts. Ich bin auch als Single glücklich." Und bis es so richtig funkt, vertreibt sich der Wiener einsame Abende mit seinem haarigen Mitbewohner auf vier Pfoten: "Mit meinem süßen Kater Teemo klappt das Zusammenwohnen ganz wunderbar. Die Nachteile am Singleleben?" Ich muss das Katzenklo alleine sauber machen. Und den Valentinstag kann ich aus meinem Kalender löschen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Und bei 7.413.615.227 Menschen auf der Erde wird sich wohl der Eine finden lassen, oder?!"

Barbara Reichart, 34, Sekretärin

Die Einsamkeit dominiert. Die ersten zwei Jahre als Single hat Barbara genossen. "Doch jetzt sind es schon fast neun. Ich fühle mich nur mehr einsam und gelangweilt", gesteht die Oberösterreicherin. Der großen Liebe ist sie noch nicht begegnet, "aber einem richtigen Bad Boy, der mich extrem verletzt hat, zum Glück auch nicht." Mit krampfhafter Suche hat's die 34-Jährige schon probiert: "Da habe ich von mir aus Männer angesprochen oder Verkupplungsversuche von Freunden zugelassen. Das würde ich nicht mehr machen." Gebracht hat es nichts. "Zumindest weiß ich jetzt, dass man die meisten im Baumarkt kennenlernt", lacht sie und überlegt, ob sie dort öfter mal Schrauben kaufen sollte. Dass ihre beiden Kinder, 14 und elf Jahre, ein Hindernisgrund für so manches Date sind, glaubt Barbara, die in einem kleinen Dorf lebt, nicht: "Vielleicht, als sie kleiner waren, aber jetzt sehe ich da kein Problem mehr." Dating-Plattformen oder Affären als Alternative?" So weit bin ich noch lange nicht", hofft sie weiter. "Irgendwann wird er vor mir stehen."

Sabine Kaboth, 46, Autorin

Er muss die Kinder akzeptieren. Seit fünf Jahren ist die Mutter einer 15-jährigen Tochter und eines neunjährigen Sohnes ohne Partner. "In meinem Alter ist die Auswahl an guten Männern sehr gering", sagt Sabine, die schon öfter enttäuscht wurde: "Da gibt es so viele, denen man den Stempel 'beziehungsdement' verpassen könnte. Die vergessen, dass sie liiert sind, und verbringen ihre Zeit lieber mit Freunden als mit mir." Ersatzväter hat sie nie gesucht, aber ein Partner muss damit klarkommen, dass sie nur wenig spontan sein kann: "Da nimmt er dann lieber eine ohne Anhang." Die Wienerin fühlte sich stets zerrissen zwischen Mann und Kindern. "Irgendwie wollte ich es immer jedem recht machen. Das stresst." Rückblickend weiß sie: "Ich habe mich zu oft angepasst." Und auch jetzt ist ihr Hauptproblem "die Sorge, Erwartungen zu enttäuschen und Ansprüchen nicht gerecht zu werden" Was sie sich wünscht? "Einen besten Freund, der auch ein 'Mann für gewisse Stunden' ist."