Ressort
Du befindest dich hier:

"Ich verliebe mich öfter!": Dompfarrer
Toni Faber im WOMAN-Interview

Er ist Österreichs bekanntester und umtriebigster Pfarrer. Wiens Don Camillo gilt als Frauenversteher, Objekt der Begierde und tummelt sich viel am Society-Parkett. Im großen Interview erzählt er erstmals über sein „Vorleben“, zeigt Jugendfotos und dass er auch ein Grübler ist.


"Ich verliebe mich öfter!": Dompfarrer
Toni Faber im WOMAN-Interview
© Ernst Kainerstorfer

Woman: Herr Pfarrer, haben Sie eigentlich mit Nicole, mit der Sie einst am Opernball eintanzten, noch Kontakt?

Faber: Leider nur ganz selten. Sie ist Pharmareferentin geworden und war beruflich viel unterwegs, für einige Jahre auch in Australien. Aber nur damit keine Missverständnisse entstehen: Wir waren nie ein Paar! Ich bin da ein bisschen ein gebranntes Kind, weil mir immer wieder Verhältnisse angedichtet werden. Ich kann nicht einmal mit einer Frau ganz normal abendessen gehen, schon wird gemauschelt.

Woman: Das wird dem Bischof nicht gefallen!

Faber: Es gibt immer wieder ein Gespräch, wo er sich rückversichert, ob eh alles in Ordnung ist, bei all dem, was man über mich spricht. Ich konnte ihn bisher immer beruhigen. Also auch ich muss beichten!

Woman: Wem haben Sie die stärkste Beichte abgenommen?

Faber: Einer verunglückten Persönlichkeit, die als Prostituierte arbeitete. Diese junge Frau wurde vom Vater vergewaltigt, von der Mutter verkauft. Sie war drogenabhängig und kurz davor, mit ihrem Leben Schluss zu machen. Ich hörte ihr lange zu und legte ihr meine Hände auf die Stirn und den Scheitel und betete für sie. Daraufhin meinte sie: „So hat mich noch kein Mann berührt ...“ Sie war so überwältigt, dass sie mich fragte, ob sie mich umarmen darf. Das war eine Geschichte, die mir sehr ans Herz ging.

Woman: Am Jägerball beobachteten wir, wie Ihnen eine ganz Schar lustiger Dirndln hinterherjagte und um ein Gläschen Wein und einen Tanz bat. Wie geht’s Ihnen mit solchen besonders anhänglichen Schäfchen?

Faber: Gut, ich unterhalte mich ja gerne und weiß es sehr zu schätzen, dass mich viele Frauen so gut leiden können.

Woman: Sie dürfen ja nicht lügen ...

Faber: Nicht mehr oder weniger als Sie. Warum?

Woman: Schon mal ein unmoralisches Angebot bekommen?

Faber: Nicht nur eines! Aber ich bin noch nie schwach geworden. Solche Angebote passieren in einer beschwingten Stunde, und ich stell dann auch klar, dass ich solche Verhältnisse nicht eingehen kann. Einmal war ich wirklich schockiert. Da sollte ich ein Paar trauen, und drei Wochen vor der Hochzeit wurde ich Ohrenzeuge, wie die Braut in spe sich mit einem anderen Mann darüber unterhielt, ob sie zu ihr gehen oder zu ihm ... Peinlich berührt bin ich auch, wenn Männer und Frauen ihre Begegnung in der Horizontalen praktizieren wie andere einen Händedruck! Ich bin zwar nicht prüde, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dies das große Glück ist.

Woman: Dürfen sich Priester eigentlich Erotikfilme ansehen?

Faber: Es geht im Leben darum: Was bringt dich weiter zu anderen Menschen, zu Gott, zu dir selbst? Es ist wohl keine schwere Sünde, sich das anzuschauen. Aber ich glaube, dass sich kein Mensch positiv weiterentwickelt, wenn er Pornografie konsumiert. Dort wird Sexualität ja komplett verdinglicht.

Woman: Was, wenn Sie eine Frau sexuell anziehend finden?

Faber: Das Gefühl zulassen, aber nicht direkt in eine Tat umsetzen. Ich darf auch eifersüchtig sein, besitzergreifend ... all diese Emotionen kommen natürlich. Aber ich muss eben kultiviert damit umgehen. Als Student habe ich schon geübt, mit Frauen umzugehen, die mich faszinieren. Wenn ich eine sah, sagte ich: „Lieber Gott, schön hast du diese Frau geschaffen! Aber ich muss sie nicht haben!“ Das kann man trainieren. In den ersten Jahren lügt man sich freilich selbst in die Tasche. Nach dem Motto: „Ich hab diese Gefühle doch gar nicht …“ Doch mit der Zeit wird man reifer.

Woman: Und was, wenn Sie einen erotischen Traum haben?

Faber: (lacht) : Wer schläft, sündigt nicht! Also träumen ist legitim. Ich habe mich mit der Traumdeutung nach Sigmund Freud befasst, und da ist jeder Traum eine ganz gute Gewissenserforschung. Da weiß ich immer, in welchen Bereichen ich glücklich oder eben sehnsüchtig, unerfüllt oder triebhaft gesteuert bin. Wenn das gegenüber einer bestimmten Frau so wäre, würde ich versuchen, näheren Kontakt zu meiden.

Woman: Auf welchen Typ Frau reflektieren Sie besonders?

Faber: Ob blond, ob braun – ich liebe alle Frauen (scherzt) . Was ich mir als 18-Jähriger in meiner spätpubertären Primitivfassung unter einer Traumfrau vorgestellt habe, ist heute obsolet. Ich blicke nicht auf die Figur, sondern bei jedem auf das Herz.

Woman: Haben Sie sich während des Zölibats schon verliebt?

Faber: Natürlich! Das passierte mir nicht nur einmal. Es gibt vermeintlich lupenrein-asketische Priester, die Frauen meiden wie der Teufel das Weihwasser. Die sind aber meist so garstig zu anderen und zu sich selbst, dass ich ihnen auch nicht so leicht glauben kann, dass sie den lieben Gott lieben. Ich sehe es so: Unser eheloses Priester-Leben soll uns befreien, dass wir mehr lieben können. Mehr Liebe ist die Hauptstoßrichtung! Sie ist die Kraft des Lebens und hat viele Schattierungen. Haben Sie sich noch nie in jemand verliebt, obwohl Sie anderweitig gebunden waren? Das ist total menschlich! Es sind nur die Einschränkungen in unserer Liebesfähigkeit, die uns so verbittert und lebensunfroh machen.

Woman: Das heißt, Sie haben, wenn Ihnen danach war, auch ungeniert eine Frau geküsst?

Faber: Es wäre eine totale Verkürzung, wenn Sie mich jetzt nur auf das sechste Gebot festnageln wollen. Ich versuche nach besten Kräften nach meinen Idealen zu leben, aber ob es mir immer hundertprozentig gelingt, das muss einmal allein der liebe Gott beurteilen.

Woman: Sie haben einmal in einer Messe gepredigt: „Jesus ist wie ein eifersüchtiger Liebhaber.“ – Ein schönes, vermenschlichtes Bild. Sie müssen sehr im Leben stehen, um auf diese Metapher zu kommen ...

Faber: Die Liebhaberei, das Buhlen, das Werben, das eifersüchtige Abgrenzen – das alles sind normale Gefühle, die das Buch Hosea in der Bibel auch Gott zuschreibt. Wenn Sie meine Geliebte wären, wär’s mir nicht wurscht, wenn Sie mit wem anderen flirten ... Einmal war ich mit einer Freundin unterwegs und richtete, während ich mit ihr sprach, ein Auge auf eine andere. Na, mehr hab ich nicht gebraucht! Meine Freundin drehte mich zu sich und tobte: „Da spielt die Musik!“ (Lacht)

Woman: Waren Sie früher ein guter Liebhaber?

Faber: Da müsste man meine damaligen Freundinnen fragen. Ich war als junger Bursch eher ein Fisch in vielen Gewässern. Im Gymnasium hatte ich viele Freundinnen hintereinander. Ich habe sicher auch viele verletzt. Aber in keiner fand ich eben die ultimative Partnerin für die Zukunft und die potenzielle Mutter für gemeinsame Kinder.

Woman: Sind Sie dann aus Frust Priester geworden?

Faber: Nein. Aus Dankbarkeit. Als ich 18 war, drohte mir ein Nierenversagen. Ich wusste nicht, wie lange ich noch leben werde. Doch als ich wieder gesund wurde und alle meine materiellen Wünsche an Bedeutung verloren hatten, war ich so dankbar für mein Leben, dass ich es dem lieben Gott verschrieb.

Woman: Wann hatten Sie eigentlich Ihr erstes Mal?

Faber: Zu früh. Das ist nicht unbedingt empfehlenswert.

Woman: Was war Ihre schlimmste Jugendsünde?

Faber: Ich bekam zwei Strafanzeigen: einmal, weil ich wen am Fahrrad mitführte, und einmal, weil ich mit 15 in eine Schlägerei involviert war. Alle anderen suchten das Weite, nur ich bekam’s ab: eine Faust mitten ins Gesicht. Mir platzte sogar die Lippe! Aber der Angreifer war ein Sandkasten-Rocker und reichte mir aus Mitleid gleich ein Taschentuch (lacht) .

Woman: Bereuen Sie es, so enthaltsam leben zu müssen? Denken Sie nicht ab und zu daran, als Priester auszusteigen?

Faber: Klar gibt’s manchmal Stunden, wo ich mich einsam fühle. Dann geh ich sporteln, höre Musik oder beschäftige mich mit Kunst. Man kann ja auch glücklich sein ohne Partnerschaft. Sonst wären sehr viele Menschen sehr unglücklich. Die meisten leben in unvollendeten Gestalten – egal ob ohne oder mit Beziehung. Ich bin mit meiner Lebensentscheidung und all ihren Bürden ausgesöhnt. Sehne mich weder nach einer Ehe noch danach, Vater zu sein. Und wenn ich mir meine Brüder Manfred, Franz und Johannes anschaue: Da weiß ich nicht, wer von uns auf mehr verzichtet. Denn als ich Franz, der beim Möbel Leiner arbeitet, mal fragte: „Was wünschst du dir im neuen Lebensjahr?“, sagte er: „Einmal wieder richtig ausschlafen können.“ Er hat diese drei entzückenden Kinder (zeigt auf ein Foto) mit 5, 9 und 13. Ich kann diesen Luxus am freien Tag und im Urlaub doch öfters genießen!

Woman: Haben Sie noch mehr Geschwister?

Faber: Ja, auch noch zwei Schwestern, Eva und Judith. Mein Vater war sehr lebensfroh und wollte auch mal Pfarrer werden! (Lacht)

Woman: Glauben Sie eigentlich an Reinkarnation? Und haben Sie eine Ahnung, wer Sie in einem früheren Leben waren?

Faber: Nein, daran glaube ich nicht. Jeder Mensch ist so einmalig, dass es nicht würdevoll wäre, in Gestalt einer anderen Person noch einmal geboren zu werden. Sie leben jetzt 80, 90 Jahre – was Ihnen eben bestimmt ist. Und dann ist Ihr menschliches Dasein gut aufgehoben, kommt an einem höheren Ort zur Ruhe, und dort erleben Sie ein Glück, das Sie hier nur ansatzweise erleben können. Sie können sich dort den ganzen irdischen Scheiß ersparen, sind dann einfach super drauf und völlig vollendet! Die primitivste Gentechnik widerspricht jeder Form der Reinkarnation! Überlegen Sie sich, was Sie anlässlich Ihrer Grabrede hören wollen. Und dann machen Sie alles, was Sie noch tun, spüren, erleben wollen jetzt! Versäumen Sie das nicht!

Woman: Was wollen Sie noch tun, spüren, erleben?

Faber: Ich will lieben, lieben, lieben.

Imterview: Katrin Kuba & Petra Klikovits