Ressort
Du befindest dich hier:

Ich will mich aber aufregen!

Facebook-Freunde, Nachbarn mit Grill und Leute, die einen überfreundlich begrüßen. All das regt Spiegel- Bestellerautor Matthias Nöllke wahnsinnig auf. Warum es ihm aber Spaß macht sich aufzuregen, verrät er im Interview.

von

Ich will mich aber aufregen - sich ärgern ist gesund

"Was könnte ich mich aufregen..." - Tu es doch!

© Thinkstock Images. Pic by Moodboard

Das Leben ist schon schwer genug. Überall Leute, die einem auf die Nerven gehen: Vordrängler, Besserwisser, witzige Kollegen, energiegeladene Chefs mit furchtbaren Ideen, Jogger mit Stirnlampe, achtsame Wellness-Menschen, Eltern mit hochbegabten Kindern. All das sind Dinge, die den Autor Matthias Nöllke furchtbar aufregen. Was nicht schlimm ist, denn er sagt: "Sich aufzuregen ist gut. Es verschafft jede Menge Vorteile, ist gesund und erfrischend. Ein Stoßlüften der Seele". Im Interview spricht Nöllke über sein Buch "Ich will mich aber aufregen!" und erzählt wie ihn die kleinsten Kleinigkeiten im Alltag aufregen und er sich einen Spaß daraus macht.

»"Ausgeglichenheit ist doch furchtbar. Ein seelisches Null zu Null, da kann ich mich ja gleich begraben lassen."«

WOMAN: Lieber Herr Nöllke, haben Sie sich heute schon aufgeregt? Wenn ja, worüber?
Matthias Nöllke: Oh ja, ich bin mit dem Fahrrad ins Büro gefahren. Da gibt es immer viel zum Aufregen. Autofahrer, Fußgänger, andere Radfahrer, sie alle sind gegen dich. Und dann sind da natürlich noch die Ampeln mit ihren extralangen Rotphasen für Radfahrer. Die sind besonders schwer zu ertragen, wenn die Autos noch lange, lange grün haben, während wir Radfahrer anhalten müssen und schon langsam festwachsen. Komischerweise sind diese ausgedehnten Grünphasen verschwunden, wenn ich selbst mal Auto fahre.

WOMAN: Ihr Buch "Ich will mich aber aufregen!" thematisiert mit viel Humor die kleinen Ärgernisse des Alltags. Worauf dürfen sich die Leser freuen?
Matthias Nöllke: Ich habe mich bemüht, Alltagssituationen zusammenzutragen, die jeder kennt. Das fängt mit den Begrüßungen an: Es gibt ganz schlimme Begrüßungen, die einem den ganzen Tag verderben können. Der kleine Ärger am Arbeitsplatz gehört ebenfalls dazu: Mit neidischen, unfähigen, aber immer humorvollen Kollegen, Vorgesetzten, die einen "begeistern" wollen, Seminarleitern, die jeden Scheiß "ganz spannend" finden. Unsere Freunde können uns ebenso auf die Nerven gehen wie unsere Familie oder unsere Nachbar - vor allem die mit einem Grill. Der kleine Ärger zwischendurch begleitet uns durch unser ganzes Leben - bis zum Ende. Und vielleicht noch darüber hinaus.

WOMAN: Ärgern Sie sich auch mal über sich selbst?
Matthias Nöllke: Das ist überhaupt das Allerwichtigste. Ich finde, wir regen uns noch viel zu selten über uns selbst auf. Wir lassen uns alles Mögliche durchgehen, erfinden faule Ausreden und führen uns selbst an der Nase herum. Manche kleben kleine Zettel an ihren Badezimmerspiegel, auf denen zu lesen ist, dass sie völlig in Ordnung sind, so wie sie sind. Ist das nicht entwürdigend? Es ist doch schon schlimm genug, dass du deinem Chef in den Hintern kriechen musst. Wenn du dir jetzt auch noch selbst etwas vormachst, dann bist du ganz unten angekommen.

WOMAN: Yoga ist der neue Trendsport - immer mehr Menschen streben nach innerer Ausgeglichenheit. Warum plädieren Sie fürs Aufregen, anstatt Ihre Leser zum Erlernen von Entspannungstechniken zu animieren?
Matthias Nöllke: Ausgeglichenheit ist doch furchtbar. Ein seelisches Null zu Null, da kann ich mich ja gleich begraben lassen. Mit allem einverstanden sein, mich nicht mehr aus der Ruhe bringen lassen, so weit bin ich erst, wenn ich tot bin.
Das heißt aber keineswegs, dass man auf Yoga verzichten muss. Denn wie ich von Bekannten gehört habe, kann man sich richtig gut über diesen ganzen Yoga-Unfug aufregen: Über diese Übungen, die alle andern hinbekommen, weil sie fleißig zu Hause geübt haben, und nur du selbst schaffst es nicht mal in die Kamelhaltung. Und wenn du es doch schaffst, dann kommst du ohne fremde Hilfe nicht mehr da raus!

WOMAN: Belastet es nicht die Beziehung zu den Mitmenschen, wenn man sich ständig aufregt?
Matthias Nöllke: Man regt sich ja nicht ständig auf, sondern nur, wenn es was Feines zum Aufregen gibt. Natürlich trifft es hin und wieder Mitmenschen, auch und gerade wenn man die eigentlich ganz gern hat. Das finden die nicht immer schön. Manchmal regen sie sich dann über uns auf, was aber auch in Ordnung ist. Und schließlich sorgt der kleine Ärger zwischendurch nicht nur für Streit. Sehr häufig verbindet er uns auch mit unseren Mitmenschen. Eine Beziehung kann gar nicht schlecht sein, solange es noch genügend Dinge gibt, über die man sich gemeinsam aufregen kann.

WOMAN: Was machten Sie den Lesern Ihres Buches mit auf den Weg geben?
Matthias Nöllke: Sich aufregen tut gut, sich aufregen macht Spaß. Und es ist gar nicht so schwer. Denn unser Leben ist voll von Dingen, die kaum zu ertragen sind. Man muss sie nur entdecken!

Das Buch

Erhältlich ist das Buch "Ich will mich aber aufregen!" von Matthias Nöllke seit 15. August im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag für Euro 9,95.

Anmerkung Redaktion: "Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der Humor hat und auch mal gerne zynisch ist. Matthias Nöllke ist das auf jeden Fall - ich musste sehr lachen!"

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .