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Illegal: Auf dem Strich

Sie sind noch halbe Kinder und jobben als Huren. Zwei Sozial-
wissenschaftlerinnen beschreiben dieses triste Leben nun in einem Buch. WOMAN zeigt vier Schicksale …


Illegal: Auf dem Strich
© Veres

Es ist drei Uhr früh in einer dunklen Seitengasse beim Wiener Westbahnhof. Die 15-jährige Rita, die sich seit zwei Jahren in diesem Grätzel als Illegale auf dem Mädchenstrich ihre Drogensucht finanziert, schlägt fröstelnd ihre goldene Plastikjacke über der Brust zusammen und ist wütend. „Jetzt war ich grad bei so einem grauslichen Alten im Auto, der es ohne Gummi machen wollte. Um depperte 40 Euro. Der war so aggressiv und wollt mich fast vergewaltigen. I bin nix wie weg“, erzählt sie den Sozialwissenschaftlerinnen Tina Ring und Carolin Tener, die ihren Standplatz schon kennen und dort auf sie gewartet haben. Ritas Erlebnis ist für die beiden 27-Jährigen nichts Ungewöhnliches. Sie haben für ihre Diplomarbeit schon 25 Prostituierte interviewt, die, noch minderjährig, auf dem Wiener Mädchenstrich ihrem Gewerbe nachgehen oder -gingen. „Mädchen wie Rita sind der Willkür ihrer Freier ausgeliefert. Werden sie vergewaltigt oder misshandelt, so können sie ihre Peiniger nicht einmal anzeigen, weil sie ja illegal sind“, bringt es Carolin auf den Punkt. „Da es in Wien für diese Kindfrauen noch kein spezifisches Betreuungsangebot gibt, wollen wir unsere Recherchen jetzt durch das Buch ,Auf dem Strich‘ veröffentlichen.“ Die Autorinnen weiter: „Es gibt zwar den Verein ‚Sophie‘ (15., Oelweingasse 6–8, Tel.: 897 55 36), der Prostituierten beim Ausstieg aus dem Gewerbe hilft, aber nichts, das nur für Jugendliche ist. Unser Buch soll wachrütteln, damit die Mädchen endlich die Hilfe und Zuwendung bekommen, die sie verdienen …“

Die Illegalen. Allein in Wien gibt es 6.000 illegale Prostitu­ierte. Darunter sehr viele Minderjährige, davon wiederum etwa 200 Österreicherinnen. Viele beantragen nach dem 18. Lebensjahr den „Deckel“ (die Kontrollkarte) nicht, weil sie dann Steuern zahlen müssten. Amtlich registrierte Prostituierte – in Wien sind es etwa 600 – müssen großjährig sein und wöchentlich zur vorgeschriebenen Untersuchung gehen. „Eine wichtige Notwendigkeit, die bei den Illegalen wegfällt“, so Elisabeth Mayer, 42, die als Sozialarbeiterin bei der MA 15 im „Ambulatorium zur Diagnose und Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten“ arbeitet. „Denn Geschlechtskrankheiten sind im Ansteigen.“ Sie weiß aus ihrer Praxis, dass vor allem drogensüchtige Mädchen auf den Strich gehen. „Natürlich versuche ich immer, sie zum Entzug zu überreden, aber die Sucht ist meist stärker.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen WOMAN